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War‘s das wert? Zwei junge Wolfratshauser haben ein Fahrrad geklaut. Die Arreststrafe bekamen sie nicht für das Vergehen an sich – sondern für ihre Vorgeschichte sowie ihr Auftreten vor Gericht. 

Amtsgericht Wolfratshausen

Zwei peinliche Angeklagte

Wolfratshausen - Eigentlich standen zwei junge Wolfratshauser vor Gericht, weil sie ein Fahrrad im Wert von 200 Euro gestohlen hatten. Doch ihr Benehmen vor Gericht war so übel, dass sie Arrest aufgebrummt bekamen.

Peter K. (Namen geändert), 21, Bäckerpraktikant, teilt dem Gericht kurz vor Verhandlungsbeginn (9 Uhr) mit, dass er später kommt. Der zweite Angeklagte, Marc S., erscheint gar nicht. Daraufhin klingelt die Protokollschreiberin den 20-Jährigen per Handy aus dem Bett. „Habe den Termin verpasst“, nuschelt der junge Mann, als er eine halbe Stunde später in den Gerichtssaal schleicht. Immerhin hat er es dieses Mal allein geschafft. Zu seiner letzten Verhandlung im Frühjahr 2015 hatten ihn zwei Polizisten abgeliefert, weil er zuvor zwei Verhandlungen hatte platzen lassen. „Meinen Sie, Gerichtstermine sind unwichtig?“, fragt der Richter scharf. „Es wäre eine Idee, sich solche Termine aufzuschreiben.“ Dann schlurft sein Freund herein. „Verschlafen“, raunt er entschuldigend. „Habe bis sechs Uhr in der Backstube gestanden.“

Beide Angeklagten standen schon öfters vor Gericht

Die Anklage ist schnell verlesen. Am 21. Juli klauten die zwei an der Blombergstraße ein Fahrrad im Wert von rund 200 Euro. K. sagt nichts dazu, S. ist gesprächiger. „Ich würde mich selber als schuldig erklären“, sagt er. Man sei auf dem Weg zum Sportplatz in Farchet gewesen. Sein Freund habe schon ein Rad dabei gehabt. „Wir wollten schneller von Ort zu Ort kommen. So kamen wir auf die Idee, das Fahrrad zu nehmen.“ Beide Angeklagten haben Gerichtserfahrung. K. wurde bereits fünf Mal vorstellig – wegen Vortäuschens einer Straftat, Diebstahls, Körperverletzung und Bedrohung. S. musste sich bisher wegen Körperverletzung und Erwerbs von Betäubungsmitteln verantworten.

Zwei eher traurige Lebensläufe

Die noch kurzen Lebensläufe der beiden zeichnen ein trauriges Bild. Peter K., als Kind schwer erziehbar, sieben Jahre im Heim, Vater eines Sohnes, hat Probleme mit seinen Jobs. Die Ausbildung war ihm wegen „Aggressionsproblemen“ gekündigt worden. Derzeit mache er ein unentgeltliches Praktikum, in der Hoffnung auf einen festen Job – „damit wieder ein bisschen Geld reinkommt“. Marc S. brach die Schule ab, mit Jobs tut er sich noch schwerer als sein Kumpel. Zweieinhalb Monate habe er bei einem Discounter gearbeitet, dann noch mal drei, vier Tage in einer Fabrik ausgeholfen. Der Richter kann es nicht glauben. „Das ist nicht ihr Ernst: 2,5 Monate Supermarkt und vier Tage Fabrik in viereinhalb Jahren? Was machen Sie den ganzen Tag?“ 

Die Staatsanwältin nennt das Verhalten "unterirdisch"

Der Jugendgerichtshelfer gibt seine Einschätzung ab: „Was ihr hier abliefert, dass sucht schon seinesgleichen. Euer Verhalten ist nur noch peinlich.“ Die Staatsanwältin bringt es krasser auf den Punkt: „Der Eindruck, den die Angeklagten hier machen, ist unterirdisch.“ Dem schloss sich Jugendrichter Urs Wäckerlin an. Er verurteilte den 21-jährigen Peter K. zu zwei Wochen Arrest, Marc S. kam mit einer Woche davon. „Ich versuche nicht, Sie zu Ihrem Glück zu zwingen, deshalb gibt es nur Arrest und keine anderen Maßnahmen“, erklärte der Richter. Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch hatte die Idee, die beiden beim Projekt „Tagwerk“ soziales Verhalten, Arbeiten und die richtige Einstellung zum Leben trainieren zu lassen, zuvor verworfen. „Das will ich dem Kursleiter nicht zumuten.“ Rudi Stallein

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