Statue der Justizia als Richterin
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Ein 44-jähriger Garmischer musste sich vor dem Wolfratshauser Amtsgericht wegen sexueller Belästigung verantworten.

Amtsgericht: Angeklagter wird zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt

Junge Frau in der Pupplinger Au begrapscht

  • vonRudi Stallein
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Wegen sexueller Belästigung stand ein 44-jähriger Garmischer vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. Er wurde zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt.

Wolfratshausen – Der Polizist hatte sich schon gewundert. „Ich konnte keinen Straftatbestand erkennen“, erinnerte sich der Beamte als Zeuge vor Gericht an das Gespräch mit einem 44-Jährigen aus Garmisch-Partenkirchen, der am 19. März dieses Jahres gegen 17 Uhr auf der Wolfratshauser Polizeiinspektion erschienen war. Der Mann hatte von einer Begegnung auf einem Parkplatz in der Pupplinger Au erzählt. Er habe dort in seinem Wagen einen Döner gegessen, als ein weiteres Auto gekommen sei. Die Frau, die darin saß, habe ihm Avancen gemacht. „Ich wusste nicht, was er melden wollte“, sagte der Polizist. „Für mich war nichts vorgefallen.“

Die Erzählungen des Mannes waren erst interessant geworden durch eine Anzeigenaufnahme, die zur selben Zeit in einem Nebenraum der Polizeiwache stattfand. Dort berichtete eine 24-jährige Wolfratshauserin, die von ihrem Vater (68) begleitet wurde, dass sie von einem Fremden in der Nähe jenes für Sextreffen bekannten Parkplatzes begrapscht worden sei. Der Mann sei ihr auf einem schmalen Pfad zur Isar entgegengekommen und habe ihr im Vorbeigehen mit einer Hand über den Intimbereich gestrichen. „Vom Bauch hinab sehr deutlich in Richtung zwischen die Beine“, wiederholte die Frau ihre Anschuldigung vor Gericht. Dort musste sich der 44-jährige wegen sexueller Belästigung verantworten. Er wurde zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Mann – eine stattliche Erscheinung: taubenblauer Anzug, weißes Hemd, Krawatte – stand von seinem Stuhl auf, als er erzählte, was an jenem Nachmittag passiert war. Er brauchte Platz, um die etwas skurril anmutende Begegnung aus seiner Sicht zu demonstrieren. Kurz nachdem der alte Mann und die junge Frau auf den Parkplatz gefahren seien, habe er animierende Blicke von der Frau wahrgenommen. „Aber erst einmal nur gucken“, betonte der Angeklagte.

Als er wenig später seinen Dönerteller habe wegwerfen wollen, sei plötzlich ein älterer Herr dagestanden. „Er sagte etwas auf Deutsch, ich verstand ihn nicht.“ Der Mann sei nähergekommen, habe geflüstert: „Willst Du meine Frau?“ Er habe irritiert abgelehnt, die Frau („angezogen wie für die Disco“) sei dazugekommen, habe ihm den Weg versperrt, als er zu seinem Auto zurückwollte. Er habe abwehrend die Hände gehoben, sei einen Umweg durch den Wald gelaufen und im großen Bogen über die Straße zurück zu seinem Auto. „Ich hatte Adrenalin“, sagte der Mann, der in seiner Heimat als Judomeister ausgebildet worden war und heute sicher im Schwergewicht ringen müsste. „Es gab keinen Körperkontakt mit den beiden Personen“, beteuerte der Beschuldigte, der auf direktem Weg zur Polizei gefahren war. Dort hatte er – so schilderte es der Vater der Geschädigten als Zeuge – offenbar abgewartet, ob der Mann und die Frau vom Parkplatz auftauchen würden. Als Vater und Tochter tatsächlich kamen, huschte er vor den beiden auf die Wache und erzählte seine Geschichte.

Für das Gericht kam diese Aktion einem Schuldeingeständnis gleich. „Er hatte doch, wenn seine Angaben stimmen, keinen Grund, zur Polizei zu fahren“, stellte Richter Helmut Berger fest. Im Gegensatz zu Vater und Tochter. „Die hatten einen Grund. Die Tochter wurde sexuell belästigt, das muss man sich nicht gefallen lassen“, betonte Berger.

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Die Staatsanwältin glaubte die „abstruse Einlassung“ des Angeklagten nicht und beantragte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Verteidigerin sah eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation, eine körperliche Berührung sei nicht mit Sicherheit nachzuweisen. „Meiner Meinung nach hat nichts stattgefunden“, sagte die Rechtsanwältin. Deshalb sei ihr Mandant freizusprechen.

Richter Berger verurteilte den Familienvater zu 40 Tagessätzen und legte die Tagesatzhöhe entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen des Angeklagten auf 15 Euro fest. So beläuft sich die Strafe auf insgesamt 600 Euro.

rst

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