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„Klostermauer“: Mit diesem Wort beschreibt Architekt Florian Nagler den Lärmschutzwall am geplanten Mehrgenerationenhaus. Rechts der fünfgeschossige Kopfbau des Objekts.

Dienstag entscheidet der Stadtrat

Architekt verspricht: Mauer wird „kein Schandfleck für Wolfratshausen“

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Der geplante Mauerbau der Maro-Genossenschaft polarisiert. Bei einem Info-Abend gelang es Projektleiter und Architekt, die Wogen zu glätten. Das letzte Wort hat der Wolfratshauser Stadtrat.

Wolfratshausen – Viel Staub haben die Pläne der Maro aufgewirbelt. Die Genossenschaft aus Ohlstadt will wie berichtet das marode ehemalige Krankenhaus an der Sauerlacher Straße 15 sanieren und auf dem Grundstück ein Mehrgenerationenhaus mit 22 Mietwohnungen errichten. Zu dem Projekt gehört eine in der Bevölkerung umstrittene, 3,50 Meter hohe Lärmschutzmauer. Maro-Projektleiter Ralf Schmid und Architekt Florian Nagler stellten das Vorhaben am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindesaal vor – und siehe da: Für den Großteil der gut 60 Zuhörer ist die Mauer kein Werk des Teufels. Eberhard Hahn verlangte mit Blick auf die Lebensqualität der Menschen sogar eine Erhöhung des geplanten Lärmschutzwalls „um zehn oder 20 Zentimeter“.

Architekt: „Nicht die Berliner Mauer“

Glaubwürdig erklärte Architekt Nagler, dass er seinen Auftrag mit großer Sensibilität erfülle. Jedes Bauprojekt „muss zum Ort und den Menschen passen“. Für das Funktionieren eines Mehrgenerationenhauses sei ein lärmgeschützter Außenbereich unverzichtbar. Trotz einer 3,50 Meter hohen Mauer – die Maro hatte 3,85 Meter beantragt – seien im Innenhof Spitzenwerte bis zu 62 Dezibel zu erwarten. Dies sei im buchstäblichen Sinne die Schmerzgrenze. Nagler betonte erneut, dass es sich „nicht um die Berliner Mauer, nicht um eine Mauer aus Fertigbetonteilen handelt“. Das Wort „Klostermauer“ beschreibe sie treffender. Das Ziegelbauwerk werde begrünt „und passt sich harmonisch in das Gesamtensemble ein“.

Nagler stellte fest, dass das Bauvorhaben viel leichter zu realisieren wäre, wenn das ehemalige, heruntergekommene Klinikgebäude dem Erdboden gleich gemacht werden würde. Dies sieht der Bebauungsplan der Stadt de jure vor, „doch genau das wollen wir nicht“, betonten Architekt und Projektleiter. Das denkmalgeschützte Objekt werde in Abstimmung mit dem Denkmalamt, dem Landratsamt und der Stadt saniert, ins Untergeschoss wolle der Verein Bürger für Bürger um seinen Vorsitzenden Peter Lobenstein einziehen.

„Mauer wird kein Schandfleck für Wolfratshausen“

„Wir haben die Mauer ja nicht aus Jux und Tollerei geplant“, so Nagler. Und: „Alles, was wir bauen, betrifft nicht nur uns, sondern auch die Öffentlichkeit“ – dessen sei er sich stets bewusst. „Die Mauer wird kein Schandfleck für Wolfratshausen“, konstatierte der Architekt.

„Die Mauer ist zu niedrig“, stellte der Wolfratshauser Eberhard Hahn zur Überraschung vieler fest. Der Lärmschutz für die Menschen genieße für ihn höchste Priorität. Pfarrer Florian Gruber gab zu bedenken: „Wollen wir in dem Bereich nur Gewerbebau? Oder „ein sehr ansprechendes Wohnprojekt“? Die Mauer füge sich im Verhältnis zur geplanten Gesamtbebauung des Grundstücks „gut ein“.

Er habe „den Kontext nicht gekannt“, räumte Bernhard Reisner, Zweiter Vorsitzender des Historischen Vereins, ein. Nachdem mittlerweile ein Modell des Gesamtensemble zu sehen war, „hat sich die Diskussion relativiert“, so Reisner. Für Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft, die noch kürzlich von einer „monströsen Mauer“ sprach, ist nach eigenen Worten „nicht die Höhe, sondern die Gestaltung der Mauer“ entscheidend. Die sei Architekt Nagler gelungen. „Ich bin kein Freund von Mauern“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) mit Hinweis auf die Schießstättstraße. Aber das Vorhaben der Genossenschaft sei „ein positives Beispiel für eine Mauer“.

CSU-Stadtrat Alfred Fraas bleibt kritisch

CSU-Stadtrat Alfred Fraas blieb kritisch. Er und andere fürchten, dass die Kommune an der Sauerlacher Straße einen Präzedenzfall schafft, auf den sich andere potenzielle Mauerbauer in der Flößerstadt berufen werden. Rathauschef Heilinglechner entgegnete, dass man den „Wildwuchs“ verhindern wolle. Er habe die Hoffnung, dass die Lärmemission in der Loisachstadt reduziert wird – die Einrichtung vieler Tempo-30-Zonen sei ein guter Anfang gewesen. Somit würden Lärmschutzwälle obsolet. Krafft stieß ins selbe Horn: „Zumauern kann keine Lösung sein.“

Am Dienstag (17 Uhr, Rathaus), steht das Maro-Projekt erneut auf der Agenda der Lokalpolitiker. „Der Stadtrat wird sich nicht leichttun“, prognostizierte Fritz Schnaller (SPD). „Sie entscheiden über die Funktion des Wohnprojekts“, schärfte Ernst Gröbmair, Sprecher des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), den Kommunalpolitikern ein. cce

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