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Die Justiz hatte es jetzt mit einem Dieb zu tun.

Langfinger auf Europareise

"Ich klaue alles" - Jetzt muss er ins Gefängnis

Geretsried - Ein 30-Jähriger muss für sieben Monate ins Gefängnis. Er war auf Diebestour unter anderem in Geretsried. Bis es zur Verurteilung kam, gab es kuriose Vorfälle.

Ein Mann lässt in einem Supermarkt in Geretsried einen Rasierapparat und einen MP4-Player mitgehen. Dafür muss er für sieben Monate ins Gefängnis. Das wäre eigentlich nicht allzu bemerkenswert. Doch bis der Rumäne (30) für die Tat verurteilt werden konnte, war es ein weiter Weg. Und zwar buchstäblich.

Statt zur Verhandlung geht's auf Europareise

Bereits Ende Juli 2015 sollte dem Rumänen, der zwischenzeitlich in Geretsried beheimatet war, der Prozess gemacht werden. Weil er damals nicht zur Verhandlung erschienen war, wurde der gelernte Tischler per Haftbefehl gesucht. Mitte November wurde er in Flensburg festgenommen. „Ich kam aus Dänemark, war in Flensburg einkaufen“, erklärte er vor dem Amtsgericht. Zuvor hatte er sich unter anderem in Österreich, Belgien und den Niederlanden aufgehalten. Halb Europa hatte er gesehen, bevor vor seinem Richter in Wolfratshausen stand. Die Zeit bis zur Verhandlung verbrachte er in Stadelheim in Untersuchungshaft.

„Es ist sehr schlimm, was passiert ist. Ich hätte das nicht tun sollen“, sagte der Angeklagte scheinbar reumütig. Die Ausrede ließ nicht lange auf sich warten. Den Diebstahl selbst schob er auf eine durchs Rauchen mit einem Freund aktivierte „Paranoia“. Weitere Einzelheiten zu seinen Wahnvorstellungen blieben im Dunkeln.

"Deutschland ist gut. Hier kann man klauen, was man will"

Licht in die Gedankenwelt des „reisenden Straftäters“, wie Richter Helmut Berger ihn nannte, brachte ein Protokoll der Flensburger Polizei. Bei einer Zigarettenpause im Hof des Polizeireviers hatte der Angeklagte ausgerechnet einem Polizeibeamten gegegenüber auf englisch geprahlt: „Deutschland ist gut. Hier kann man klauen, was man will, einen Euro oder tausend, es passiert sowieso nichts.“ Und: „Ich bin seit über einem Jahr nun schon im Land und klaue alles.“

Diese Erklärung bezeichnete Richter Berger als „erschreckend offen“. Allerdings: Ganz auf dem neuesten Stand war der angeklagte Rumäne damit nicht. Er hatte zu erwähnen vergessen, dass er im Jahr 2014 bereits vom Amtsgericht München zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, weil er in einem Elektrofachhandel mehrere Smartphones gestohlen hatte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem brachte er eine beträchtliche Vorstrafenliste aus seiner Heimat mit: Dort war er seit 2003 bereits sechs Mal zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, immer wegen Diebstahls. „Ich bin froh, dass es jetzt hier passiert ist. Sie sehen ja, wie viel Haft ich in Rumänien hatte. Das geht so nicht“, sagte der Angeklagte.

Das Urteilt des Richters: Ab ins Gefängnis

Richter Berger verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung und schickte ihn gleich wieder nach Stadelheim, von wo er vorgeführt worden war. „Nach den Schilderungen über seinen Aufenthalt in den letzten sechs Monaten steht zu befürchten, dass er seine Europareise fortsetzen und sich der Haft entziehen wird“, so Berger. „Und es besteht der begründete Verdacht, dass er in Freiheit gleichgelagerte Straftaten begehen wird.“

von Rudi Stallein

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