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„Anrührend, mitreißend und charmant“, präsentierten sich Thomas Kapfer-Arrington am Kontrabass, Alexandra Link-Lichius (Gesang) und Peter Karnbaum (Gitarre) in der Musikbar D’Amato (Schützenhaus). 

Trio Nostalgie

Ein Abend unter Freunden

Wolfratshausen – Das Trio „Nostalgie“ entführt sein Wolfratshauser Publikum auf französische Art.

Zwei Herren und eine Dame im eleganten roten Kleid verwandelten die gut besuchte Wolfratshauser Musikbar D’Amato in ein schummriges Bistro mitten in Frankreich. Angekündigt war ein Abend mit französischen Chansons des 20. und 21. Jahrhunderts mit Gitarren- und Kontrabass-Begleitung. Die gelungene Auswahl der Lieder machte es vielen im Publikum, darunter zahlreichen Gästen des seit mehr als 15 Jahren existierenden französisch-sprachigen Stammtisches „Table Ronde“, offensichtlich sehr leicht, teilweise mit zu singen.

Das Trio „Nostalgie“ führt seinen Namen auf das französische „Radio Nostalgie“ zurück, dass sich ganz dem Sendebetrieb der französischen Chansons verschrieben hat. Es besteht aus Kontrabass (Thomas Kapfer-Arrington), Gesang und Gitarre (Alexandra Link-Lichius) und Gitarre und Erzählungen (Peter Karnbaum). Dargeboten wurden somit auch hierzulande bekannte Lieder unserer Nachbarn, beispielsweise des Sizilianers Adamo, des „Monsieur 100.000 Volt“ Gilbert Bécaud, des singenden Anarchisten Georges Brassens, des jüdisch-griechischen Georges Moustaki über populäre Chansons der Italienerinnen Dalida und Milva bis hin zu aktuellen Sachen, etwa von Isabelle Geoffroy, genannt ZAZ. „Anrührend, mitreißend und charmant“, genau so wie vorab auch angekündigt, präsentierten die drei Musiker ihr zweistündiges Programm und weckten auch bei den nicht ganz so frankophilen Zuhörern nostalgische Gefühle.

Die Poesie in den Liedern und die Melodie der französischen Sprache verfehlten an diesem Abend der musikalischen Erinnerung an die hohe Liedkunst unserer europäischen Nachbarn ihre Wirkung nicht, und die kleinen Anekdoten von Peter Karnbaum trugen dazu bei, sich ganz wie in Frankreich zu fühlen. Aber nicht nur das: Dem lauschenden Publikum wurde auch noch die eigene, bayerische Geschichte und die Bedeutung der Franzosen vor Augen geführt. Schließlich war es Napoléon, der in Bayern nicht nur „ganz schön lange da war“. Das Bündnis mit dem Kaiser der Franzosen brachte Bayern auch die Königskrone, ein vergrößertes Territorium, das bis heute Bestand hat, und die erste liberale Verfassung. Mit dem kleinen Korsen als Bündnispartner begann das moderne Bayern – sein „Geburtshelfer“ war tatsächlich Napoleon. Dieser Umstand blieb bekanntlich nicht ohne Wirkung auf die bayerische Sprache, in der Wörter wie „Boddschamber“ (von „pot de chambre/Nachttopf), „Portmonee“ (von „Portemonnaie“/Münzen tragen, also Geldbeutel) oder „Fisimatenten“ (vermutlich von „visitez ma tente“/besuchen Sie mein Zelt, also eventuell einen Blödsinn machen) nachweislich aus dem Französischen kommen.

Dies sehr unterhaltsam erzählend war jedoch auch für Peter Karnbaum die Musik das Wichtigste. Ein einprägsamer souveräner Bass, gezupft und gestrichen, ließ die Gitarren und den häufig zweistimmigen Gesang wunderbar zur Geltung kommen. Einzig vielleicht das anklagende „Le déserteur“ des so früh verstorbenen, beeindruckenden Künstlers Boris Vian hätte aus dem Mund eines Mannes wohl nachhaltigere Wirkung erzielt. Insgesamt jedoch ein besonderer Abend mit einer ungewöhnlichen Liedauswahl, die den drei Musikern so anhaltenden Applaus bescherte, dass sie erst nach zwei Zugaben mit einem Klassiker des frankophilen (und auch auf französisch singenden) Reinhard Mey die Bühne verlassen durften: „Gute Nacht, Freunde“, eindringlich zweistimmig und zweisprachig gesungen, entführte das Publikum nach einem gelungenen musikalischen Ausflug zu den Nachbarn wieder zurück ins oberbayerische Wolfratshausen.

Assunta Tammelleo

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