+
Halsschmerzen gehören zu den klassischen Beschwerden, für die man einen Hausarzt aufsucht. Wenn sie nachts oder am Wochenende auftreten, wendet man sich an den Bereitschaftsdienst. 

„Wir wollen nichts unversucht lassen“

4000 Unterschriften pro Bereitschaftsdienst im Nordlandkreis

  • schließen

Über 4000 Unterschriften sind inzwischen für den Erhalt der Bereitschaftsärzte im Nordlandkreis gesammelt worden. Am Dienstag wird sich der Gesundheitsausschuss des Landtages mit dem Thema befassen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wochenlang wurden im Nordlandkreis Unterschriften gesammelt. In Rathäusern, Arztpraxen, Apotheken, ja sogar in Backstuben sprachen sich die Bürger dafür aus, dass der Bereitschaftsdienst in Wolfratshausen und Geretsried erhalten bleibt. 4000 Unterschriften sind auf diese Weise zusammen gekommen. „Das Thema bewegt die Leute“, sagt Dr. Klaus Roettger, Arzt in Wolfratshauen und Initiator der Aktion. Geht es nach der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB), gibt es im Landkreis ab Oktober nur noch eine Anlaufstelle, und zwar in Bad Tölz. Diese Einschränkung will Roettger aber nicht hinnehmen. Und viele Bürger ebenfalls nicht.

Aus diesem Grund hat der Mediziner eine Petition beim Bayerischen Landtag eingerichtet. Damit wird sich am kommenden Dienstag, 6. Februar, der Gesundheitsausschuss des Landtags beschäftigen. Berichterstatterin ist die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Kathrin Sonnholzner (SPD), die selbst lange als Ärztin gearbeitet hat. Das Gremium tritt um 13 Uhr in den Räumen der KVB an der Elsenheimerstraße in München zusammen und lässt sich dort aus erster Hand darüber informieren, was genau geplant ist. Roettger hofft, dass auch konkret vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Rede ist. Sein Wunsch: Die Bereitschaftsärzte sollen abwechselnd im Norden und im Süden des Landkreises tätig sein. „Das wäre gerecht“, findet er.

„Wir wollen nichts unversucht lassen“

Auch Michael Grasl, Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, hat sich mit dem Anliegen Roettgers solidarisch erklärt. So hat der Münsinger seine Bürgermeisterkollegen sowie die Münsinger Gemeinderäte gebeten, mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Ist-Zustands zu stimmen. „Wir wollen nichts unversucht lassen“, betont Grasl. Die Gemeinderäte haben geschlossen unterschrieben, bei den Bürgermeistern war das Bild nicht einheitlich. „Im Süden ist das Ganze ja auch kein großes Thema.“

Gleichwohl hat Grasl gewisse Zweifel, dass damit etwas bewirkt werden kann. „Ich bin nicht sicher, ob die Unterschriften irgendjemanden beeindrucken“, sagt er. Er fürchtet, dass die Debatte zu spät kommt. „Dahinter steht ja ein langer Vorlauf und großer Aufwand von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung.“

Birgit Grain, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung, macht den Bürgern tatsächlich wenig Hoffnung auf eine Änderung der Pläne. „Das wird in der geplanten Form ab Oktober umgesetzt“, sagt sie. Sicherlich könne man über mögliche Nachjustierungen irgendwann einmal reden. „Doch dafür muss das System erst einmal eine Zeit lang laufen.“ Sie verweist darauf, dass das Projekt der Umstrukturierung in zehn Pilotregionen in ganz Bayern erprobt worden sein. „Die Reaktionen waren durchweg positiv, nicht nur von den Ärzten, auch von den Patienten.“

Bereitschaftsdienst nicht mit Notarzt verwechseln

Die Nummer 116 117, unter der sich Patienten bisher im Fall von Beschwerden melden konnten, bleibe bestehen. Dort kann man auch in Zukunft medizinisch geschultem Personal schildern, worunter man leidet. Dann wird entschieden, ob ein Hausbesuch nötig ist oder nicht. Einen Anspruch auf einen Hausbesuch durch den Bereitschaftsdienst gibt es aber nicht. „Das ist gesetzlich geregelt“, so Grain.

Nicht zu verwechseln ist laut Grain der Bereitschaftsdienst mit der notärztlichen Versorgung und dem Rettungsdienst. Im Bereitschaftsdienst geht es ausschließlich um Erkrankungen, die eigentlich in einer regulären Sprechstunde eines Arztes behandelt werden könnten, aber zu einer Uhrzeit oder an einem Wochentag auftreten, an dem die Praxis nicht geöffnet ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Im Fitness-Studio belästigt: Darum stellt die Polizei ihre Ermittlungen ein
Eine 41-Jährige hatte ihren Fitness-Trainer in Wolfratshausen wegen sexueller Belästigung angezeigt. Nun hat es sich die Frau noch einmal anders überlegt.
Im Fitness-Studio belästigt: Darum stellt die Polizei ihre Ermittlungen ein
Mysteriöser Straßenstrich in Wolfratshausen ruft Innenminister auf den Plan
Ein mysteriöser weißer Strich auf der Straße sorgte am Pfingstmontag in Wolfratshausen für Aufsehen. Nun äußert sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zu dem Fall.
Mysteriöser Straßenstrich in Wolfratshausen ruft Innenminister auf den Plan
In der Königsdorfer Jugendsiedlung Hochland lernen die Klimaschützer von morgen
Künftige Klimaschützer trafen sich zu einem Klimacamp in der Jugendsiedlung Hochland. 26 Kinder aus fünf Schulen im Münchner Süden und im Landkreis im Alter von elf bis …
In der Königsdorfer Jugendsiedlung Hochland lernen die Klimaschützer von morgen
Baugenossenschaft will 2019 abreißen: 72 Geretsrieder Wohnungen müssen leer werden
Auch die Baugenossenschaft ist in die Entstehung des neuen Geretsrieder Stadtzentrums involviert: Ein schicker Neubau wird das alte Haus aus den 1950er Jahren ersetzen. …
Baugenossenschaft will 2019 abreißen: 72 Geretsrieder Wohnungen müssen leer werden

Kommentare