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Gut befreundet – bis jetzt: Wolfgang Sacher (li.) und sein früherer Konkurrent Michael Gallagher.

Radsport/Paralympics

„Auf jeden Fall fühle ich mich betrogen“

Wolfratshausen - Mit dem Australier Michael Gallagher wurde einer von Wolfgang Sachers früheren Konkurrenten des Dopings überführt

„Ich kann es immer noch nicht glauben.“ Wolfgang Sacher ist geschockt. Der Paralympics-Goldmedaillengewinner von Peking checkte auf seinem Smartphone die Nachrichten. Und da stieß er auf die Meldung, die die paralympische Sportwelt in Aufruhr versetzte: Mit dem Australier Michael Gallagher, einer der weltweit erfolgreichsten Radsportler der letzten zehn Jahre, wurde kurz vor den am Mittwoch startenden Paralympics einer von Sachers ehemaligen Hauptkonkurrenten des Dopings überführt. Der Australier soll Epo genommen haben – und wurde nun von der Paralympics-Teilnahme ausgeschlossen.

„Michael und ich sind oft gegeneinander gefahren. Ich hätte ihm das nie zugetraut. Ein Wahnsinn“, meint Sacher. Ob sich der zweimalige Paralympics-Teilnehmer aus Penzberg, der seine Karriere vor vier Jahren beendet hatte, im Nachhinein betrogen fühlt? „Auf jeden Fall. Es gab genug Wettkämpfe, in denen Michael vor mir war. 2008 in Peking hat er in der Bahnverfolgung Gold gewonnen, ich Silber.“ Auch bei Weltmeisterschaften war er auf dem Podium oft vor Sacher.

Die Frage sei nun, ob Gallagher erst jetzt mit dem Doping angefangen habe oder es seine ganze Karriere lang gemacht hat. „Trotzdem bleibt ein Beigeschmack“, findet Sacher. Gallagher hatte großen Erfolg, gewann unzählige Rennen. Was sind seine Medaillen jetzt noch wert? „Nichts mehr“, sagt Sacher wütend.

Besonders bitter ist die Nachricht für den 49-Jährigen nicht nur, weil ihn Gallagher mit seinem unsportlichen Verhalten eventuell um die eine oder andere Medaille bei internationalen Großereignissen betrogen haben könnte. „Michael und ich waren auch sehr gut befreundet. Ich habe ihn immer als sehr fairen Sportsmann erlebt und verstehe deshalb nicht, warum er so etwas getan hat. Er war eine Institution über den Radsport hinaus“, sagt der Penzberger, der den Kontakt zu seinem ehemaligen Konkurrenten suchen will. „Ich werde ihm in jedem Fall eine E-Mail schreiben und fragen, warum er im Herbst seiner Karriere so etwas Dummes getan hat. Er hatte doch schon alles erreicht.“

Sacher hofft nun, dass die Negativmeldung um den 38-jährigen Australier keine allzu großen Auswirkungen auf den Ruf der Paralympischen Spiele an sich hat. „Das wäre sehr schade, denn es wird immer noch sehr großer Sport geboten“, meint der Chef des RSC Wolfratshausen. Dass die Paralympics im Zuge einer wachsenden Professionalisierung des Handicapsports ein Dopingproblem haben könnten, will er nicht ausschließen: „Es gibt immer schwarze Schafe. Aber wenigstens zeigt Gallaghers Geschichte, dass die Kontrollen funktionieren.“

Sacher hofft nun, dass die Meldung „ein Einzelfall bleibt“. Den deutschen Sportlern will er jetzt umso mehr „die Daumen drücken“. Die Paralympics in Rio de Janeiro (Brasilien) starten morgen und dauern bis 18. September. werner müller-schell

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