Seit insgesamt 1600 Tagen steht das Isar-Kaufhaus mittlerweile leer. Jeder Tag mehr tut der Stadt weh. 

Anfechtungsklage gegen Komplettabriss 

Ex-Isar-Kaufhaus: Die Ungeduld wird größer

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Wenn Dinge vor Gericht entschieden werden sollen, dann lässt die Entscheidung manchmal auf sich warten - wie jetzt beim Isar-Kaufhaus. Doch eben diese Zeit hat niemand, weder Geschäftsleute noch Politiker. 

Wolfratshausen– Seit Ende 2012 ist das ehemalige Isar-Kaufhaus in der Wolfratshauser Altstadt Wind und Wetter ausgesetzt. Das sind bis heute mehr als 230 Wochen, gut 1600 Tage. Viele Kommunalpolitiker und Einzelhändler setzen darauf, dass die Wiederbelebung des prominenten Gebäudekomplexes den Strom der potenziellen Kunden anschwellen lässt. Denn glaubt man alteingesessenen Kaufleuten, hat sich die Frequenz der Innenstadt seit der Schließung des Kaufhauses an der Marktstraße halbiert.

Zwischendurch keimte Hoffnung auf. Doch kaum hatte Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler einen Käufer und Investor für die Immobilie gefunden, musste der Jurist schon wieder auf die Euphoriebremse treten. Drei Nachbarn haben jeweils Anfechtungsklage gegen den vom Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen erlassenen Vorbescheid für das Projekt erhoben. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, räumt der Pressesprecher des Münchner Verwaltungsgerichts auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Bis die causa Isar-Kaufhaus aufgerufen werde, fließe noch reichlich Wasser die Loisach hinab. Derzeit gibt es nicht einmal einen Termin, an dem die Anfechtungsklagen beurteilt werden.

Der Wirtschaftsreferent vermutet, dass es um „persönliche Dinge geht“

Inzwischen kursieren Gerüchte, dass sich Mosler vom Bürgermeister und seinen Stadträten ein bisschen mehr öffentlichen Rückwind wünscht. Doch den Bürgervertretern sind – da es sich um ein privates Vorhaben handelt – mehr oder weniger die Hände gebunden. Wenngleich der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Ex-Bürgermeister Helmut Forster, aus seinem Herzen keine Mördergrube macht: „Was der Stadtrat beschlossen hat – den Komplettabriss und einen ensemblegetreuen Neubau – ist richtig. Das kann nur positiv werden.“ Es gebe keine sachlichen und objektiven Gründe, die gegen das Projekt sprechen. Forster vermutet vielmehr, „dass es um persönliche Dinge geht, die letztendlich gegen die Stadt gerichtet sind“.

Und die Vorsitzende des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen? Ingrid Schnaller betont zwar stets, dass es sehr wichtig sei, die „sehr exponierte Fläche“ im Herzen der Stadt so schnell wie möglich zu entwickeln. Doch zu dem sich anbahnenden Rechtsstreit zwischen Nachbarn und Investor kann Schnaller nicht mehr sagen als: „Wir lassen die Entwicklung mal auf uns zukommen.“

Die Kundenfrequenz hat sich merklich verringert

Der Vorsitzende des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) hat inzwischen einmal auf die Uhr geschaut: „Es ist bereits fünf nach zwölf“, stellte Hans-Werner Kuhlmann in der jüngsten Mitgliederversammlung fest. Die Schließung eines klassischen, innerstädtischen Betriebes, sprich Isar-Kaufhaus, „hat die Kundenfrequenz in der Altstadt merklich verringert, und dies ist eine große Gefahr für unseren Einkaufsstandort Wolfratshausen“. Die Klagen der Nachbarn, die mindestens für eine zeitliche Verzögerung des Neubauprojekts sorgen werden, „schädigen den Standort Innenstadt und bedeuten für die Kommune einen nicht unerheblichen Imageschaden und Verlust der Attraktivität“.

Auch in der Vorstandsetage der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) ist das Thema dem Vernehmen nach angekommen. Die vierköpfige Führungsriege, so hört man, ist einer Meinung – doch vor Veröffentlichung eines offiziellen Statements will der Vorstand noch die Mitglieder zu Wort kommen lassen.

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