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Täuschend echt war die Gaspistole, die der Wolfratshauser im Hosenbund trug. 

Amtsgericht Wolfratshausen

Prozess: 45-Jähriger spaziert mit Pistole herum

Wolfratshausen - Die Sache hätte tragisch enden können: Ein arbeitsloser Wolfratshauser war mit einer Schreckschusswaffe in der Stadt unterwegs. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er sie auf eine Polzistin gerichtet hätte. 

Schreckliches Unglück in Wolfratshausen: Polizistin erschießt Passant! Es hat nicht viel gefehlt, und diese Schlagzeile hätte gedruckt werden müssen. „Wenn die Waffe auf mich gerichtet worden wäre, hätte es dumm ausgehen können. Ich glaube nicht, dass ich sie als Schreckschusswaffe erkannt hätte“, berichtete eine Polizeihauptmeisterin vor dem Wolfratshauser Amtsgericht über einen Einsatz am 24. Oktober 2014 an der Sauerlacher Straße.

Die Waffe sah täuschend echt aus

Silberner Lauf, schwarzer Griff, Kaliber neun Millimeter: Die Pistole, die ein arbeitsloser Wolfratshauser (45) am helllichten Tag auf offener Straße im Hosenbund mit sich trug, sah täuschend echt aus. Er habe die Waffe auf dem Radweg an der B 11 gefunden, ordentlich verpackt in einem blauen Kästchen, erklärte der gelernte Dreher. „Ich habe gedacht, ich kann sie verkaufen. Ich brauchte Geld. Aber der, dem ich sie verkaufen wollte, der hat mich angezeigt.“

Der Angeklagte ist am Gericht bekannt

Jetzt musste sich der 45-Jährige wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe vor dem Strafrichter verantworten. Einer solchen Amtsperson saß der der Wolfratshauser nicht zum ersten Mal Auge in Auge gegenüber. Sieben Vorstrafen schmücken seine Vita, zuletzt war er wegen Hausfriedensbruch zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der Mann hatte 1,4 Promille im Blut

„Er ist nicht kriminell, aber massiv alkoholabhängig, dazu kommt chronischer Geldmangel“, sagte der Bewährungshelfer. Als der Angeklagte mit der Gaspistole aufgegriffen wurde, hatte er rund 1,4 Promille Alkohol im Blut. Ein Wert, „bei dem er Entzugserscheinungen hat“, wie ein Sachverständiger schilderte. Deshalb sei eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit im Tatzeitraum wahrscheinlich. „Alkohol und Geldmangel wird zu weiteren Taten führen“, begründete die Staatsanwältin, warum sie eine Vollzugsstrafe von sechs Monaten beantragte.

Es bleibt bei einer Geldstrafe

„Natürlich darf man das nicht, aber ihn wegen dieses Deliktes wegzusperren ist nicht geboten“, argumentierte Verteidiger Stevan Krnjaic, der seinen Mandanten als friedlichen Menschen charakterisierte, der „blöder Weise eine Waffe gefunden hat“. Richter Helmut Berger bewertete die Sache ähnlich. Er verurteilte den Wolfratshauser zu 1350 Euro Geldstrafe (90 Tagessätze à 15 Euro). Auch wenn die Waffe täuschend echt aussah und der Mann ein großes Polizeiaufgebot bemüht hatte: „Das ist es nicht wert, dass man ihn einsperrt – schon gar nicht sechs Monate.“

Rudi Stallein

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