Verhandlung am Amtsgericht

Handelte junges Ehepaar mit Kokain und Marihuana?

Wolfratshausen - „Schwunghafter Handel mit Kokain und Marihuana“: Das ist vor Gericht einem jungen Ehepaar aus Wolfratshausen zu Last gelegt worden. Der Prozessverlauf überraschte.

„Schwunghafter Handel mit Kokain und Marihuana“ wurde einem jungen Ehepaar aus Wolfratshausen vor dem Schöffengericht zur Last gelegt. In den Jahren 2013 und 2014 sollen die beiden an einen damals 19-jährigen Gebäudereiniger Drogen verkauft haben.

Gegen den mehrfach vorbestraften Mann, der den 26-Jährigen und seine 24-jährige Gattin in einer Polizeivernehmung beschuldigte, läuft derzeit indes ein Verfahren wegen Betäubungsmittelmissbrauch. Um sich selbst nicht noch weiter zu belasten, machte er deshalb in der Verhandlung am Amtsgericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Also musste Richter Helmut Berger die Ergebnisse einer zuvor durchgeführten richterlichen Vernehmung verlesen.

"Ich stand unter starkem Drogeneinfluss"

„Als ich die Anzeige erstattete, stand ich unter starkem Drogeneinfluss. Erst jetzt habe ich realisiert, welchen Stress ich den beiden mit meiner Beschuldigung gemacht habe“, sagte der Zeuge unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Warum er damals auf die beiden sauer war, wisse er nicht mehr. Ein Polizeibeamter sagte aus, dass der mittlerweile 21-Jährige selbst mehrere Monate telefonisch überwacht worden war.

Diese Abhörung ergab, dass die Angeklagte wohl tatsächlich zwei Gramm Marihuana für 30 Euro an ihn verkauft hat. Da aber gegen den Zeugen selbst ermittelt werde, dürfe dieses Gesprächsprotokoll nicht gegen das Paar verwendet werden. Nicht nachweisbar war zudem der Vorwurf, dass der Ehemann 200 Gramm Marihuana in seiner Wohnung aufbewahrt und außerdem ein Kokaingemisch zum Preis von 240 Euro erworben haben soll.

Der Zeuge nimmt seine Aussagen größtenteils zurück

Da der Zeuge seine Aussagen, die er damals vor der Polizei geäußert hat, größtenteils zurückgenommen hat, sah sich der Staatsanwalt außer Stande, einen Tatnachweis zu führen und plädierte auf Freispruch. Das Schöffengericht benötigte nur eine kurze Beratungszeit, um diesem Antrag zu folgen. „Dieser Zeuge ist unbrauchbar. Bei ihm ist es ein Lotteriespiel: Mal sagt er etwas nicht, dann sagt er etwas Falsches“, begründete Richter Helmut Berger den Freispruch für das nicht vorbestrafte Ehepaar.

von Peter Herrmann

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
Der Dritte im Bunde hat es leider nicht mehr erlebt: Im August 2016, mitten in der Arbeit am zweiten Heft der achtteiligen Serie „Zwei Munitionsfabriken im …
Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Spieler lagen sich in den Armen, die gut 300 Fans hatte es schon in den Minuten zuvor nicht mehr auf ihren Sitzplätzen …
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
Die Stadtkapelle Wolfratshausen erlebt einen Aufschwung. Über die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren und insbesondere in 2016 berichtete der Vorsitzende …
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium
Mit „Te Deum: Prelude“ begrüßte das Jugendsymphonie-Orchester des Gymnasiums Geretsried, dirigiert von Iris Prégardien, das Publikum in der überfüllten Aula zum …
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare