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Warten nicht in ihrem Büro, bis die Schüler hineinkommen: Die Sozialarbeiter an den Mittelschulen Claudia Eff (Wolfratshausen) und Joachim Koch (Waldram). 

Im Gespräch mit den Schulsozialarbeitern Claudia Eff und Joachim Koch

„Man braucht eine gesunde Psychohygiene“

Sie sind für die Schüler Ansprechpartner und helfende Hände in Problemsituationen: Die Schulsozialarbeiter an den Wolfratshauser Mittelschulen. Seit zehn Jahren gibt es dieses Angebot bereits am Hammerschmiedweg, zwei Jahre später wurde die Stelle in Waldram eingeführt. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit Claudia Eff (Wolfratshausen) und Joachim Koch (Waldram) über die Arbeit mit den Kindern, Vertrauensbildung und über die Fähigkeit, schwere Schicksale im Privatleben auszublenden.

-Frau Eff, Herr Koch, fast 50 Einzelfälle wurden 2016 an der Schule am Hammerschmiedweg betreut, 25 in Waldram. Welche Einzelschicksale stehen hinter diesen Zahlen?

Koch: Das ist ein weites Spektrum. Dazu zählen zum Beispiel Mediationen und Streitschlichtungen. Wir leisten Einzelfallhilfe in verschiedensten Bereichen. Da geht es zum Beispiel um Mobbing, Probleme im schulischen Bereich, Berufsorientierung. An manchen Stellen kommen wir nur weiter, wenn wir die Eltern mit einbeziehen, auch das gehört also zu unserer Arbeit. Wir richten natürlich einige Projekte zusammen mit manchen Klassen aus. Es gibt auch Deutsch-Lernhilfe für Migranten.

Eff: Aber die Hauptarbeit liegt in der Einzelfallhilfe. Die Nachhilfe-Angebote vermitteln wir lediglich.

-Sie haben das Thema Mobbing als Beispiel angeführt. Für viele Schüler, die darunter leiden, ist es bestimmt nicht leicht, sich zu öffnen. Wie schaffen Sie bei den Schülern dieses Vertrauen?

Eff: Das ist eine sehr wichtige Frage. Für uns ist das ein großes Thema. Wenn ich nur in meinem Büro sitzen würde und auf die Schüler warte, kommt niemand. Das heißt natürlich, dass wir rausgehen, Kontakt zu den Schülern suchen und einfach präsent sein müssen. Durch einige Projekte mit den fünften und sechsten Klassen, zum Beispiel regelmäßige Klassenratsstunden, an denen alle Schüler und die Lehrkraft teilnehmen, lernen wir die Schüler kennen. Streitigkeiten in den Pausen oder schwierige Freundschaftskonstellationen werden dort besprochen.

Koch:Es gibt klare Regeln bei diesen Terminen. Den Schülern wird dabei auch eine gewisse Gesprächskultur vermittelt. Wie spreche ich Probleme an? Wie gehe ich mit Streit um? Wie finden wir Lösungen? Das ist sehr wichtig. Damit können wir auch Konflikten vorbeugen.

-Wie verhalten Sie sich in diesen Sitzungen?

Eff:Wir sind bei den Gesprächen absolut neutral. Das nehmen die Kinder ja auch wahr. Wenn sie das mitbekommen, kommen die Schüler auch von selber und trauen sich, Probleme zu thematisieren.

-Aus ihrer Fallstatistik geht hervor, dass gerade die Fünftklässler häufig Kontakt zu Ihnen suchen. Acht in Waldram, 23 in Wolfratshausen. Wie kommt das?

Eff: Dazu muss ich etwas sagen. Diese große Zahl liegt an dem Dokumentationssystem, das die Regierung von Oberbayern vorgibt. Wir dokumentieren nämlich, wann ein Schüler das erste Mal bei uns war. Das heißt, einfach erklärt: Wenn wir einen Schüler über drei Jahre betreuen, wird er trotzdem als Fünftklässler geführt. Aber natürlich: Einige ältere Jugendliche sind uns gegenüber ein bisschen reservierter. Die kommen nicht mehr so oft mit ihren Problemen zu uns, weil sie sie alleine lösen wollen. Die Zahl der Streitschlichtungen geht mit dem Alter zurück.

Koch: Es ist auch so, dass wir mit den jüngeren Schülern in engerem Kontakt stehen. Da gehen wir öfter in die Klassen, die Kinder kennen uns. Deshalb kommen sie auch eher. Im letzten Jahr war die Einzelfallarbeit mit den Fünftklässlern aber tatsächlich intensiver als früher. Das kann aber in diesem Jahr schon wieder anders sein.

-Sie kümmern sich auch um familiäre Probleme. Wie können Sie aus der Schule heraus überhaupt auf das Umfeld einwirken?

Eff: Das ist schwierig. Zuerst bleiben die Gespräche hier im Raum. Nach Absprache mit den Kindern versuchen wir dann zu vermitteln und suchen nach Lösungen, wenn möglich in Zusammenarbeit mit den Eltern. Wir machen aber keine Ehe- oder Scheidungsberatung.

Koch: Wir müssen oft abwägen, was das Beste für die Kinder in der jeweiligen Situation ist. Es gibt ja viele verschiedene Stellen, an die man vermitteln kann. Oft wollen die Schüler aber nicht, dass die Gesprächsinhalte nach außen gehen. Dann ist es wichtig, dass man ihnen zuhört und versucht, sie nach Kräften zu unterstützen...

Eff: ...das gelingt, indem man da ist als Ansprechpartner. Manchmal ist es für die Schüler auch sehr hilfreich, wenn wir den Lehrern erklären, dass die Jugendlichen eine schwierige Phase durchmachen.

-Wie funktioniert denn der Austausch mit den Lehrern?

Koch: Wir vermitteln immer wieder zwischen Schülern und Kollegium, klar.

-Wie gelingt Ihnen die Integration von Flüchtlingen in den Schulalltag?

Koch: Die Herausforderung ist es, die Schüler miteinander in Kontakt zu bringen. In Waldram und Wolfratshausen gibt es Übergangsklassen mit Asylbewerbern, die wir an den Schulalltag heranführen. Das funktioniert durch gemeinsame Projekte ganz gut. Eine andere Möglichkeit sind Kooperationsübungen und/ oder Kennenlernspiele. Wir sehen: Je enger der Kontakt ist, desto weniger Konflikte gibt es. Die Klassen verstehen sich inzwischen recht gut.

-Sie kümmern sich um verschiedene Probleme der Kinder. Schaffen Sie es, das nach Dienstschluss auszublenden?

Eff: Ich kann das meiste schon hier lassen. Das musste ich aber lernen. Wenn es mal Fälle gibt, die ich nicht gut lösen kann, beschäftigt mich das aber auch privat. Dann frage ich mich, was man noch probieren kann.

Koch: Man braucht eine gesunde Psychohygiene, so würde ich es nennen, um die Arbeit machen zu können. Mir hilft zum Beispiel regelmäßiger Sport und Yoga. Das ist als Ausgleich wichtig. In den Anfangsjahren im Beruf ist mir das aber auch privat näher gegangen. Es gibt aber schon Ausnahmen, die einen privat mitnehmen. Was mir dann hilft, sind positive Rückmeldungen. Es ist toll, wenn man hört, dass die Arbeit erfolgreich war.

Eff: Manchmal besuchen mich ehemalige Schüler – erwachsene Menschen, die viel durchgemacht und einiges erlebt haben. Viele davon stehen heute mitten im Leben. Das sind wahnsinnig schöne Momente.

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