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Benoo Gantner: Der Kunsthistoriker sprach über Münsing, Dorfen, die Wolfratshauser Burg und Flurkarten.

Die Burg stand in Weidach

Vortrag über Münsing, Dorfen und die Wolfratshauser Burg

Wolfratshausen - Rund 40 Interessierte lauschten bei einer Veranstaltung des Historischen Vereins einem promovierten Kunsthistoriker. Dieser sprach über Münsing, Dorfen und die Wolfratshauser Burg.

Seit rund 25 Jahren beschäftigt sich Gantner mit den Flurkarten des ersten bayerischen Katasters aus dem frühen 19. Jahrhundert. Zwischen 1809 und 1812 entstanden die für das Oberland bedeutenden Karten, die für Historiker wichtige Quellen sind. Aus ihnen lassen sich unter anderem Informationen über Grenzen, Besitzrechte, Grundrisse und topographische Gegebenheiten herauslesen. Mit ihrer Hilfe lässt sich Entwicklungsgeschichte bis ins frühe Mittelalter und teilweise bis in die spätrömische Zeit nachvollziehen.

Die Wichtigkeit der Flurkartenanalyse

„Flurkarten sind Urkunden, man muss nur lernen, ihre Inhalte zu lesen“, sagte Gantner. Er betonte, dass jeder, der Ortsgeschichte betreibe, sich auch der Flurkartenanalyse widmen müsse. Ansonsten würde man nur zu halben Ergebnissen kommen. In Bezug auf die Wolfratshauser Burg sagte Gantner: „Die Burg gehört zu Weidach, nicht zu Wolfratshausen.“ Begründung: Der Schlossberg mit Vor- und Hauptburg müsse den Karten zufolge als Flureinheit mit Weidach gesehen werden. Das zeige der Verlauf der alten Flurgrenzen.

Grafen von Haching Gründer und Erbauer der Burg

Als Gründer und Erbauer der Burg nannte der Kunsthistoriker die Grafen von Haching. Sie hätten die Burg wohl während oder nach den Ungarneinfällen des 10. Jahrhunderts erbaut. Die Burg Wolfratshausen kennzeichne „die Expansion des Hachingers auf fremdes Gebiet“. Am Hinterland allerdings war er nicht interessiert. Daraus schließt Gantner, dass der Bau der Burg auch damit zu tun hatte, dass die Hachinger sich am Brückenzoll bereichern wollten. „Die Burg hatte auch Kontroll- und Zollfunktion. Es ging ums Geld.“

Teilung Münsings resultiert aus Entstehungsgeschichte

Die Gründung der Eurasburger Burg schließlich sei Gantner zufolge die Antwort der Iringer auf die Burg Wolfratshausen gewesen. Anhand der alten Flurkarten veranschaulichte der Kunsthistoriker zudem, warum Münsing „ein geteiltes Dorf“ ist und es von den Einheimischen noch heute in Osten und Westen gegliedert wird. Demnach resultiert diese Teilung aus der Entstehungsgeschichte.

Auf den Spuren von Münsings Teilung

Zuerst gab es das Sedeldorf – der Teil, in dem der Sitz des Ortsadels lag. Der hat einst eine Kirche – das Münsinger Gotteshaus – gestiftet, um die herum sich das Pfarrdorf entwickelte. Sichtbare Zeichen dieser noch heute in den Köpfen der Münsinger verankerten Teilung: je ein Maibaum in Ost und West sowie je eine Wirtschaft in Ost und West. Wer an Flurkarten interessiert ist, dem empfahl Gantner den Gang zum Landesvermessungsamt in München.

Nina Daebel

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