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Lenken die Geschicke der Baugenossenschaft: Die Vorstandsmitglieder (v. li.) Winfrid Borcherdt, Britta Wurm und Josef Wehbe.

Akute Wohnungsnot

70 Jahre nach der Gründung: Baugenossenschaft kämpft gegen altes Problem

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Auf den Tag genau vor 70 Jahren gründete sich die Baugenossenschaft Wolfratshausen. Auch heute heißt die große Herausforderung: Was tun gegen die akute Wohnungsnot?

Wolfratshausen 14 Mitglieder, keine einzige Wohnung im Bestand und knapp 14 000 Mark in der Kasse: Das war die Faktenlage bei der Gründung der Baugenossenschaft Wolfratshausen am 8. November 1948. Auf den Tag genau 70 Jahre später zählt die Baugenossenschaft (BG) 635 Mitglieder, betreut 471 Wohnungen in 58 Immobilien und das Bilanzvolumen beträgt fast 35 Millionen Euro. Aber: Die Herausforderungen sind nicht kleiner geworden.

„Es wird gebaut und gebaut, auch in Wolfratshausen“, sagt BG-Vorstandsmitglied Britta Wurm. „Aber selbst wenn die Bautätigkeit weiter ausgeweitet wird – es wird nicht reichen, um allen Menschen, die neu in die Boomregion München kommen, ein Dach über dem Kopf zu bieten.“ Christian von Stülpnagel, Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft, unterstreicht: „In Wolfratshausen ist es fünf vor zwölf.“ Aktuell liegen der Wolfratshauser BG nach seinen Worten rund 350 sogenannte Wohnungsvormerkungsanträge vor. Übersetzt sind das mindestens 350 Personen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.

Rückblende: Als am 8. November 1948 die gemeinnützige Baugenossenschaft für den damaligen Landkreis Wolfratshausen aus der Taufe gehoben wurde, lag Deutschland wirtschaftlich am Boden. Der Zweite Weltkrieg hatte einen hohen Preis gefordert, die Bevölkerung stand vor scheinbar unlösbaren Problemen. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen rangierte der Bau von preisgünstigem Wohnraum ganz oben auf der Prioritätenliste. In der einstigen Marktgemeinde Wolfratshausen ergriffen vor diesem Hintergrund 14 Bürger die Initiative. „Sie waren der festen Überzeugung, dass für unsere Heimat und die vielen Wohnungssuchenden etwas getan werden muss“, betont das langjährige BG-Vorstandsmitglied Paul Brauner.

Dem Credo der Gründungsväter blieb die BG treu – sieben Jahrzehnte später bilanziert Aufsichtsratschef Stülpnagel: „Die Baugenossenschaft hat 1949 mit dem Bau von vier Wohnungen Am Poignring begonnen und konnte ihren Bestand bis zum heutigen Tag auf 471 Wohnungen, fünf Gewerbeeinheiten, 195 Tiefgaragenstellplätze, 77 Stellplätze im Parkdeck in Waldram und 43 Einzelgaragen ausbauen. Nicht zu vergessen: Die Baugenossenschaft hat in den 1960er-Jahren in Waldram 140 Eigenheime und 30 Eigentumswohnungen erstellt und den Mitgliedern preisgünstig überlassen.“ Das aktuellste Projekt: An der Blombergstraße im Stadtteil Farchet hat die BG ihren Altbestand modernisiert, 2022 sollen zudem zwei neue Häuser stehen. Gesamtinvestition: 12,5 Millionen Euro.

„Wir wollen billige Mieten? Dann müssen wir sparen bei Grund und Boden“: Das sagt BG-Vorstandsmitglied Winfrid Borcherdt. Dieses einleuchtende Prinzip funktioniere nur, wenn die Genossen auf eigenen Grundstücken bauen können – die der BG günstig überlassen werden. Borcherdt: „Dass wir bauen können, haben wir bewiesen.“

„Wohnraum ist ein kostbares Gut – derzeit eines der kostbarsten in unserer Region überhaupt“, stellt Landrat Josef Niedermaier fest. In Wolfratshausen sorge die Baugenossenschaft seit 70 Jahren dafür, „dass sich Menschen zu einem erschwinglichen Preis eine Bleibe in einer Stadt wie Wolfratshausen leisten können“. Darüber sei er froh und dankbar, „denn angesichts steigender Immobilienpreise und Mieten ist dies eine gute Nachricht“. Niedermaier: „Derzeit werden die Wohnanlagen der Baugenossenschaft sukzessive saniert, trotzdem soll die Miete pro Quadratmeter weiterhin erschwinglich bleiben. Damit stellt sich die Baugenossenschaft ganz ihrer Tradition verpflichtet bewusst gegen den vielfach beobachteten Trend, die Mieten für sanierte Wohnungen extrem anzuheben.“ cce

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