Die Waldramer Tanzlmusi in Kolumbien

2000 Selfies mit den Lederhosen-Männern aus Waldram

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Sie wurden wie Rockstars gefeiert: Die Mitglieder der Waldramer Tanzlmusi hatten auf dem Oktoberfest im kolumbianischen Bogotá einen grandiosen Auftritt. 

Wolfratshausen/Bogotá – Klatschende, schunkelnde Menschen, Biertische und eine Band in Lederhosen auf der Bühne – eine typische Oktoberfest-Szene, sieht man davon ab, dass das Zelt über 9200 Kilometer vom Münchner Original entfernt in Bogotá/Kolumbien steht. Echt sind jedoch die Musiker: Sebastian (35), Benedikt (41) und Tobias (40) Brustmann, Rupert Gantner (38) und Hannes Bolzmacher (34), bestens bekannt als die Waldramer Tanzlmusi.

Bayern in Bogotá: Die Waldramer Tanzmusi wurde bei ihren Auftritten in Südamerika gefeiert.

Auf Einladung der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer, die seit zwölf Jahren die Wiesn an der Nordspitze Südamerikas organisiert, sollten die fünf Deutschen für Stimmung sorgen. Vermittelt wurden die Musiker über einen Kolumbianer, der lange in München gelebt, dort das Bierbrauen erlernt und heute in Bogotá den Gerstensaft nach deutschem Reinheitsgebot ansetzt.

Bitte recht freundlich: Dutzende Würstlbuden-Betreiber baten die Oberbayern um ein Foto – mit ihrem Produkt.

Als die Anfrage kam, waren die Musiker erst einmal perplex. „Was sollen wir denn spielen? Wiesn-Hits vielleicht? Wir machen doch eher traditionelle, bayerische Musik.“ Nichtsdestotrotz: Die fünf Herren sagten zu, packten ihre Musikinstrumente – vom Kontrabass bis zum Flügelhorn – ein und schlüpften in die Lederhosen. „Aus diesen sollten wir die nächsten sechs Tage nicht mehr herauskommen“, sagt Sebastian Brustmann und lacht. Gut, dass einer Krachledernen eine hohe Strapazierfähigkeit bescheinigt wird, die elf Stunden Flug sah man ihr dennoch an. „Der Hintern war wunderbar ausgebeult.“

In Bogotá wartete bereits die Presse. „Die Handelskammer hatte ein Treffen mit Kolumbiens größter Tageszeitung ,El Tiempo‘ organisiert“, erzählt Benedikt Brustmann. „Und so waren wir am nächsten Tag das Titelbild im Kulturteil.“ Im Anschluss an den Pressetermin war eine Stadtbesichtigung geplant – „nur, dass wir nicht vom Fleck gekommen sind“. Der Grund: „Alle, die uns sahen, wollten ein Selfie mit den Männern in Lederhosen machen. Wir sind uns vorgekommen wie die Rockstars.“ Die Fotowünsche der Südamerikaner sollte außerhalb der Auftritte die Hauptbeschäftigung der Oberbayern werden.

„Vor der Halle waren Würstlbuden aufgebaut“, sagt Sebastian. „Jeder Budenbetreiber wollte ein Foto, wie wir möglichst begeistert in seine Wurst beißen.“ Er lacht. „Was waren wir froh, als nach dem sechsten Verkaufsstand endlich mal ein Bierausschank kam.“ Die Brüder schätzen, dass mit ihnen rund 2000 Gruppenfotos und Selfies gemacht wurden – „eigentlich haben wir sechs Tage lang nur gegrinst“.

Zum ersten Auftritt der Waldramer Tanzlmusi kamen etwa 3800 Besucher. „So viel wie noch nie“, zeigt sich Benedikt Brustmann verwundert. „Alle wollten die Musiker aus Bayern sehen.“ Die fünf Deutschen wechselten sich mit einer kolumbianischen Band ab. „Die kannten sämtliche Wiesn-Hits. Deutsch sprachen sie nicht, aber ,Rosamunde‘ haben sie gespielt“, erinnert sich Sebastian Brustmann.

Auf dem Oktoberfest in Bogotá haben übrigens Wettbewerbe Tradition. Wer hat die schönste Tracht? Wer kann die meisten Masskrüge stemmen? „Plötzlich hieß es, wir sollen gegen die kolumbianische Band – die sich übrigens Alpenband nannte – antreten“, berichtet Benedikt Brustmann. „Da mussten wir schon schlucken. Wie sollten wir mit einem Walzer gegen deren Hits punkten?“ Doch kneifen wollten die Fünf auf keinen Fall. „Wir haben ,In München steht ein Hofbräuhaus‘ gespielt, dann schmetterte die Alpenband einen Hit – jetzt wurde es eng.“ Die Tanzlmusi beschloss, den ,Ententanz‘ zu spielen. „Wir haben das zwar gar nicht im Repertoire, aber irgendwie ging es schon. Die Leute haben getobt. Vor allem, als Tobi dazu getanzt hat.“ Und schließlich hüpfte und wackelte das gesamte Publikum begeistert mit. Überflüssig zu erwähnen, dass die Waldramer den Wettkampf für sich entschieden.

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Das Fazit? „Es hat Spaß gemacht“, so die Brüder Brustmann unisono. „Wir sind zwar nicht die typische Oktoberfestband, aber“ – Augenzwinkern – „wir sind ganz nett und haben die bayerische Tradition gut transportiert.“ Sollte im nächsten Jahr erneut eine Anfrage kommen, die Musiker sind bereit. Allerdings nur unter der Voraussetzung: „Dass wir es von daheim aus dürfen.“

sh

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