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Pollen-Allergiker müssen heuer mehr und länger zum Taschentuch greifen als in den Jahren zuvor. 

Pollenflug

Allergiker leiden heuer länger

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Pollen sind in diesem Jahr besonders aggressiv - zum Leidwesen der Allergiker.

Niesen statt Genießen heißt es für viele zum Frühlingsbeginn. Grund dafür ist der Pollenflug. Dass dieser heuer einerseits aufgrund des warmen Winters besonders stark in Erscheinung tritt, bestätigt die Geretsrieder HNO-Ärztin Dr. Heike Weickert-Volland. So sei der Ansturm von Allergie- und Heuschnupfenpatienten in ihrer Praxis bisher „deutlich heftiger“ ausgefallen als in den vergangenen beiden Jahren.

Die milde Witterung sei aber nur ein Grund. „Es ist so, dass Pollen alle paar Jahre besonders aggressiv sind“, sagt Weikert-Volland. So etwa die früh blühende Birke. Entsprechend würden ihre Patienten heuer auch stärker leiden als sonst. Was hingegen Gräserpollen anbelangt, könne man noch keine klare Aussage treffen. Die flögen schließlich erst seit Anfang Mai.

Auch beim Landkreis-Apothekensprecher Helmut Ratzeck in Lenggries war die Nachfrage allergiegeplagter Kunden besonders hoch. Auffällig ist für den Apotheker dabei vor allem der lange Zeitraum, in dem nach Medikamenten verlangt wurde: „Wir hatten die ersten Patienten bereits im Januar. Das ist für uns mittlerweile ein halbjähriges Phänomen.“

Doch was tun gegen die Symptome? Geht es um die Linderung und Heilung von Allergien, schwört so mancher auf alte Hausrezepte: So gilt lokal produzierter Honig aufgrund der darin vorhandenen Pollen als Heilmittel, wie Apotheker Ratzeck sagt. Weickert-Volland sieht das kritisch: „Unterstützend kann man das schon machen. Es schadet nicht.“ Jedoch gebe es keine Studien zur natürlichen Pollenbehandlung bei Allergikern. Für eine wirksame Bekämpfung einer Allergie sei der Pollenanteil im Honig viel zu gering, sagt die Allergologin. An der Schulmedizin komme man kaum vorbei. Um Symptomen wie etwa einer verstopften Nase Herr zu werden, sei „ein Kortison-Spray das Mittel der Wahl“.

Apotheker Ratzeck bestätigt indes: „Homöopathisch orientierte Kunden greifen bei allergischen Reaktionen deutlich öfter zu konventionellen Medikamenten.“ Zwar könne eine frühzeitig und langfristig angesetzte homöopathische Behandlung Leiden von Allergikern lindern. Wenn es jedoch um eine schnelle Bekämpfung der Symptome geht, komme man mit rein pflanzlichen Mitteln oft nicht sehr weit.

Die komplette Heilung von einer Allergie kann durch eine rein medikamentöse Behandlung nicht erreicht werden. „Da hilft nur eine Hyposensibilisierung beim Allergologen“, so Ratzeck. Eine solche Behandlung kann zwar einige Jahre in Anspruch nehmen, trotzdem lohne sie sich. Schließlich könne die mangelnde Behandlung einer Allergie schlimme Folgen haben. „Es besteht immer das Risiko eines so genannten Etagenwechsels“, sagt Weickert-Volland. Sprich: Ein Heuschnupfen weitet sich zu einem allergischen Asthma aus. „Das ist das Damoklesschwert, das über Menschen hängt, die ihr Leiden nicht ordentlich behandeln. Aber das muss man verhindern, immerhin sterben jährlich zwischen drei- und fünftausend Menschen in Deutschland an Asthma“, mahnt die Ärztin.

Die Expertin empfiehlt einen frühen Beginn der Sensibilisierung, die die einzige wirklich langfristige Linderung verspricht. Viele Menschen würden die Behandlung aber unnötig hinauszögern. Und gerade Jugendliche seien oft der Meinung, dass sich eine Allergie schon irgendwann von alleine in Wohlgefallen auflöse.

Die Behandlung wird immer einfacher: Die Spritzen sind nur einmal im Monat nötig, und sie kann auch mit Tabletten durchgeführt werden. Weickert-Volland: „Anfangen sollte man aber erst nach dem Ende der Pollensaison.“

Andreas Huber und Markus Henseler

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