Vom Partykoffer bis zur Schildkröte: Christina Sterz und Claudia Keller (v. li.) bekamen im Fundbüro schon den ein oder anderen kuriosen Gegenstand in die Hände.
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Vom Partykoffer bis zur Schildkröte: Christina Sterz und Claudia Keller (v. li.) bekamen im Fundbüro schon den ein oder anderen kuriosen Gegenstand in die Hände.

Archive der Vergesslichkeit

Auch Kurioses lagert in den Fundbüros im Landkreis

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Ob Halstücher, Brillen, Geldbeutel, Brieftaschen Gehstöcke, Gebisse oder sogar Haustiere: In den Fundbüros im Landkreis lagern teils kuriose Dinge.

  • Tag für Tag werden in den Fundbüros im Landkreis Gegenstände abgegeben
  • Die meisten Verlust werden in Lenggries am Brauneck beklagt - besonders nach einem sonnigen Wochenende
  • Falls sich der Besitzer eines Fundstücks innerhalb eines halben Jahres nicht meldet, darf der Finder den Gegenstand erwerben

Bad Tölz-Wolfratshausen – Man mag nicht glauben, was die Leute alles verlieren – und nicht vermissen. Für viele dieser Gegenstände heißt es letztendlich: Endstation Fundbüro. Tag für Tag werden dort die unterschiedlichsten Sachen abgegeben.

Auch Schildkröten landen im Fundbüro

Schildkröten und Fundbüros? Was auf den ersten Moment nach wenig Zusammenhang klingt, ist für die Angestellten im Wolfratshauser Rathaus nichts Ungewöhnliches. „Im August begeben sich die Schildkröten auf Wanderschaft. Das Tierheim in Geretsried-Gelting darf Reptilien nicht aufnehmen“, erklärt Claudia Keller. Zur Erstversorgung landen die Tiere mit dem Panzer deshalb oft erst einmal im Fundbüro. „Diesen Sommer wurde bei uns zwar keine einzige Schildkröte abgegeben, dafür wurden im Jahr 2017 eine und im Jahr 2018 vier vermisste Schildkröten gemeldet und untergebracht“ , berichtet Keller. Immerhin: Alle landeten am Ende wieder bei ihren Besitzern.

Apropos Besitzer: Eins erleben Keller und ihre Kollegin Christina Sterz im Fundbüro immer wieder: die große Dankbarkeit, wenn Bürger einen verloren geglaubten Gegenstand bei ihnen abholen. „Einmal hatte eine Dame ihre komplette Rente im Geldbeutel. Genau der fiel ihr dann aus dem Radlkorb“, erinnert sich Sterz. Als die Frau ihr Portemonnaie zurückbekam, „war sie überglücklich und brach vor Freude in Tränen aus“. Besonders oft verlieren die Wolfratshauser Dinge laut den beiden Damen übrigens auf der Markstraße.

Im Tölzer Fundbüro stapeln sich die Schlüssel

Auf der Liste der abgegebenen Gegenstände ganz oben stehen im Tölzer Fundbüro Schlüssel. „Davon gehen bei uns täglich bestimmt zwei bis drei Stück ein“, berichtet die Verwaltungsfachangestellte Jennifer Schuster. Oft abgeholt werden die Türöffner jedoch nicht. Ansonsten lagern im Rathaus vor allem alltägliche Gegenstände wie Fahrräder, Handys und Brillen.

Seit der Tragepflicht eines Mund-Nasen-Schutzes häufen sich in unserem Fundbüro die Verlustanzeigen für Hörgeräte.

Ute Raach, Geschäftsleiterin im Geretsrieder Rathaus

Falls sich der Besitzer eines Fundstücks innerhalb eines halben Jahres nicht meldet, darf der Finder den Gegenstand erwerben. Die restlichen Sachen kommen bei einer Versteigerung unter den Hammer. Doch Schuster weiß genau: Oft ist es nicht der materielle sondern der emotionale Wert der Objekte, der zählt. „Kürzlich hatten wir eine Frau im Büro, die ihr Armkettchen mit Gravur verloren hatte.“ Ein Geschenk ihrer verstorbenen Mutter. „Deshalb war das Schmuckstück für sie besonders wichtig“, so Schuster.

In Geretsried gibt es ein elektronisches Fundbuch

In Geretsried werden alle Gegenstände in einem elektronischen Fundbuch eingetragen. „Dadurch haben Bürger die Möglichkeit, online nach ihrem Verlust zu suchen“, erklärt Ute Raach, Geschäftsführerin im Rathaus. Ob ein Globus, ein Neoprenoberteil oder Handys: Aktuell lagern dort viele, viele Fundsachen. Eines ist laut Raach in letzter Zeit aber besonders auffällig: „Seit der Tragepflicht eines Mund-Nasen-Schutzes häufen sich in unserem Fundbüro die Verlustanzeigen für Hörgeräte.“

Schätzungsweise ein Viertel aller abgegebenen Sachen wird im Lenggrieser Fundbüro wieder abgeholt, berichtet Rathausmitarbeiter Helmut Potstada. Die Lenggrieser schätzt er als „grundsätzlich sehr ehrlich“ ein. Potstada: „Es wird zum Beispiel loses Bargeld von Personen abgegeben, die es sicher selbst gut gebrauchen könnten.“

Vom Handy bis zum Ehering

Die meisten Verluste werden laut Potstada am Brauneck beklagt. „Besonders nach sonnigen Wochenenden gehen montags viele Anfragen nach Schlüsseln, Handys, Geldbörsen, Wanderstöcken und Sonnenbrille ein.“ „Absolute Freude“ herrscht bei Potstada im Fundbüro hingegen, wenn etwa verlorene Eheringe wieder auftauchen. „In den vergangenen Jahren kam das schon ein paar Mal vor“, berichtet der Beamte.

kof

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