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Die turbulente Verhandlung im Wolfratshauser Amtsgericht ging weiter. Schließlich wurde der Angeklagte verurteilt.

Rechtsanwalt tobt im Gericht

Anwalt reißt Tisch weg: So ging der irre Prozess weiter

Wolfratshausen - Wieder wurde geschrien, getobt und geschimpft: Der Prozess, in dem ein Berliner Rechtsanwalt immer wieder ausrastet, ist weiter gegangen. Auch das Urteil wurde gefällt.

„Ich lasse nicht zu, dass hier plädiert wird“, brüllt der Verteidiger. „Ich werde den Staatsanwalt jetzt daran hindern.“ Er reißt dem Anklagevertreter dessen Notizen aus der Hand und knallt die Blätter wütend auf den Tisch. Als der Staatsanwalt erneut mit seinem Schlussplädoyer beginnen will, zieht ihm der Verteidiger den Tisch weg. Er schreit: „Hier wird nicht plädiert, bevor ich meinen Antrag gestellt habe. Das ist Rechtsbeugung hoch drei. Schließlich unterbricht der Vorsitzende Richter die Verhandlung.

Berliner Anwalt treibt's richtig bunt

Dies war der vorläufig letzte einer ganzen Reihe spektakulärer Auftritte eines Berliner Rechtsanwalts, der eine am Wolfratshauser Amtsgericht bisher noch nicht erlebte Verteidigungsstrategie gewählt hatte, um das Beste für seinen Mandanten herauszuholen. Der Jurist überzog das Gericht fortwährend mit Befangenheitsanträgen, schrie dazwischen, wenn der Verteidiger redete, brauste auf und missachtete es gänzlich, wenn der Richter ihm das Wort entzog.

Am letzten Verhandlungstag bezichtigte er den Vorsitzenden als Lügner, rief zwischenzeitlich einen „rechtsstaatlichen Notstand aus und baute sich lärmend vor dem Richtertisch auf, wenn der Vorsitzende Zeugen vernehmen wollte. Als Richter Helmut Berger am Ende der Beweisaufnahme sämtliche zuletzt gestellten Befangenheitsanträge als unbegründet abwies, „weil die Anträge offensichtlich nur verfahrensfremde Zwecke verfolgten“ und weitere Anträge nur noch zusammen mit einer Anfechtung des Urteils zulässig seien, drohte die Situation zu eskalieren. Der Anlass des Prozesses geriet darüber fast zur Randgeschichte.

Eigentlich geht es um gefährliche Körperverletzung

Ein 25 Jahre alter Münchner musste sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Weihnachten 2013 wollte der Angeklagte seinen damals drei Monate alten Sohn bei seiner Ex-Freundin (25) abholen, um ihn seiner Familie zu präsentieren. Als die Kindsmutter ihm dies entgegen vorheriger Absprache verweigerte, soll der junge Vater ausgerastet sein. Laut Anklageschrift soll er die Frau geschlagen, gegen einen Coachtisch getreten und die Gegensprechanlage demoliert haben. Beim Verlassen der Wohnung habe er einen Stiefel nach seiner Verflossenen geworfen – und damit den Buben am Kopf getroffen.

Wegen einer offenen Bewährungsstrafe musste der Angeklagte eine Gefängnisstrafe befürchten, wenn sich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als wahr erweisen sollten. Seine ehemalige Freundin machte jedoch in ihrer Aussage widersprüchliche Angaben und musste – wie schon in der ersten Verhandlung im Sommer 2014 – einige wesentliche Punkte relativieren. Deshalb ließ das Gericht den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung fallen.

Lesen Sie auch: Kann man einen tobenden Rechtsanwalt im Gerichtssaal stoppen?

Das Urteil: 120 Tagessätze zu je 40 Euro

Wegen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilte Richter Berger den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro. „Das Verhalten der Kindsmutter war für ihn nicht nachvollziehbar und durfte vom Angeklagten als Provokation gewertet werden. Aber dann reagierte er falsch”, sagte Berger in seiner Urteilsbegründung. Ebenfalls zu Gunsten des Angeklagten wertete das Gericht, dass sich das Verhältnis zwischen Vater und Mutter normalisiert hat. „Aktuell läuft’s super. Wir können uns vernünftig austauschen. Ich kann mich nicht beschweren”, hatte die Kindsmutter in ihrer Zeugenaussage bestätigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Rudi Stallein

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