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Vor dem Amtsgericht musste sich eine Mutter verantworten, die unentschuldigt im Ethik-Unterricht gefehlt hat.

Unentschuldigt in Ethik gefehlt

Diskriminierender Unterricht ?

Wolfratshausen/Geretsried - Eine Viertklässlerin bleibt unentschuldigt der Ethik-Stunde fern. Die Mutter (48) wird daher zu einem Bußgeld verurteilt.

Als Erziehungsberechtigte hat sie dafür zu sorgen, dass ihre minderjährige Tochter regelmäßig am Ethik-Unterricht teilnimmt. Diese Auffassung vertritt das Landratsamt im Fall einer Viertklässlerin, die mehrmals unentschuldigt gefehlt hatte. Die Behörde erließ einen Bescheid, den sie mit einer Bußgeld-Forderung über 40 Euro versah. Die Mutter des Mädchens, eine 48-jährige Geretsriederin, weigerte sich jedoch zu zahlen und zog vor Gericht.

Die Mutter ist der Auffassung, dass das Fernbleiben nicht rechtswidrig ist, weil der Ethikunterricht an der Isardamm-Grundschule diskriminierend sei. Dafür führte sie gleich mehrere Gründe an. Außer dem Ethik-Unterricht finde kein anderer Unterricht an dieser Schule am Nachmittag statt. Zwischen der letzten Vormittagsstunde und dem Ethik-Unterricht bleibe der Tochter nur eine halbe Stunde Pause. Die Lehrer seien für dieses Fach nicht qualifiziert. Die Teilnehmer seien während des Religionsunterrichts anderen Klassen zugewiesen und dort als „Ethik-Kinder“ vorgestellt worden. Außerdem habe sie gesundheitliche Bedenken gehabt, weil den Mädchen und Buben der Ethik-Klasse wegen der kurzen Mittagspause kein Essen angeboten worden sei. Ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl sie in den Nachmittagsunterricht mussten, hätten die Kinder entgegen der sonstigen Regelung Hausaufgaben aufbekommen.

Rektorin Monika Bauer nahm als Zeugin ausführlich zu den Vorwürfen Stellung. „Der Ethik-Unterricht fand am Nachmittag statt, weil es organisatorisch nicht anders möglich war“, erklärte die Schulleiterin. Bei damals fünf vierten Klassen habe man Religions- und Ethik-Unterricht nicht wie von der Kindsmutter moniert parallel abhalten können. „Dafür haben wir nicht genügend Lehrer.“ Die Hausaufgaben hätten die Kinder am Vormittag betreut in der Schule erledigen können – während die Mitschüler im Religionsunterricht waren. In der Pause bis zum Ethik-Unterricht habe ein junger Mann, der sein Freiwilliges Soziales Jahr leistete, die Kinder betreut. „Das war ein Glück für uns“, sagte Bauer. „Rein rechtlich müssten sie in der Zeit von den Eltern betreut werden.“

Bezüglich des verwehrten Mittagessens hatte die Mutter eingeräumt, ihr sei „unter der Hand“ eine Mahlzeit für ihre Tochter angeboten worden. Das hatte sie mit der Begründung abgelehnt, keine Sonderbehandlung zu wollen.

„Das kann nicht der Schule angelastet werden“, sagte Richter Urs Wäckerlin. Er ermahnte die Parteien mehrmals, das Fragerecht nicht zur Mediation zu nutzen, sondern sich auf die Frage zu konzentrieren, ob der Bußgeldbescheid rechtmäßig ist oder nicht.

Ist er nicht, schon aus formalen Gründen, argumentierte der Verteidiger. Er pochte darauf, dass für derart diskriminierend durchgeführten Ethik-Unterricht keine Schulpflicht bestehe und forderte Freispruch. Die Geretsriederin bekräftigte ihre Vermutung, dass an der Schule durch gezielte Aktionen bewusst versucht werde, „Kinder im Religionsunterricht zu halten“.

Richter Wäckerlin meinte, dass „eine unzulässige Diskriminierung der Schülerin nicht anzunehmen ist“ und der Nachmittagsunterricht in diesem Fall „schulorganisatorisch begründet“ sei. „Das enge Zeitfenster am Vormittag erscheint mit plausibel“, so der Richter. Er sprach die Mutter schuldig, ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen zu sein und verhängte 40 Euro Bußgeld.

rs

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