Gut 100 Besucher zählten die Veranstalter der Aktion „Schenk Geschenke“ am Sonntag vor der Loisachhalle. Dort konnte man kostenlos Sachen mitnehmen, die andere ausrangiert hatten.
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Gut 100 Besucher zählten die Veranstalter der Aktion „Schenk Geschenke“ am Sonntag vor der Loisachhalle. Dort konnte man kostenlos Sachen mitnehmen, die andere ausrangiert hatten.

„Wir sind fast erstickt in Sachen“

Aktion „Schenk Geschenke“ kommt gut an – Aber nicht alles findet einen Abnehmer

Die „Schenk-Geschenke“-Aktion vor der Loisachhalle war ein Erfolg: Über 100 Interessierte zählte Mitorganisator Thorsten Thane.

  • Der Verein „Einfach gemeinsam leben“ hat eine „Schenk Geschenke“-Aktion ins Leben gerufen
  • Die Grundidee: Menschen spenden dem Verein Gegenstände, die an Interessierte verschenkt werden
  • Die Aktion soll ein Statement gegen das Wegwerfen sein

Wolfratshausen – Für das antiquierte Radio mit der schicken braunen Verzierung hatte Thorsten Thane in seinem Schrank einfach keinen Platz mehr. Zwischen Kinderspielzeug, weihnachtlicher Dekoration und Halskettchen, die teurer aussehen als sie sind, steht eben jenes Radio am Sonntagnachmittag auf einem Tisch vor der Loisachhalle und wartet auf einen neuen Liebhaber. Kandidaten gibt es genug: Rund 30 Besucher stöbern um 15 Uhr bei der „Schenk Geschenke“-Aktion des Vereins „Einfach gemeinsam leben“ durch die Auslage – bis zum Ende der Aktion um 17 Uhr zählen die Initiatoren um Thorsten Thane über 100 Interessierte.

Ausgefallene Weihnachtsgeschenke

Die Grundidee der Aktion ist einfach erklärt: Menschen aus der Umgebung spenden an den Verein Gegenstände, die sie zwar nicht mehr brauchen, jedoch auch nicht wegwerfen wollen. Die Ehrenamtlichen sammeln die Sachen, um sie dann vor der Loisachhalle an die zu verschenken, die auf der Suche nach ausgefallenen Weihnachtsgeschenken oder Neuanschaffungen für den eigenen Haushalt sind.

Als „kleines Statement gegen das Wegwerfen“ und „einfache Möglichkeit, jemand anderem eine Freude zu machen“ bezeichnet Initiator Thorsten Thane die Aktion im Vorfeld. Als Publikumsmagnet wird er sie im Nachgang betrachten. „Es ist unglaublich, wie viele Spenden wir bekommen haben“, sagt er. Nur rund ein Viertel der Gegenstände kann am Sonntag angeboten werden. Für die gesamten Spenden wäre auf dem Trottoir vor der Loisachhalle kein Platz. „Wir sind fast erstickt in Sachen“, sagt Thane. Zu seiner Freude fanden sich unter den anonymen Abgaben viele kleine und große Schätze. Nur ein paar wenige Spender hatten den Sinn der Aktion wohl nicht ganz verstanden und die Sammlung in der Kulturbühne Hinterhalt in Gelting als Sperrmülldeponie fehlinterpretiert. „Wir mussten ein bisschen was aussortieren“, so Thane. Kaputte oder schlecht erhaltene Gegenstände werden vor der Loisachhalle nicht angeboten.

Schweinchen in pinkfarbenem Dirndl

Auf den prall gefüllten Grabbeltischen finden sich dennoch einige Kuriositäten. Ein als Dekoration angedachtes Schälchen beispielsweise, das von einem Schweinchen festgehalten wird, dessen pinkes Dirndl so stark verrutscht ist, dass es den Blick auf den übergroße Busen freilegt. „Es gibt ein paar Sachen, bei denen wir gewettet haben, dass sie nicht abgeholt werden“, sagt Hinterhalt-Wirtin Assunta Tammelleo und lacht. Das Schweinchen sei eines davon gewesen. Tammelleo soll recht behalten. Das frivole Ferkel wird zwar häufig angesehen, landet aber genauso oft wieder auf dem Warentisch.

Spielsachen, Bücher und hübsche Dekorationsgegenstände hingegen werden häufig mitgenommen. Die Wolfratshauserin Sabrina Schwenger beispielsweise findet auf dem Warentisch Brettspiele für ihre Töchter und ein Willkommens-Schild, das sie „einem guten Freund“ unter den Christbaum legen will. „Ich finde die Aktion toll“, sagt Schwenger, bevor sie mit ihren neuen Schätzen nach Hause geht. „Wir konnten ein paar Sachen loswerden, die zu gut für die Mülltonne sind, und freuen uns jetzt über schöne Weihnachtsgeschenke.“ Das Konzept, das sich Thane ausgedacht hat, geht für sie auf.

Gleichzeitig werden Unterschriften gesammelt

Der Wolfratshauser sammelt während des Markts zugleich Unterschriften für einen Bürgerantrag, den er an den Stadtrat stellen will. Ziel ist es, die Bedingungen für die Errichtung von Tiny Houses in der Loisachstadt zu vereinfachen – und dementsprechend kleine, mobile Wohnräume zu ermöglichen. „Die Sammlung läuft gut, einige Besucher haben sich hier informiert und andere sind nur schnell zum Unterschreiben vorbeigekommen“, berichtet der Aktivist. Rund 200 Unterschriften benötigt er, um den Antrag einreichen zu können.

Dann muss Thane aufräumen. Auch wenn unerwartet viele Familien und auch ältere Menschen die Aktion an der Loisachhalle besucht haben, werden nicht alle Geschenke an den Mann respektive die Frau gebracht. In der Kuturbühne Hinterhalt werden die Waren eingelagert, die am Sonntag noch keinen neuen Besitzer gefunden haben. Angedacht ist, im Frühjahr einen großen Flohmarkt damit zu veranstalten – „für einen guten Zweck“, wie Thane erklärt. Dann wird auch das braune Radio wieder angeboten werden. Am Sonntag fand sich noch kein Liebhaber für das Stück, das vermutlich eher dekorativen als praktischen Wert hat.

Dominik Stallein

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