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„Ich fahre umsichtig, vorsichtig, aufmerksam und flott“

Anneliese Deutsch fährt seit 50 Jahren unfallfrei

Wolfratshausen – 50 Jahre lang unfallfrei Autofahren schaffen nur wenige. Eine davon ist die Wolfratshauserin Anneliese Deutsch, die für diese Leistung nun von der Kreis-Verkehrswacht ausgezeichnet wurde.

Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Patrick Staar verrät die 69-Jährige ihr Erfolgsgeheimnis.

Wie schafft man es, 50 Jahre lang unfallfrei Auto zu fahren?

Ich fahre umsichtig, vorsichtig, aufmerksam – und flott. Meine Kinder sagen immer: „Die Mutter fährt einen heißen Reifen.“ (lacht)

Sie sind also eine aktive Autofahrerin?

Ja. Unseren alten Toyota mussten wir mit 210 000 Kilometern hergeben. Ich war so traurig. Er hatte oben keine Macke, war aber unten durchgerostet.

Gab es auch mal brenzlige Situationen?

Sicher. Manchmal hatte ich schon Glück, weil ich einen Moment lang nicht hundertprozentig aufmerksam war. In den vielen Jahren kommt das schon mal vor. Aber ich konnte immer noch rechtzeitig bremsen.

Sind Sie stolz auf die Auszeichnung?

Anneliese Deutsch (69) hatte in 50 Jahren keinen Verkehrsunfall.

Ja, ich bin schon stolz. Ich habe mich für die Auszeichnung angemeldet, weil ich den Jungen ein Vorbild sein will. Gerade junge Frauen sind bisweilen sehr unhöflich im Straßenverkehr. Ich lasse andere Autofahrer immer reinschlupfen und lasse Fußgänger über die Straße. Hinter mir wird da schon mal wie blöd gehupt. Ältere Herren auf dem Gehweg sind manchmal auch sehr ungeduldig, wenn man sich aus einer unübersichtlichen Ausfahrt in eine Straße reintastet.
 
Hatten Sie als Autofahrerin schon mal Kontakt mit der Polizei?
 
Überhaupt nicht. Aber ich habe in Weidach auf der Hauptstraße schon mal Pickerl gekriegt. Da habe ich mich fürchterlich geärgert.

Wie kam das?

Man muss da immer von einer Lücke zur nächsten springen, weil am Rand viele Autos parken und immer Gegenverkehr kommt. Ich bin schnell aufs Gas gelatscht, um bis zur nächsten Lücke zu kommen. Und da haben sie mich erwischt. Die berühmte Ecke in Weidach. Kurz nach der Unterführung haben sie die Messgeräte ganz raffiniert hinter einem Zaun aufgestellt.

War das Ihr einziges Pickerl, das Sie bekommen haben?

Nein – jetzt passen’s auf. Es ging noch weiter. Wenig später krieg’ ich zwei Briefe von der Polizei, und ich denke mir: „Was ist denn da los? Warum schicken die mir den Brief gleich doppelt? Mei, sind die blöd.“ Da zeige ich meinem Sohn die Briefe, und er sagt: „Mutter, da hast du dich getäuscht.“ Tatsächlich haben sie mich an der Stelle an zwei Tagen hintereinander erwischt. Insgesamt habe ich in meinem Leben drei Pickerl bekommen. Wenn man 50 Jahre lang Auto fährt, geht das.

Wie haben Sie Ihren Führerschein bekommen?

Ich hatte zehn Fahrstunden in Landsberg am Lech. Bei der Prüfung musste ich schriftliche Fragen beantworten und eine Runde durch die Stadt fahren – da war’s. Das ging ziemlich schnell und war ganz einfach. Der ganze Führerschein hat 340 Mark gekostet. Ich war fit, weil ich davor schon mit dem Mofa und dem Traktor rumgefahren bin.

Wie sind Sie zu Ihrem landwirtschaftlichen Führerschein gekommen?

Wir hatten einen sehr großen Hof. Den Führerschein konnte man beim Landratsamt beantragen. Einen Fragebogen ausfüllen – fertig. Schon davor als Kinder sind wir mit dem Bulldog viel auf dem Hof und auf dem Feld rumgefahren. Wir Kinder mussten schon sehr früh arbeiten.

Und als Sie den Führerschein hatten?

Durften wir auch mit dem Anhänger auf der Straße fahren. Das waren Riesengefährte, vier, fünf Meter hoch. Wenn in unserer Allee ein Bus entgegenkam, hatte ich Angst und bin rechts stehen geblieben.

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