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Fundgrube für Schatzsucher: Viele Antiquitätenliebhaber pilgerten an den Osterfeiertagen in die Loisachhalle. 

Antik- und Sammlermarkt in der Loisachhalle

Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten

Wolfratshausen – Zum ersten Mal veranstaltete der Münchner Rainer Dohn am Ostersonntag und -montag in der Loisachhalle einen Markt, auf dem Kostbarkeiten aus fünf Jahrhunderten ausgestellt wurden.

„Ich mache das seit über 20 Jahren in München und dem südlichen Umland. In Wolfratshausen ist die Hallenmiete am teuersten“, berichtete der Veranstalter. Vielleicht war das auch der Grund, warum sein Vorgänger keine Antiktage mehr in der Flößerstadt ausrichtet. Dennoch sei ihm die Stadtverwaltung in vielerlei Hinsicht entgegenkommen. Schon zwei Wochen vor dem Antik- und Sammlermarkt durfte Dohn an vielen Stellen plakatieren.

Die Werbung schien sich schon am ersten Tag ausgezahlt zu haben. Denn trotz eines Eintrittspreises von vier Euro kamen vor allem am Nachmittag viele Neugierige zu den Ständen der Aussteller. Das Angebot konnte sich wahrlich sehen lassen: Schon im Foyer zeigte der Münchner Johannes Veit stolz Original-Lithografien und Kupferschnitte aus fünf Jahrhunderten. Während ein um 1570 angefertigter Holzschnitt bei ihm schon für vergleichsweise günstige 45 Euro zu haben war, musste für ein Werk des deutschen Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff ein vierstelliger Betrag hingeblättert werden. „Auch moderne Bilder von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein werden oft als originelle Geburtstagsgeschenke nachgefragt“, berichtete Veit.

Wenige Meter weiter verkaufte Hans-Jürgen Stawski kostbares Sterling-Silber und alte Vinyl-Schallplatten. „Die sind seit einigen Jahren wieder stark im Kommen“, stellte Stawski fest. Um in der Loisachhalle ausstellen zu können, nahm er sogar eine vierstündige Anreise aus dem Schwarzwald auf sich.

Gleich daneben zogen die prachtvoll glänzenden Uhren des Gilchingers Peter Fischer die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Die ältesten stammten aus der Zeit der französischen Revolution und waren für Liebhaberpreise ab 3000 Euro aufwärts zu haben. „Trotz ihres hohen Alters funktionieren sie einwandfrei“, sagte Fischer. Und sollte das Uhrwerk tatsächlich einmal aussetzen, restauriert und repariert er die Kostbarkeiten selbst. „Das können heute leider nur noch ganz wenige“, erklärte er. Ein Verkauf über die einschlägigen Online-Plattformen kommt für ihn und viele Händler, die in Wolfratshausen ausstellten, ohnehin nicht infrage. „Internet-Handel ist uninteressant“, unterstrich Fischer. Wer an den Ostertagen durch die Loisachhalle schlenderte, verstand sofort, was der Antiquitätenhändler damit meinte: Man muss Schätze wie etwa ein altes Grammophon aus dem Jahr 1900 oder aus Holz geschnitzte Heiligenfiguren aus dem 17. Jahrhundert einfach anfassen und riechen, um ihren Wert zu erahnen.

Dass Kunst manchmal auch als eine beständige Geldanlage gesehen wird, bestätigte Veranstalter Rainer Dohn: „Es gibt auch junge Paare, die sich gezielt nach lukrativen Objekten umsehen. Die meisten Besucher sind aber über 40 Jahre alt und selbst begeisterte Sammler.“ Der ideelle Wert scheint also oft den monetären zu übertreffen. Und so ging es am Ende vielen Besuchern wie der Aquarellmalerin Corinna Schütz-Hee. „Die Vielfalt hat mich positiv überrascht“, zeigte sich die Waldramerin begeistert.

Peter Herrmann

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