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Im Winter kann man einiges falsch machen, Orientierung geben viele Binsenweisheiten. Dass heiße Zitrone gegen Erkältung hilft, da ist tatsächlich etwas dran.

Hilft eine Heiße Zitrone, gelten eingeschneite Verkehrszeichen?

13 Wintermythen: Wir stellen sie auf den Prüfstand

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Schnee und Eis haben den Landkreis fest im Griff. Macht die Kälte krank, hilft Glühwein beim Aufwärmen, und gelten eingeschneite Verkehrsschilder überhaupt? Wir sind 13 verbreiteten Wintermythen auf den Grund gegangen.

1. Wer friert, erkältet

sich schneller.

Richtig, sagt Apotheker Josef Blickenberger von der Alten und Neuen Hofapotheke in Bad Tölz. Zwar wird eine Erkältung von Viren verursacht – und denen ist es egal, ob es kalt oder warm ist. Aber: „Wenn man friert, wird die Nasenschleimhaut weniger durchblutet. Und dann können sich Viren besser verbreiten“, erklärt Blickenberger. Deshalb sind bei Kälte warme Schuhe, Handschuhe und ein Schal um den Hals ganz wichtig.

2. Küssen ist bei einer Erkältung tabu.

Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. „Mit dem Speichel werden Erreger übertragen“, betont Dr. Stefan Klügl von der Hausarztpraxis Wolfratshausen. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass Viren über den Mund direkt in den Magen-Darm-Trakt transportiert und dort unschädlich gemacht werden. Darauf weist Manuela Marte-Strauß von der Kaufmännischen Krankenkasse in Weilheim in einer Pressemitteilung hin. Und: Das durch Küssen ausgeschüttete Hormon Dopamin soll sogar die Gesundheit fördern. Wesentlich größer ist die Ansteckungsgefahr durch Husten oder Niesen – und durch Händeschütteln: Die Viren können auf der Haut mehrere Stunden überleben. Reibt man sich dann die Augen oder berührt seine Nase, kann das schon ausreichen, um den Viren einen sicheren Weg in den Körper zu bahnen.

3. Eine Erkältung dauert mit Behandlung sieben Tage, ohne eine Woche.

Diese Bauernregel ist zwar eine grobe Vereinfachung, sagt Dr. Klügl. Falsch sei sie aber nicht: Der Körper braucht Zeit zum Genesen. Medikamente machen zwar nicht schneller gesund, können aber begleitende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber oder Husten lindern. Apotheker Blickenberger ist anderer Meinung. Er empfiehlt gerne pflanzliche Mittel, die auch auf Viren wirken, wie zum Beispiel Pelargonium-Extrakt. „Damit kann man einen Infekt durchaus abkürzen“, so seine Erfahrung. Zur Stärkung des Immunsystems sei auch hochdosiertes Zink in Kombination mit Vitamin C hilfreich – besser aber schon zur Vorbeugung.

4. Heiße Zitrone macht wieder gesund.

„Prinzipiell ein guter Gedanke“, meint Apotheker Blickenberger. Das in Zitronen enthaltene Vitamin C kann die Abwehrkräfte unterstützen. „Allerdings wird Vitamin C bei Temperaturen über 70 Grad Celsius zerstört. Zu heiß darf das Getränk deshalb nicht sein.“ Gibt man noch Honig dazu (auch dafür muss es etwas abkühlen), helfen die entzündungshemmenden Stoffe gegen Halsschmerzen. Ingwer wärmt zusätzlich von innen.

5. Eingeschneite Verkehrszeichen gelten nicht.

„Schilder, die aufgrund ihrer Form erkennbar sind, behalten ihre Gültigkeit“, erklärt Polizeihauptkommissar Andreas Gremler aus Geretsried. Das gilt zum Beispiel für das Vorfahrt-gewähren- und das Stoppschild. Schwieriger zu beachten seien runde Schilder, die beispielsweise ein Überholverbot oder eine Geschwindigkeitsbeschränkung enthalten können. Die allgemeine Straßenverkehrsordnung bleibt aber immer gültig: „Wenn im Ortsbereich ein Tempo-30-Schild nicht erkennbar ist, darf ich trotzdem nicht schneller als 50 fahren“, erläutert Gremler. Von Ortskundigen, die jeden Tag die gleiche Strecke fahren, wird zudem erwartet, dass sie die Schilder kennen. Übrigens: Ist die Windschutzscheibe so verschneit, dass die Parkscheibe oder der Behindertenausweis nicht zu sehen ist, muss man keinen Strafzettel befürchten, berichtet der Polizeibeamte. Sei dagegen das KfZ-Kennzeichen nicht saubergeputzt, drohe ein Verwarnungsgeld.

6. Weihnachtssterne sind giftig.

Auch jetzt noch steht in vielen Haushalten dieser Klassiker der Adventszeit. „Die ganze Pflanze, besonders der weiße Milchsaft, ist giftig“, weiß Klügl. Allerdings nicht so sehr wie häufig verbreitet. Wenn Kinder aus Neugier davon essen, drohen Bauchschmerzen, Übelkeit oder Hautausschlag. Ernsthaft gefährlich kann die Pflanze für Kleintiere wie Hamster oder Wellensittich werden.

7. Lichtmangel führt zur Winterdepression.

Die kalte Jahreszeit führt bei einigen Menschen zu Müdigkeit und schlechter Stimmung. Hauptgrund dafür ist tatsächlich der Mangel an Sonnenlicht. „Gegen diese depressive Störung hilft am besten eine Lichttherapie mit einer speziellen Tageslichtlampe“, weiß Klügl. Sport und Bewegung an der frischen Luft verbessern die Stimmung ebenfalls.

8. Hunde sollten im Winter einen Mantel und Schuhe tragen.

Das gilt nicht grundsätzlich, sagt die Geretsrieder Tierärztin Inga Bräuning. Normalerweise biete das Winterfell ausreichend Schutz auch für lange Spaziergänge. „Hunde mit sehr dünnem Fell ohne Unterwolle frieren bei Minusgraden allerdings schnell und sind für ein Mäntelchen dankbar.“ Kann man beim Gassigehen stark gesalzene Strecken nicht vermeiden, können auch Schuhe sinnvoll sein, um dem Hund Schmerzen zu ersparen. Melkfett oder spezielle Pfotencremes, die nicht einziehen, bieten ebenfalls einen gewissen Schutz, so Bräuning. Wichtig ist vor allem, dem Hund nach dem Spaziergang die Füße gut abzuwaschen.

9. Beim Eiskratzen kann man den Motor laufen lassen.

„Das ist verboten“, erklärt Gremler. Es schade nicht nur der Umwelt, sondern mache auch den Motor kaputt. Und: „Warm wird der Wagen ohnehin kaum, solange der Motor nur vor sich hintuckert.“ Wer sich erwischen lässt, dem droht ein Verwarnungsgeld.

10. Im Winter sollte man draußen keinen Sport machen.

Stimmt nicht, sagt Leichtathletiktrainer und TuS-Vorstand Mirko Naumann. Mit der richtigen Kleidung seien Minusgrade kein Problem: „Man sollte sich aber nicht zu warm anziehen.“ Denn beim Ausdauersport wird durch die Bewegung Wärmeenergie erzeugt. Wer in zu dicker Kleidung trainiert, schwitzt schneller und erhöht sein Erkältungsrisiko. „Lieber am Anfang etwas frieren“, meint Naumann. Nach fünf Minuten sei man aufgewärmt. Auf Mütze und Handschuhe sollten die Sportler jedoch nicht verzichten.

11. Glühwein wärmt von innen.

Unsinn – das Gegenteil ist der Fall: „Alkohol erweitert die Blutgefäße“, erklärt der Hausarzt und Herzchirurg Klügl. „Das bewirkt zwar ein kurzfristiges Wärmegefühl, lässt den Körper aber umso schneller auskühlen.“ Nachhaltiger wärmt stattdessen Tee. Kügl empfiehlt vor allem heimische Kräuter wie Kamille, Thymian und Salbei: „Die darin enthaltenen ätherischen Öle wirken entzündungshemmend und pflegen die Schleimhäute.“

12. Cremes gefrieren auf der Haut.

„Wer bei winterlicher Kälte eine normale Sommercreme benutzt, tut seiner Haut nichts Gutes“, weiß der Tölzer Apotheker Josef Blickenberger. Die darin enthaltene Feuchtigkeit kann tatsächlich gefrieren und kleine Äderchen in der Haut zum Platzen bringen. „Entscheidend für die Wintertauglichkeit einer Creme ist, dass der Fettanteil höher als der Wasseranteil ist“, erklärt Blickenberger.

13. Piercings und Ohrringe können am Körper festfrieren.

Stimmt. Metall leitet Kälte. Piercings an Ohren oder Nase können deswegen zu Erfrierungen führen, warnt Mediziner Klügl. Eine mögliche Folge: nässende Wunden und Infektionen. „An schlecht durchbluteten Regionen wie dem Ohrläppchen heilt das Gewebe sehr schwer.“ Also: Mütze drüber.

cw

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