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Verhandlung vorm Amtsgericht 

79-Jähriger watscht Bub

Dietramszell - Weil ihn ein zehnjähriger Bub mit Wasser bespritzte, verpasste ihm der 79-jährige Dietramszeller eine Ohrfeige. Gegen die aufgelegte Geldstrafe erhob der Rentner nun Einspruch.

Dietramszell – Die Kinder gingen ihm auf die Nerven. „Ich hatte die badende Horde ermahnt, ruhiger zu sein“, sagte der Mann vor dem Amtsgericht. Er war mit dem Trubel, der rund um den kleinen Swimmingpool auf dem Hof herrschte, ganz und gar nicht einverstanden. Als dann wieder ein Junge ins Becken sprang, dass das Wasser nur so spritzte, und just in dem Moment, als er vorbeiging, platzte dem 79-jährigen Dietramszeller der Kragen. Er zog den Buben am Ohr und gab ihm mit der anderen Hand eine Watschn.

Nun saß der Rentner auf der Anklagebank des Wolfratshauser Amtsgerichts. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung war gegen ihn ein Strafbefehl ergangen: 2400 Euro Geldstrafe. Das war dem Rentner zu viel Geld, er legte Einspruch ein, weshalb der Jugendrichter sich noch einmal mit dem Fall befasste. „Meines Erachtens war’s nicht so gravierend, was mir da zur Last gelegt wird. In meinen Augen ist das Strafmaß um einiges zu hoch“, begründete der Angeklagte seinen Einspruch gegen den Strafbefehl.

Zum Vorwurf selbst erklärte er, dass der Zehnjährige selbst nicht ganz unschuldig war. „Er hat frech gelacht, als das Wasser spritzte.“ Daraufhin habe er ihn nicht geohrfeigt, sondern lediglich am Ohrläppchen gezogen und über den Kopf gestrichen. Das nahm ihm der Staatsanwalt nicht ab: „Man streicht nicht über den Kopf, wenn man so ärgerlich ist.“

Der Anklagevertreter vertraute den Beobachtungen einer Augenzeugin des Vorfalls, der sich am 25. Juli dieses Jahres gegen 18 Uhr auf einem bäuerlichen Anwesen in der Gemeinde Dietramszell ereignet hatte. Eine Mutter, die mit ihrem Kind ebenfalls an jenem Nachmittag auf dem Anwesen zu Besuch war, schilderte anschaulich, wie der Mann explodierte, nachdem er von dem Buben wohl etwas mit Wasser bespritzt worden sei. „Er schrie ihn an, von wegen Respekt. Dann zog er ihn hoch. Der Junge wusste gar nicht, wie ihm geschah und bekam eine Ohrfeige“, erzählte die 48-Jährige. „Für mich war das ein Schockerlebnis, und für alle Kinder auch.“

Der Angeklagte schüttelte den Kopf, während die Frau fortfuhr: „Er sagte, er sei hier zu Hause. Wenn mir nicht passt, was er macht, soll ich ihn doch anzeigen.“ Das tat die 48-Jährige prompt.

Der strafrechtlich bis dato unbescholtene Angeklagte, der mit seiner Frau selbst sieben Kinder groß gezogen hat, zeigte sich letztlich zwar einsichtig, hielt aber seinen Einspruch aufrecht. „Ich habe einen Fehler gemacht. Dazu stehe ich auch. Aber so hoch muss man das nicht bewerten“, wiederholte der Mann. Das Gericht hielt jedoch auch nach der Beweisaufnahme eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 40 Euro für eine angemessene Ahndung.

„Das war ein kindlicher Spaß. Für den nichtigen Anlass war ihr Verhalten nicht adäquat. Das Kind war ihnen physisch und psychisch völlig unterlegen“, begründete Richter Urs Wäckerlin sein Urteil. „Wenn das deutsches Recht ist, dann Danke“, kommentierte der Rentner die Entscheidung des Gerichts. „Ich weiß bloß das eine, dass in dieses Schwimmbad nur noch unsere Kinder hupfen – und sonst niemand.“

Von Rudi Stallein

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