Stoiber und Ehrenamtliche.
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Prominenter Besuch: Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (im braunen Trachtenjanker) machte sich am Donnerstagnachmittag persönlich ein Bild vom Engagement der Ehrenamtlichen an der Teststation in Wolfratshausen.

Wolfratshauser Rathauschef beeindruckt

„Absolut gigantisch“: Ehrenamtliche schon 2000 Coronatests durchgeführt

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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In Wolfratshausen haben Ehrenamtliche schon 2.000 Corona-Tests durchgeführt. Großes Lob kommt vom Bürgermeister - und von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Wolfratshausen – Während Politiker zwischen Westerland und Mittenwald noch eifrig diskutierten, krempelten zwei Wolfratshauser die Ärmel hoch. Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein und ihr Ehemann Peter hoben kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres am Schwankl-Eck in der Altstadt eine Corona-Schnellteststation aus der Taufe. Seit 22. Dezember haben gut 2000 Bürger das kostenlose Angebot genutzt. Vor allem die, die Angehörige in Alten- und Pflegeheimen besuchen möchten – was einen negativen Corona-Test voraussetzt. Zeitnah, das kündigen Ines Lobenstein und Bürgermeister Klaus Heilinglechner gegenüber unserer Zeitung an, soll das Testangebot ausgeweitet werden. „Ich finde das absolut gigantisch“, sagt der Bürgermeister zum Engagement der Ehrenamtlichen. „Ich bin zutiefst beeindruckt.“

DLRG, Bergwacht und Feuerwehr mit im Boot

Längst sind die Lobensteins nicht mehr alleine. Der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) um seine rührige Vorsitzende Assunta Tammelleo stellte die vom Verein angemieteten Räume am Schwankl-Eck zur Verfügung. Mit im Boot sind unter anderem die Wasserretter der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen, die Wolfratshauser Bergwacht, die Freiwillige Feuerwehr Weidach und nicht zu vergessen die Mediziner Dr. Michael Lob und Dr. Jens Klein mit ihren jeweiligen Teams. Die übernahmen auch die Aufgabe, die Laien in puncto Abstriche – getestet werden ausschließlich symptomfreie Personen – zu schulen. Das alles geschieht seit Ende Dezember unter den Augen und mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Landratsamts beziehungsweise des Gesundheitsamts in Bad Tölz sowie der Stadt Wolfratshausen.

„Wir machen es einfach“: Das ist seit jeher Ines Lobensteins Credo. Wenn sie sieht, dass Hilfe benötigt wird, packt sie unverzüglich an. Und reicht ihre eigene Kraft nicht aus, nutzt sie ihr engmaschiges Netzwerk, über das die Leiterin der Caritas-Wohnungslosenhilfe in der Flößerstadt verfügt. 761 Rufnummern hat sie in ihrem Handy gespeichert. Sollte etwas nicht existieren, das aber sinnvoll wäre, dann schafft die Diplom-Sozialpädagogin Fakten. Wie 2012, als Lobenstein mit anderen Ehrenamtlichen den Asylhelferkreis in der Flößerstadt gründete. In ihrer Freizeit, wohlgemerkt.

Dass, wenn’s darauf ankommt, sofort Ehrenamtliche bereit stehen, das zeichnet Wolfratshausen aus.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

Rathauschef Heilinglechner stand von Beginn an hinter der Corona-Teststation am Schwankl-Eck. Der ersten Einrichtung dieser Art, die im Landkreis in Betrieb ging. Der spontane Schulterschluss der Freiwilligen „kann gar nicht hoch genug bewertet werden“, sagt der Bürgermeister. Dass Ehrenamtliche sofort zur Stelle sind, wenn Not am Mann ist, „das zeichnet Wolfratshausen aus“.

Bis Mitte Januar übernahm die Kommune unbürokratisch die Kosten für die Test-Kits, denn Heilinglechner und den Stadträten war klar: „Senioren, die regelmäßig Angehörige in Altenheimen besuchen möchten, müssen sich regelmäßig testen lassen – und das ist für viele finanziell nicht darstellbar.“ Inzwischen kauft die DLRG die Schnelltests – abgesehen von denen, die der Landkreis kürzlich zur Verfügung stellte – in Apotheken. Hilfreich sind in diesem Kontext die guten Kontakte, über die die Praxen Klein und Lob verfügen. Die Wasserretter zählen zum Katastrophenschutz im Kreis, das Geld wird dem gemeinnützigen Verein vom Landratsamt beziehungsweise dem Freistaat Bayern erstattet, bringt es Heilinglechner auf einen einfachen Nenner. Seit Gründonnerstag, das berichtet Ortsverbandschef Robert Klingel, ist die DLRG offiziell vom Landkreis mit der Betreuung der Teststation in Wolfratshausen beauftragt.

Schnelltests „noch bis in den Herbst hinein“?

„Ich sehe das Ende nicht“, meint Ines Lobenstein mit Blick auf die Schnelltests. Sie will nicht ausschließen, „dass wir noch bis in den Herbst hinein testen müssen“. Schon jetzt ist die Nachfrage Tag für Tag enorm, fast jeden Morgen bildet sich vor dem Eingang zur Teststation eine viele Meter lange Schlange. „Am Mittwoch haben wir in eineinhalb Stunden 106 Abstriche genommen“, bilanziert Lobenstein. Derzeit laufen Gespräche mit dem Rathauschef und Landrat Josef Niedermaier über eine mögliche Ausweitung des Angebots. Im ersten Schritt könnte das bedeuten: Die Öffnungszeiten werden ausgedehnt. Lobenstein und Heilinglechner machen aber auch kein Geheimnis aus der Tatsache, dass über eine zweite Teststation in der Loisachstadt nachgedacht wird. Voraussichtlich an diesem Osterwochenende werde eine Entscheidung fallen, sagt Lobenstein. Die personellen Kapazitäten hält sie aktuell für ausreichend – und nein, Spenden würde keiner der beteiligten Vereine und Institutionen ablehnen, ergänzt sie und lächelt.

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Ich muss jetzt nicht mehr jeden Tag kämpfen.“

Ines Lobenstein, Initiatorin der Teststation

„Wir stehen in engem Austausch mit den Ehrenamtlichen“, betont Heilinglechner. Er bedankte sich am Mittwoch im Namen der Stadt mit süßem Naschwerk, genauer gesagt mit Osterlämmchen bei den tatkräftigen Testern vor Ort. „Ja“, antwortet der Rathauschef, „bei der möglichen Ausweitung des Testangebots geht’s auch um die Themen Räume und Geld.“ Auf die Frage nach dem schnöden Mammon zögere das Gegenüber in der Tölzer Kreisbehörde noch ein wenig. Dass die DLRG nun offiziell die Federführung übernommen hat, entlastet Lobenstein und ihre nimmermüden Helfer enorm. „Ich muss jetzt nicht mehr jeden Tag kämpfen“, sagt sie. Nicht mehr ringen ums Geld, nicht mehr betteln um Schnelltest-Kits. Das heiße nicht, dass die Ehrenamtlichen die Hände in den Schoß legen. „Es muss weitergetestet werden“, um im Falle des Positiv-Falles Infektionsketten unterbrechen zu können.

Es bleiben viele persönliche Erinnerungen

Was hat sie persönlich seit Mitte Dezember gelernt? „Fast nichts Neues“, antwortet Lobenstein nach kurzer Überlegung. „Es geht nur zusammen. Wenn du ein großes Ziel erreichen willst, schaffst du das nicht alleine.“ Und: „Jeder hat individuelle Kompetenzen, jeder hat spezielle Fähigkeiten. Wenn es – wie in Wolfratshausen – gelingt, das zu bündeln, dann ist das das A und O.“ Was Lobenstein aus dieser Zeit, die unter dem Stichwort Corona-Pandemie für alle Ewigkeit in den Geschichtsbüchern zu finden sein wird, in Erinnerung bleibt? „Viele kleine Momente, viele sehr persönliche Erinnerungen“, sagt sie. Darunter auch welche, die sie traurig stimmten. Zum Beispiel die Erinnerung an den betagten Herrn, der lange Zeit jeden Morgen zum Schwankl-Eck kam, um sich testen zu lassen, damit er seine Frau im Pflegeheim besuchen darf. Schließlich kam er noch einmal. Nicht, um sich testen zu lassen, sondern um den Ehrenamtlichen „Vergelt’s Gott“ für ihr Engagement zu sagen. Einen täglichen Schnelltest benötige er nicht mehr. Seine Frau sei verstorben. (cce)

Öffnungszeiten: Die Corona-Teststation am Schwankl-Eck (Obermarkt 33) ist an Ostersamstag und Ostermontag jeweils von 10 bis 11.30 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Getestet werden ausschließlich symptomfreie Personen. Am Ostersonntag ist die Teststation geschlossen (ursprünglich waren hier falsche Öffnungszeiten zu lesen, wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen).

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