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Über die erhaltenswerten Baudenkmäler Wolfratshausen referierte Archite kturhistorikerin Dr. Kaija Voss in der Flößerei. 

Vortrag zum Thema Baudenkmäler

Wenn Zeitzeugen zu Sorgenkindern werden

Über 100 Zuhörer kamen zum Vortrag von Dr. Kaija Voss. Die Architekturhistorikerin referierte über Baudenkmäler und warb für „notwendigen Luxus“. 

Wolfratshausen – Eine „Denkmalallianz“ hat sich laut Dr. Sybille Krafft in Wolfratshausen gebildet. Die Vorsitzende des Historischen Vereins sprach von der gemeinsamen Veranstaltung ihres Vereins, dem Werbekreis Einkaufsstadt und dem Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW). Vor über 100 Gästen referierte Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss über Baudenkmäler in Wolfratshausen – und zeichnete nebenbei ein Bild der Stadtgeschichte.

Die sei „ereignisreich“ gewesen und hinterließ unzählige „steinerne Zeitzeugen“ aus verschiedenen Epochen, so Voss. Sie gab mit Fotos einen Überblick über die Baustile, die in Wolfratshausen zu finden sind. In der Nantweiner Kirche St. Laurentius schmückt ein Kunstwerk aus der Spätromanik, eine Figur des heiligen Nantovinus, den Innenraum: Die Kirche selbst stammt aus der Gotik, was an den Spitzbogen, die das gelbe Bauwerk auszeichnen, zu erkennen ist. Ein barockes Schmuckstück thront über den Dächern der Altstadt. Die Frauenkapelle auf dem Kalvarienberg – übrigens „der älteste im Landkreis“, sagte Voss. 1643 wurde der prägnante, achteckige Zentralbau der Kapelle abgeschlossen. Erweitert wurde der Bergweg durch die katholische Dreifaltigkeitskapelle von 1715. Jugendstil-Villen und Ferienhäuser im und um den Bergwald, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, runden das historische Gesamtbild ab.

Immer wieder standen in der Vergangenheit altehrwürdige Bauten vor dem Abriss. Zuletzt schlug der Plan hohe Wellen, ein Gebäude an der Alpenstraße abzubrechen. In der Innenstadt soll das ehemalige Isar-Kaufhaus am Untermarkt 7-11 weichen. Der Neubau – so die Vorgabe – soll den Charakter des Bestandsgebäudes aufgreifen. „Es ist dem historischen Verein wichtig, dass die Dreigliedrigkeit des Gebäudes aufgenommen wird“, betonte Voss. Sie begreift das Projekt als „Chance, harmonisch zum Ensemble zu bauen und die Vorgaben der Vorväter umzusetzen“.

Insgesamt bedauert die Architekturhistorikerin, dass viele denkmalgeschützte Bauten im Stadtgebiet in einem „mäßig sanierten Zustand“ seien. Der Putz am alten Krankenhaus an der Sauerlacher Straße blättert ab, das ehemalige Isar-Kaufhaus steht seit Jahren leer. An die anwesenden Stadtratsmitglieder – unter anderem die beiden Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Stellvertreter Fritz Schnaller – richtete Voss den Appell, das „Erbe zu erkennen und zu bewahren“.

Anhand von Beispielen aus anderen Städten bewies Voss, dass es durchaus möglich ist, aus Baudenkmälern „Schätze zum Verweilen und Erleben“ zu schaffen. So sei eine ehemalige Baumwollspinnerei in Kolbermoor heute ein Café mit rustikal-historischem Charme, die Bauten im Markt in Murnau seien gepflegt und in Schuss. Dafür müsse die Kommune bereit sein, sich den „notwendigen Luxus“ der Denkmalpflege zu leisten.

Ernst Gröbmair, Vorstandsmitglied der LAW, lobte das Engagement einiger Privatleute, die ihre Häuser in der Altstadt kürzlich in Eigenleistung restauriert haben. Eine Arbeit, die nicht immer einfach ist: „Es erfordert Anstrengung, das zu erhalten“, betonte Werbekreis-Chefin Ingrid Schnaller.

Dr. Sybille Krafft brachte eine Idee ins Gespräch, den Umgang mit historischer Bausubstanz in Wolfratshausen zu regeln: ein Gremium, bestehend aus Vereinsvertretern und Lokalpolitikern, das sich in Zusammenarbeit mit „ausgewiesenen Fachleuten“ berät. „Das darf dann aber nicht als Quatschbude oder als Störenfried wahrgenommen werden“, sagte die Vorsitzende des Historischen Vereins.

Dominik Stallein

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