Stadt droht Hitzekollaps: Vereine und Klimabündnis schreiben Brandbrief ans Rathaus

Punktgenau in der ersten großen Hitzeperiode dieses Jahres melden sich drei Initiativen zu Wort. Sie pochen auf mehr Baumpflanzungen, um den Hitzekollaps abzuwenden.
Wolfratshausen – „Mehr Stadtgrün für ein klimaresilientes Wolfratshausen“: Das fordern der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), die Ortsgruppe Wolfratshausen-Geretsried des Bund Naturschutz (BN) sowie das Bündnis „Wor for future“. Unter dem Motto „Hier fehlt ein Baum“ weisen die Initiativen zum wiederholten Mal auf die in ihren Augen ungenügenden Baumpflanzungen, versiegelte Flächen und die zunehmende Hitzebelastung in der Loisachstadt hin.
„Über 54 Prozent der Stadtfläche sind versiegelt, das heizt unsere Stadt im Sommer stark auf. Bäume sind eine einfache und wirksame Antwort darauf“: Das stellen Dr. Jan Reiners (Wor for Future), Sabine Ahrens (BN) und Klaus-Peter Scharf (LAW) in einem offenen Brief an den Stadtrat fest.
Gut 113 000 Euro Fördermittel für 120 neue Bäume in der Stadt
Das Trio räumt ein, dass in Wolfratshausen in jüngster Vergangenheit „erste Nachpflanzungen“ vorgenommen worden sind. Darüber hinaus kann die Kommune bis Frühjahr 2027 rund 120 neue Bäume pflanzen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau stellt dazu wie berichtet gut 113 000 Euro Fördermittel zur Verfügung. Das reiche jedoch nicht, so Reiners, Ahrens und Scharf. Es gebe noch viele Standorte, an denen Bäume gepflanzt werden könnten, „auch Privatflächen, Spielplätze und öffentliche Plätze bieten großes Potenzial für Begrünung“.

Die Sommer werden immer heißer, begründen die Initiativen ihren Vorstoß – der punktgenau in der ersten großen Hitzeperiode dieses Jahres erfolgt. Die sich beschleunigende Erderwärmung sei längst auch in Wolfratshausen spürbar. Satellitenbilder des „Urban Green Eye“ würden „Hitzeinseln“ zeigen, auf denen Temperaturen über 42 Grad herrschen würden. Beispiele: Der Bushalteplatz am S-Bahnhof und die Parkplätze von Eagle Burgmann an der Sauerlacher Straße, die der BayWa und beim Möbelhaus XXX-Lutz im Gewerbegebiet.
Mit jedem Sommer wird das Problem größer. Besonders betroffen: ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen.
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„Mit jedem Sommer wird das Problem größer. Besonders betroffen: ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen“, schreiben Reiners, Ahrens und Scharf. Sie betonen: „Bäume sind eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Hitzebelastung. Sie kühlen durch Verdunstung, spenden Schatten, reinigen die Luft – und machen unsere Stadt lebenswerter.“
„Gärten des Grauens“ sind „ökologisch wertlos“
„Wir müssen neu denken“, appelliert das Trio an Mandatsträger, Stadtverwaltung, Unternehmer und die Bürgerinnen und Bürger: „Brauchen wir wirklich jeden Parkplatz? Oder könnten einzelne Stellflächen zu grünen Inseln werden – zum Beispiel am Obermarkt oder vor dem neuen Denns-Biomarkt an der Sauerlacher Straße, der bereits Parkplätze hinter dem Gebäude anbietet?“ Mit Blick auf die 120 neuen Bäume, die die Kommune pflanzen lässt, sollte der Souverän Vorschläge machen. Auf der Wor-for-Future-Website können die Bürgerinnen und Bürger auf einer interaktiven Karte Standorte markieren, wo künftig in der Stadt ein Baum stehen sollte.
Zusätzlich werben die drei Initiativen für Entsiegelung, Baumpatenschaften und den Verzicht auf Schottergärten. Diese „Gärten des Grauens“ würden ebenfalls zur Überhitzung beitragen und seien „ökologisch wertlos“. (cce)



