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1350 Euro Geldstrafe: Das ist das Urteil von Richter Helmut Berger.

Verhandlung am Amtsgericht

1350 Euro Strafe: Radler (27) bringt Joggerin um Schlaf

Wolfratshausen - Sie (53) kann nicht mehr schlafen, weil er (27) mit dem Radl drängelte: Ein Wolfratshauser musste wegen Beleidigung und Körperverletzung vor Gericht.

„Er ist zunächst mit hohem Tempo an mir vorbeigefahren und hat mich laut beschimpft.“ Die 53-jährige Joggerin, die bis dahin oft zwischen den Stadtteilen Waldram und Farchet am Isar-Loisach-Kanal lief, meidet diese Strecke mittlerweile. Wie sie vor dem Amtsgericht schilderte, verfolgen die Erinnerungen an den 22. August sie bis heute im Schlaf.

Erst wird die Frau beleidigt, dann umgefahren

Der Radler bezeichnete die Frau nämlich nicht nur als „dumme Sau“. Er bremste außerdem noch einmal ab, verfolgte die weiterlaufende Wolfratshauserin auf einem Kiesweg und fuhr sie schließlich absichtlich an. „Ich schlug mir das Knie auf. Es blutete und war voller Kieselsteine“, berichtete die Freizeitsportlerin.

Während der Radfahrer davonfuhr, schleppte sie sich zu einer nahen Straße. „Ein netter Autofahrer brachte mich dann in die Wolfratshauser Kreisklinik. Dort bekam ich fünf Spritzen und die Steine aus dem Knie gebürstet“, sagte das Opfer weiter. Demonstrativ zeigte die Frau daraufhin Richter Helmut Berger ihre Narben, die auch fünf Monate nach dem Vorfall noch zu sehen sind.

Die Polizei ermittelt den Radfahrer dank Zeugensuche in der Zeitung

Dass der 27-jährige Radfahrer ermittelt werden konnte, verdankt die Polizei einer Suchmeldung in der Zeitung. Eine Frau hatte ein Jahr zuvor eine ähnliche unerfreuliche Begegnung mit dem Angeklagten und meldete sich daraufhin in der Polizeiinspektion. Aufgrund übereinstimmender Täterbeschreibungen kamen die Beamten dem vorbestraften und in einer Datei erfassten Mann auf die Spur.

Vor dem Amtsgericht zeigte sich der Angeklagte wenig einsichtig. „Ich habe sie nicht vorsätzlich angefahren. Sie ist mir ohne zu schauen ins Rad gelaufen“, behauptete der Wolfratshauser. Auf Anraten seines Rechtsanwalts rang er sich zumindest im Gerichtssaal zu einer halbherzigen Entschuldigung durch.

Der Angeklagte unterbricht den Staatsanwalt lautstark

Der Staatsanwalt sah den Tatbestand der Beleidigung und der vorsätzlichen Körperverletzung als erwiesen an und beantragte, 110 Tagessätzen zu je 15 Euro zu verhängen – insgesamt 1650 Euro. Richter Helmut Berger blieb bei den 1350 Euro aus dem Strafbefehl. Fast wäre eine Ordnungsstrafe hinzugekommen. Der Angeklagte hatte das Plädoyer des Staatsanwalts lautstark unterbrochen. „Da hat er uns eine Kostprobe seiner Unbeherrschtheit gegeben“, kommentierte Berger.

von Peter Herrmann

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