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Für den Erhalt des alten Baums im Klinikgarten hatten sich 800 Bürger ausgesprochen.

Genugtuung bei Projektgegnern

Ärztehaus im Klinikgarten: Privater Investor ist raus

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Wolfratshausen – Die Schützgruppe zieht Konsequenz aus der breiten Ablehnung in der Bevölkerung: Sie ist als Investor für ein Ärztehaus an der Kreisklinik Wolfratshausen raus. Der Streit entzündete sich an einem Baum.

Die Schütz-Gruppe ist raus. Der Erbaupachtvertrag mit dem Investor, der im Park der Wolfratshauser Kreisklinik ein Ärztehaus mit psychiatrischer Tagesklinik bauen wollte, sei gelöst worden. Das bestätigt Landrat Josef Niedermaier auf Nachfrage unserer Zeitung. Der private Investor habe um die Auflösung des Vertrags darum gebeten. Ein Jahr lang sei der Schütz-Gruppe eine „breite öffentliche Ablehnung entgegengeschlagen“, berichtete Niedermaier am Mittwoch in der Kreistagssitzung. Dass der Investor sein Engagement vor diesem Hintergrund beende, sei für ihn keine Überraschung.

Entzündet hatte sich der Streit daran, dass für den Bau eine 150 Jahre Baumhasel im Klinikpark hätte gefällt werden müssen. In einer Unterschriftenaktion hatten sich gut 800 Bürger für den Erhalt des Baums ausgesprochen. Auch Kritik an dem Projekt selbst wurde laut.

Für Hermann Böcking ist der Rückzug der Schütz-Gruppe eine gute Nachricht, über die er „keine Schadenfreude, doch eine sehr große Dankbarkeit“ empfindet. Der Wolfratshauser hatte mit anderen Anwohnern gegen die Baumfällung protestiert. Er ist sich darüber im Klaren, dass das Thema Ärztezentrum nicht vom Tisch ist, dass neue Investoren ins Spiel kommen werden. „Es wird sich etwas tun, das steht außer Frage. Die jetzige Situation bedeutet aber erst einmal einen Stillstand. Und das bietet die Gelegenheit, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, die naturfreundlicher sind als das, was bisher geplant war. Wir müssen deshalb darauf drängen, dass die Bürger und die Stadt dabei mit ins Boot genommen werden.“

Böcking würde es lieber sehen, wenn kein privater Investor im Spiel wäre. Er verweist auf das Beispiel Kempfenhausen. Wie berichtet schließen die Eigentümer das Krankenhaus am Ostufer des Starnberger Sees Ende 2016 wegen mangelnder Rentabilität. „Da sieht man, wie schnell es gehen kann, wenn die Rendite nicht stimmt“, sagt Böcking.

Eine Privatisierung der Kreisklinik steht nicht zur Debatte. Der Landkreis möchte sich lediglich die Millionen-Investition in das Ärztehaus und damit Steuergelder sparen. Der private Investor würde nur das Gebäude bauen. Das Grundstück bleibt – Stichwort Erbbauvertrag – im Besitz des Kreises. Mieter wäre neben Ärzten der Bezirk, der die psychiatrische Tagesklinik betreibt.

Der Bedarf für eine ambulante psychiatrische Versorgung sei hoch, erklärt Niedermaier. Bevorzugt richte der Bezirk diese Tageskliniken in der Nähe von Akutkrankenhäusern ein, um eine bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Einrichtung sei wichtig, um den Klinikstandort Wolfratshausen zu stärken, betont der Landrat. „Ewig wird der Bezirk aber nicht auf uns warten“, fügt er hinzu. „Es gibt viele andere Krankenhäuser, die seit Langem auf so ein Angebot warten.“

Gestorben sind die Pläne für den Klinikpark am Moosbauerweg mit dem Ausstieg der Schütz-Gruppe auf keinen Fall, betont Niedermaier, der auch Aufsichtsratschef der Klinik gGmbH ist Natürlich hätte man gerne mit diesem Partner zusammengearbeitet, weil er Erfahrung mitbringe – auch in der Kooperation mit Kommunen. Es gebe aber weitere potenzielle Investoren, mit denen man nun Gespräche führe.

va/fla

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