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Beim Flussfestival 2017 soll Geld verschwunden sein. Dieser Punkt der Anklage stützte sich auf die Aussagen der städtischen Veranstaltungsmanagerin. Richter Helmut Berger allerdings bezweifelte deren Angaben – und sprach die frühere Sekretärin des Bürgermeisters in diesem Anklagepunkt frei.

Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung

Abrechnungen gefälscht: Ex-Sekretärin des Bürgermeisters vor Gericht

Im Januar 2018 wurde sie fristlos entlassen: In der Gerichtsverhandlung am Mittwoch wurde öffentlich, warum die Ex-Sekretärin des Wolfratshauser Rathauschefs gehen musste.

Wolfratshausen Wegen Betrugs in sieben Fällen hat das Amtsgericht die frühere Sekretärin des Wolfratshauser Bürgermeisters am Mittwoch zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die Angeklagte räumte am Mittwoch vor Gericht ein, sich im Jahr 2017 durch gefälschte Abrechnungen um rund 2100 Euro bereichert zu haben.

Neun Jahre lang war die heute 53-Jährige eine enge Vertraute des Rathauschefs. Sie galt als die Zuverlässigkeit in Person. „Die Zusammenarbeit war immer tadellos“, bestätigte der damalige Stadtkämmerer, der inzwischen Leiter der Hauptverwaltung ist, in der Verhandlung. Die Sekretärin verfügte auch über die sogenannte Handkasse und verwaltete bei Besuchen der Partnerstadt Iruma in Japan größere Geldsummen. Das wurde ihr zum Verhängnis, als sie eine Affäre mit einem deutlich jüngeren Mann begann.

Verteidigerin: Angeklagte„erlebte zweiten Frühling“

„Sie hat einen zweiten Frühling erlebt, aber er hat ihr nur das Geld aus der Tasche gezogen“, erläuterte Verteidigerin Christina Keil, was ihre bis dato unbescholtene Mandantin zu den Straftaten veranlasst hatte. Mit den Betrügereien hatte die Beschuldigte begonnen, als ihre Einkünfte nicht mehr ausreichten, um den finanziellen Ansprüchen ihres Liebhabers gerecht zu werden. Sie ließ sich Geld für Senioren-Geburtstagsgutscheine bar auszahlen, reichte Wirtshausbelege doppelt ein. Der Beleg über ein Aquarell, ein Geschenk an die japanische Partnerstadt, fand sich sowohl im Original wie auch mit dem Durchschlag vom Quittungsblock in den Abrechnungen. Eine 300-Euro-Spende zum 60-jährigen Jubiläum eines Fußballvereins ließ sie sich bar auszahlen – und veranlasste später eine Überweisung in gleicher Höhe an den Verein.

„Und das fällt niemandem auf?“, wunderte sich Richter Helmut Berger. Nach Auffassung der Verteidigerin herrschte in der Verwaltung „Kraut und Rüben“. Erst als die Angeklagte die Vorschüsse für die Betreuung von zwei Iruma-Delegationen im Sommer und Herbst 2017 auch nach den üblichen drei, vier Monaten noch nicht abgerechnet hatte, habe er sich „auf die Suche gemacht“, sagte der frühere Kämmerer. Dabei sei er auf die doppelten, teilweise dreifachen Belege gestoßen.

Mitte Januar 2018 wurde das Arbeitsverhältnis mit der Sekretärin fristlos gekündigt (wir berichteten). Die Belege, mit denen sie hätte beweisen können, wofür die rund 9600 Euro bei Ausflügen mit den japanischen Besuchern nach Neuschwanstein, in die Partnachklamm, die Münchner Residenz, die Bavaria Filmstudios und auf die Oide Wiesn im Detail ausgegeben wurden, sind bis heute nicht aufgetaucht.

Die Angeklagte beteuerte, sie habe „damit nichts zu tun“. Ebenso bestritt sie, Gelder beim Flussfestival 2017 veruntreut zu haben. Laut Anklageschrift soll sie 300 Euro „Runnergeld“ (das bestimmt war, um Künstler Rainhard Fendrich kurzfristige Wünsche unbürokratisch erfüllen zu können) sowie 500 Euro Wechselgeld unterschlagen haben. Die Anklage stützte sich in diesen Punkten im Wesentlichen auf Angaben der Kulturmanagerin der Stadt – die sie am Mittwoch vor Gericht bekräftigte. „Es ist sehr zweifelhaft, was sie in ihrer Zeugenaussage zum Besten gegeben hat. Auf diese Aussage kann ich kein Urteil stützen“, stellte Richter Berger allerdings fest. Er sprach die Angeklagte in diesen Anklagepunkten ebenso frei, wie im Hinblick auf die Iruma-Abrechnungen.

Richter: Im Rathaus „so gutwie keine Kontrollen“

„Der Umgang mit den Quittungen ist nicht nachvollziehbar. Aber die Delegation war ja da, es wurde viel unternommen. Wir können ihre Einlassung nicht widerlegen“, begründete Berger seinen Teilfreispruch. Strafmildernd wirkte sich für die Angeklagte aus, dass es im Rathaus offenbar „so gut wie keine Kontrollen gab“, wie der Richter feststellte. „Anders wäre es nicht möglich gewesen, auf derart dilettantische Weise zu betrügen.“ Als Bewährungsauflage muss die Verurteilte 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Die Staatsanwältin hatte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.rst

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