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„So etwas zu behaupten, ist wirklich ein dicker Hund“: Das sagt Flößer Josef Seitner zur Aussage des BN-Kreisvorsitzenden Friedl Krönauer, eine Floßfahrt sei „nichts anderes als ein großes Saufgelage auf dem Floß“.

Isar-Verordnung

Das antworten die Landkreis-Flößer auf den Saufgelagen-Vorwurf des BN-Chefs 

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    Andreas Steppan
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Die Flößer Josef Seitner und Michael Angermeier kontern den Vorwurf des Naturschützers Friedl Krönauer, Floßfahrten seien als Tradition verbrämte Saufgelage.  

Bad Tölz-Wolfratshausen Es war nur eine Äußerung am Rande – aber eine, die es in sich hatte: Die Floßfahrten auf der Isar seien zwar „als Tradition verbrämt“, doch in Wirklichkeit handle es sich um „nichts anders als ein großes Saufgelage auf dem Floß“. So äußerte sich Kreisvorsitzender Friedl Krönauer kürzlich in der Jahresversammlung des Bund Naturschutz (wir berichteten).

Auf Rückfrage präzisiert Krönauer nun, was genau er damit meinte. Ihm sei es generell um Kritik an all denjenigen gegangen, „die die Isar als Spaßgewässer betrachten“. Es störe ihn, dass man dabei meist zwischen verschiedenen Gruppen unterscheide: „Auf diejenigen, die mit ihren Badeinseln, Einhörnern und sonstigen nicht schwimmfähigen Gefährten unterwegs sind, drischt man ein. Die Floßfahrten dagegen verklärt man als Tradition. Ich finde, das muss man zurechtrücken.“

Schon aus Gerechtigkeitsgründen seien die Flößer aus seiner Sicht bei der geplanten Isar-Verordnung (siehe Bericht unten)„genauso kritisch zu betrachten wie jemand, der sich in der Pupplinger Au auf seine Badeente setzt“, sagt Krönauer. Die eine wie die andere Nutzung der Isar führe dazu, dass der Fluss „überstrapaziert“ werde. „Da macht es auch keinen Unterschied, ob man wie bei den Floßfahrten dafür bezahlt und ob einer mit Lederhosen draufsteht.“

Krönauer kritisiert, dass Flößer „wie selbstverständlich den Anspruch erheben, dass ihnen die Floßrinne freigehalten wird“. Dafür werde mitunter Totholz beseitigt, das für Fische wichtig sei. „Die Isar ist aber keine Wasserstraße, sondern ein Lebensraum.“ Er wolle das Floßfahren keineswegs verbieten, sagt Krönauer. Doch den Flößern müssten die natürlichen Gegebenheiten genügen.

„Das Problem liegt nicht an der Floßfahrt, sondern an der Kieseinbringung durch die Kraftwerke in Tölz und weiter südlich“, entgegnet der Wolfratshauser Flößer Josef Seitner: „Die lassen jedes Jahr mehrere hunderttausend Kubikmeter Kies in die Isar. Das schiebt der Fluss dann immer weiter in die Fahrrinne.“ Aus Sicherheitsgründen sei es deshalb erforderlich, diese gelegentlich zu räumen, um Unfälle zu vermeiden. Das geschehe aber immer in Zeiten, in denen es die Ökologie des Flusses nicht störe. Eine Sonderbehandlung der Flößer vermag auch sein Arzbacher Kollege Michael Angermeier nicht zu erkennen. „Wir haben eine wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Genehmigung“, erklärt er. „Das war schon immer so.“

„Uns mit den Schlauchbootfahrern zu vergleichen, ist völlig fehl am Platz, das ist schon ein großer Unterschied“, empört sich Angermeier. „Wenn wir durch die Pupplinger Au fahren, dann sind wir uns bewusst, dass es sich um ein hochsensibles Gebiet handelt“, sagt er. „Aber wir sind da in einer Stunde durch – und das auch nur in den viereinhalb Monaten, die die Floßsaison dauert. Die restlichen 23 Stunden des Tages hat die Pupplinger Au ihre Ruhe vor uns.“ Die Schlauchbootfahrer dagegen seien ab 9 Uhr morgens unterwegs, „und bis abends um 9 oder 10 ist keine Ruhe“, stellt der Arzbacher fest.

Respekt vor der Natur und Rücksichtnahme seien für ihn als Flößer selbstverständlich. In der Pupplinger Au höre die Musik auf dem Floß auf zu spielen – ebenso wie im Naturschutzgebiet am Georgenstein. „Wir sagen den Gästen dann: ,So Leute, jetzt fahren wir durch eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands, schaut es Euch an.‘ Es ist uns klar, dass wir ohne diese intakte Landschaft auch keine Floßfahrten machen könnten.“

Sind die Floßfahrten denn tatsächlich „Saufgelage“, wie Krönauer zugespitzt formulierte? „So etwas zu behaupten, ist wirklich ein dicker Hund“, meint Josef Seitner, aufgebracht und belustigt zugleich: „Der Mann hat keine Ahnung.“ Alkohol spiele schon lange nur noch eine Nebenrolle auf dem Floß. „Die Leute wollen ein Erlebnis, kein Besäufnis“, sagt der Wolfratshauser

In den 1960er Jahren sei es in dieser Hinsicht schlimmer gewesen, sagt Angermeier, als viele Studentenverbindungen an den Floßfahrten teilnahmen. „Aber heute genießen 80 Prozent unserer Gäste in aller Ruhe die schöne Landschaft.“ Für ein „Saufgelage“ sei ja auch kein Floß nötig. „Das kann ich in jedem Biergarten.“ Ein bisschen Freude müsse man den Leuten aber schon auch lassen, findet Angermeier: „Das gehört dazu.“

as/cw

Lesen Sie auch: Verordnungen zum Schutz der Isar - diese Kritiken kamen dazu in der Wolfratshauser Bauausschusssitzung auf

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