+
Dietlind Diepen im Bergwald: Hier wohnt die Wolfratshauserin seit fast 50 Jahren.

Gerüstet gegen Starkregen

Anwohnerin: So lebe ich im Wolfratshauser Bergwald

Wolfratshausen – Seit 48 Jahren wohnt Dietlind Diepen am Eichheimweg – mitten im Bergwald. Anfangs war sie für Überschwemmungen noch nicht gewappnet. So hat sie sich gerüstet:

Kurze Zeit nachdem die Diepens ihr Haus bezogen hatten, regnete es in Strömen. Weil einige Häuser im Bergwald damals noch nicht von der Müllabfuhr angefahren wurden, entsorgten die Bewohner ihren Unrat im Wald. „Das wurde alles in unseren Garten geschwemmt“, erinnert sich Diepen. Seitdem rüstet die Wolfratshauserin ihr Grundstück gegen Überschwemmungen. Dafür nutzt sie, was sie im Wald findet.

Entlang des Grundstücks verläuft ein Zaun. Dahinter hat die Rentnerin einen Damm aufgebaut. Große Planen, Äste und Steine sollen das Wasser möglichst fern vom Garten der Familie halten. „Wenn ich etwas im Wald finde, das ich gebrauchen kann, schmeiße ich das auf den Damm“, berichtet die Wolfratshauserin. „Man lebt mit so einem Wald.“

Stadtverwaltung schaute jahrelang zu 

Lange Zeit, sagt sie, waren die Bergwald-Bewohner auf sich alleine gestellt. Stadtrat, Bürgermeister und Verwaltung hätten jahrelang nicht auf die Warnungen der Anwohner reagiert. Wie auch? „Niemand von den Stadträten hat mitbekommen, wie es hier oben aussah“, räumt Diepen ein. „Das ist jetzt zum Glück anders.“ Spätestens nach dem Abgang einer Mure vor einigen Wochen steht das Thema Bergwald weit oben auf der Prioritätenliste der Ratsmitglieder. „Es sind aber keine Wunderwerke notwendig, um das Problem zu beseitigen“, betont die Seniorin.

Mit Sandsäcken möchte der Bauhof den Wassermassen Herr werden.

Zusammen mit Matthias Schmidberger, dem Chef der Stadtwerke, hat sich die Wolfratshauserin überlegt, wie man das Regenwasser sicher ableiten könnte. „An vielen Stellen war es schon mit einem kleinen Graben getan“, sagt sie und zeigt wie zum Beweis auf einen Fußweg, der hinter dem Golfplatz entlangführt. „Hier haben sich früher riesige Pfützen gebildet“, erinnert sie sich. Dann zeigt sie ein Foto, das sie nach einem Starkregen aufgenommen hat. Der Weg ließ sich unter den riesigen Pfützen nur noch erahnen. Seit ein kleiner Graben im Kies verläuft und das Wasser in einen Teich führt, stauen sich auf dem Weg die Wassermassen nicht mehr. „Dafür braucht man aber kein Gutachten oder hunderttausende Euro“, deutet Diepen an. „Man muss sich nur die Situation vor Ort ansehen.“ Ganz emotionslos kann sie manche Stadtratsdiskussion über die Bergwaldsicherung nicht ansehen. „Mich packt manchmal die Wut, wenn zu dem Thema ganz groß theoretisiert wird.“ Diepen vertraut lieber auf ein einfacheres Credo, um sich ein Bild über die Situation zu machen: „Gummistiefel an und hoch.“

Bauhof in Alarmbereitschaft

Der Bauhof hat weitere Schritte eingeleitet, um die Wassermengen zu kontrollieren. „Früher wurden die Gullys und Sickerschächte nur sehr unregelmäßig sauber gemacht“, erinnert sich Diepen. Stöcke, Steine und Schmutz verstopften die Ablaufgitter, das Wasser blieb auf den Straßen. „Jetzt wird einmal im Jahr alles gereinigt.“ Wenn sich starker Regen andeutet, würden die Behörden auch schneller als früher reagieren. „Wenige Stunden bevor es hier das letzte Mal richtig geschüttet hat, sind einige Bauhof-Mitarbeiter ausgerückt und haben Sandsäcke am Wegesrand ausgelegt und verstopfte Ablaufrohre wiederhergerichtet“, sagt die langjährige Stadträtin. „Seitdem gibt es keine Probleme mehr.“ Keine, bis auf eines, aber das kann keiner lösen: Wenn es regnet, „ist man ans Haus gefesselt, weil die Straßen manchmal noch überflutet sind“.

Dominik Stallein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stadtrat erklärt Bürgerbegehren für unzulässig
Zu hoch und zu breit: Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben 1563 gültige Unterschriften eingereicht, um das Ausmaß des geplanten Gebäudes am Karl-Lederer-Platz zu …
Stadtrat erklärt Bürgerbegehren für unzulässig
Therapeut (69) missbraucht Patientin (27)
Wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung einer Patientin musste sich ein Münchner Psychologe vom Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.
Therapeut (69) missbraucht Patientin (27)
Heimatmuseum zeigt „Schule einst in Königsdorf und Bayern“ 
Das Heimatmuseum führt die Sonderausstellung „Schule einst in Königsdorf und in Bayern“ in erweiterter Form fort. Neu sind etwa um die 100 Klassenfotos der Volksschule …
Heimatmuseum zeigt „Schule einst in Königsdorf und Bayern“ 
Stadtzentrum im Überblick: Von der Planung bis zum Proteststurm
Der Stadtrat fällt an diesem Dienstag die Entscheidung: Ist das Bürgerbegehren gegen die Neubaupläne am Karl-Lederer-Platz zulässig oder nicht? Ein Überblick zeigt: Der …
Stadtzentrum im Überblick: Von der Planung bis zum Proteststurm

Kommentare