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Investor gesucht: Die Stadt will das Areal mit dem ehemaligen Krankenhaus verkaufen – nur an eine Baugenossenschaft und unter weiteren Auflagen.

Investor muss Auflagen erfüllen 

Altes Krankenhaus in Wolfratshausen steht zum Verkauf 

Jetzt ist es amtlich: Die Stadt Wolfratshausen bietet das zum Teil bebaute Grundstück an der Sauerlacher Straße 15 zum Kauf an. Es soll erhalten bleiben.

Wolfratshausen – Auf der rund 1450 Quadratmeter großen Fläche steht das denkmalgeschützte ehemalige Krankenhaus, errichtet in den Jahren 1823/24. Die Kommune ist bereit, die von vielen Stadträten als „Filetgrundstück“ bezeichnete Fläche plus Immobilie in der Nähe des S-Bahnhofs abzugeben. Eine Baugenossenschaft, so steht es explizit im Angebot, kann es kaufen oder in Erbbaurecht übernehmen. Der Käufer muss sich verpflichten, den als Einzeldenkmal eingestuften Biedermeierbau zu sanieren und zu erhalten. Außerdem muss der gesuchte Investor ein Mehrgenerationenwohnhaus auf dem Areal schaffen.

Angebote bis 11. November möglich

50 bis 70 Prozent der Wohnungen müssen einkommensorientiert gefördert sein. Hinzu kommen soll eine etwa 100 Quadratmeter umfassende Nutzfläche für einen Verein, der sich der Nachbarschaftshilfe verschrieben hat. Einen Kaufpreis beziehungsweise Erbpachtzins nennt die Stadt nicht. Zumindest „entstehen keine Maklergebühren“. Angebote nimmt die Kommune bis 11. November entgegen, die dazu notwendigen Unterlagen gibt’s im Bauamt.

Das Verkaufsangebot fußt auf einem Stadtratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr. Im Zuge einer Wohnbauoffensive legten die Fraktionen der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), der SPD und der Grünen ein Maßnahmenpaket vor, an vier Standorten im Stadtgebiet bezahlbare Wohnungen zu schaffen: auf der sogenannten Coop-Wiese in Waldram, an der Auenstraße, an der Bahnhofstraße sowie um das ehemalige Krankenhaus an der Sauerlacher Straße 15 herum.

Findet sich ein Bauherr, der Sozialwohnungen errichtet? 

BVW-Stadträtin Dr. Ulrike Krischke erläuterte damals das Projekt Mehrgenerationenwohnhaus: „Dazu gehören nachbarschaftliches Engagement und gemeinschaftliche Aktivitäten unter den Generationen.“ Durch dieses Konzept könne man älteren Mietern ein autonomes Leben sowie jüngeren Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung erleichtern.

CSU-Fraktionschef Günther Eibl meldete Zweifel an den Plänen an. Er bezifferte den Quadratmeterpreis auf dem „Filetgrundstück“ Sauerlacher Straße 15 mit rund 1000 Euro. Ob sich angesichts der zu erwartenden Gesamtkosten ein Bauherr finde, der Sozialwohnungen errichten wolle, stellte Eibl infrage.

„Weitergabe nur an eine Baugenossenschaft möglich“

In der Ausschreibung heißt es ausdrücklich: „Die Weitergabe ist ausschließlich an eine Baugenossenschaft (...) möglich.“ Darauf angesprochen erklärt die Vorsitzende der Baugenossenschaft Wolfratshausen (BGW), Britta Wurm, dass diese kein Interesse hat. „Ich glaube, dass sich das Vorhaben – mit der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes – nur sehr schwer gestalten würde.“ Von Seiten der Kommune sei bislang niemand auf die BGW zugekommen. „Mit uns hat darüber niemand gesprochen, auch nicht über andere Grundstücke. Wir würden uns aber freuen, wenn die Stadt das Gespräch mit uns suchen würde.“

Das Großprojekt an der Sauerlacher Straße käme für die Baugenossenschaft ohnehin zu einem schlechten Zeitpunkt: Durch den Neubau an der Blombergstraße „sind wir voll ausgelastet“, sagt Wurm. Darüber hinaus habe die BGW keine Erfahrungen mit Mehrgenerationenhäusern. „Es gibt aber Genossenschaften, die sich darauf spezialisiert haben.“ Ob sich von diesen jemand für den Standort interessiert, kann sie nicht sagen. Als kategorisches Nein möchte Wurm ihre Aussagen zur Sauerlacher Straße nicht verstanden wissen. Das Thema werde sicherlich noch in einer Vorstandssitzung der Wolfratshauser Baugenossenschaft besprochen.

Dominik Stallein 

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