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Zu klein für 120 Flüchtlinge? Das alte Pfarrheim.

Kritik am Vorgehen der Staatsregierung

Asylhelfer schreiben Protestbrief

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Rückendeckung für Klaus Heilinglechner: Auch der Asylhelferkreis schlug sich auf seine Seite und kritisierte das Vorgehen der Staatsregierung in puncto Flüchtlingssituation nun in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten.

Wolfratshausen – Der Bürgermeister hatte kürzlich in einem Protestbrief an die Bayerische Staatsregierung seinen Unmut darüber geäußert, dass die Regierung von Oberbayern die Gemeinschaftsunterkünfte an der Heimgartenstraße sowie im alten Pfarrheim am Loisachbogen mit Flüchtlingen belegen will, ihnen jedoch weder Sicherheitspersonal noch permanente Ansprechpartner zur Seite gestellt werden. Der Asylhelferkreis hatte sich bereits damals auf Heilinglechners Seite geschlagen. Jetzt haben die Koordinatoren der ehrenamtlichen Betreuer – Ines Lobenstein, Gisela Weber-Grunwald und Ute Mitschke – einen offenen Brief geschrieben. Die Adressaten: Ministerpräsident Horst Seehofer und Staatsministerin Emilia Müller, zuständig für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Die Asylhelfer fordern, dass rund um die Uhr Sicherheitspersonal zur Verfügung steht – und untermauern ihren Vorstoß mit Einblicken in das Innenleben der beiden Unterkünfte.

Heimgartenstraße

Hier leben 60 bis 70 Flüchtlinge. Vor Ort sind eine Verwaltungskraft sowie ein Hausmeister, die von Montag bis Freitag nur tagsüber und zum Teil nur stundenweise erreichbar sind. Sie sind für die Organisation des Gebäudes, nicht aber für die soziale Betreuung der Bewohner zuständig. „In der Vergangenheit kam es dort häufiger zu heftigen Konflikten“, schreiben Lobenstein und ihre Mitstreiterinnen. „Nicht nur verbal, sondern auch körperlich.“ Die Sicherheit von Mädchen und vor allem von alleinstehenden Frauen sei erheblich gefährdet. Immer wieder komme es zu Regelverstößen und Sachbeschädigungen. Deeskalieren könnten weder die Verwaltungskraft noch der Hausmeister. „Das ist nach unserer Erfahrung nur möglich, wenn Security-Mitarbeiter 24 Stunden anwesend sind.“

Altes Pfarrheim

Hier wollte das Landratsamt 70 bis 80 Asylbewerber unterbringen – mit Sicherheitsdienst. Inzwischen hat die Regierung von Oberbayern das Gebäude am Loisachbogen übernommen und mit der Belegung begonnen. Bis zu 120 Personen sollen hier einmal unterkommen – ohne Sicherheitsdienst. Zu viele, sagen die Asylhelfer. Ein Problem seien die Betten. Demnach stehen in der ersten Etage 25, in der zweiten Etage 45 – zu wenig, auch wenn man einen Teil zu Doppelstockbetten umrüsten könnte. Hinzu komme, dass die Sanitärräume nicht abschließbar sind. „Welche Frau“, fragen Lobenstein, Weber-Grunwald und Mitschke, „traut sich da, allein zu duschen?“ Auch beim Zubereiten der Mahlzeiten befürchten sie Probleme. Auf einer Etage gebe es drei Kochstellen mit zwei Platten, auf der anderen vier Kochstellen mit zwei Platten – zu wenig für so viele Menschen, urteilen sie. Die Unterbringung erfolge teilweise in Sechs- und Acht-Bett-Zimmern mit extrem kleinen Spinden und kaum Platz zwischen den Schlafstellen. „Privatsphäre oder Rückzugsmöglichkeit gibt es nicht“, schreibt das Trio. Sorge bereitet den drei Frauen auch, dass zurzeit nur alleinstehende Männer aus Nigeria, Pakistan und Afghanistan im alten Pfarrheim untergebracht sind. Sie dürften wegen ihrer „geringen Bleibeperspektive“ nicht arbeiten. Diese Männer hätten Langeweile, keine Tagesstruktur, kaum soziale Kontakte und seien frustriert. Sozialpdägogische Betreuung durch den Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ gebe es zwar. Mit 30 Stunden pro Woche für rund 300 Asylbewerber in 17 Unterkünften in Wolfratshausen seien die Mitarbeiter aber überfordert.

Das Fazit

Die Verfasser sehen eine Gefährdung der Bewohner. In dem dicht bebauten Wohngebiet seien ohne Security Konflikte mit Anwohnern zu erwarten, da Lärm, ständige Polizei-, Krankenwagen- und Feuerwehreinsätze diese stören und verunsichern würden. Genau das dürfe nicht passieren: „Verunsicherung führt zu Fremdenfeindlichkeit und ist Nährboden für rechte Politik.“ Nicht unterschätzen dürfe man auch, dass in Notsituationen – Krankheit, Geburt, Herzinfarkt, Suizidversuch – keine Hilfe vor Ort ist, dass jeder von außen Zutritt hat und unerwünschte Besucher nicht kontrolliert werden können.

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