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Ein 28-Jähriger steht vor Gericht. Er soll Kindern sein Geschlechtsteil gezeigt haben.

Gerichtsbericht

Afghane vor Gericht - Vorwurf: Kindesmissbrauch

Geretsried/Wolfratshausen - Er soll Kindern sein Geschlechtsteil gezeigt und sich an sie geschmiegt haben. Jetzt muss sich ein 28-Jähriger Afghane vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Der Mann umgab sich gerne mit Mädchen und Buben. Weil er einigen der zwölf und 13 Jahre alten Kinder sein Geschlechtsteil gezeigt und sich an zwei Jungen geschmiegt haben soll, muss sich ein 28-jähriger Afghane derzeit vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Dem Angeklagten werden insgesamt drei Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern sowie eine Körperverletzung zur Last gelegt. Im Zeitraum zwischen dem 1. November 2014 und Anfang März 2015 soll der Mann in seiner Flüchtlingsunterkunft in Geretsried regelmäßig von den jungen Leuten besucht worden sein. In der Anklageschrift heißt es, er habe den Kindern Alkohol und Zigaretten angeboten. Doch das spielte für die Mädchen und Buben offenbar keine Rolle, wie sich im Laufe der Verhandlung ergab. Die überwiegend 13 Jahre alten Schülerinnen und Schüler genossen es wohl, dass sie sich bei dem kumpelhaft auftretenden Erwachsenen treffen und sogar übernachten konnten – ohne, dass ihre Eltern etwas davon wussten. Zumindest war das bei den nicht in der Unterkunft wohnenden Kindern so.

Nüchtern sei er ein netter, fröhlicher Kerl gewesen. Wenn er getrunken hatte, sei er redselig geworden und manchmal zudringlich. So geht es aus Schilderungen der jungen Leute hervor. Einmal soll sich der 28-Jährige von hinten an einen auf dem Bett knieenden Jungen gedrückt und versucht haben, ihm die Hose herunterzuziehen. Das misslang, weil zwei andere Jungs den Mann von ihrem Freund wegschubsten.

Ein weiterer Anklagepunkt: Der Asylbewerber soll sich zu einem Jungen, der bei ihm übernachtete, ins Bett gelegt haben. Als der 13-Jährige bemerkte, was vor sich ging, habe er fluchtartig das Zimmer des Beschuldigten verlassen.

Penisbilder auf Facebook

Aufgeflogen war das Ganze Anfang März 2015: Eine Mutter erstattete Anzeige, nachdem sie im Facebook-Account ihrer damals 13 Jahre alten Tochter Penisbilder und Sprachnachrichten gefunden hatte.

Der Angeklagte äußerte sich in der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Dienstag in Wolfratshausen mit keiner Silbe zu den Vorwürfen. Das ist sein gutes Recht. Weil er – ebenso wie die Öffentlichkeit – bei den Vernehmungen der jungen Zeugen den Sitzungssaal verlassen musste, verbrachte der 28-Jährige die meiste Zeit auf dem Gerichtsflur. Nach jeder Aussage erfuhr er vom Vorsitzende Richter Urs Wäckerlin in komprimierter Form, was der Zeuge berichtet hatte. Dies deckte sich weitgehend mit den Aussagen, die die jungen Leute schon bei der Polizei gemacht hatten.

„Die Kinder sind freiwillig zu ihm gegangen“, erklärte eine Kriminaloberkommissarin, die die Geschädigten kurz nach der Anzeigenerstattung vernommen hatte. „Keines der Kinder hatte einen Belastungseifer. Keiner machte den Eindruck, dass der Mann bestraft werden sollte.“ Vielmehr seien alle beschämt gewesen, dass das Ganze rausgekommen war. Der Angeklagte hörte den Einlassungen der Kripobeamtin aufmerksam zu, schwieg aber weiter. Bei der Vernehmung durch die Polizei im März vorigen Jahres, so die Oberkommissarin, habe er eingeräumt: „Wenn die Kinder es so sagen, kann es sein. Aber ich hatte Alkohol getrunken, dass weiß ich nichts mehr.“

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

rs

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