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Einkaufen wie anno dazumal: Der „Geigerladen“ wurde originalgetreu nachgebaut.

Ein Rundgang 

Auf den Spuren unserer Vorfahren im Heimatmuseum

Das Heimatmuseum soll umziehen. Bürgervereinigung, SPD und Grüne haben vorgeschlagen, dass die Exponate aus dem städtischen Gebäude am Untermarkt 10 in das alte Pumpenhaus am Loisachufer wandern. Aber was zeigt die Dauerausstellung überhaupt? Zeit für einen Rundgang mit Museumsleiter Martin Melf.

WolfratshausenMalereien, ein Schlafzimmer aus dem frühen 19. Jahrhundert, Flößerei-Artefakte und ein Tante-Emma-Laden: Das Wolfratshauser Heimatmuseum ist vielseitig. Wer die Treppen zu den rund 600 Quadratmeter großen Ausstellungsräumen im ersten Stock des ehemaligen Landesgerichts an der Marktstraße hinaufsteigt, bleibt mit den Augen an vielen Malereien hängen. Christliche Motive wie die Auferstehung und ein Bild der Bergpredigt reihen sich an den Wänden aneinander.

„Einige Bilder sind Leihgaben“, erklärt Museumsleiter Martin Melf, während er ein Werk aus der Feder des Wolfratshauser Historienmalers Hermann Neuhaus begutachtet. „Wir haben aber auch viele Dinge von Bürgern für unsere Ausstellung gestiftet bekommen.“ Das sei einer der Grundgedanken des Museums: „Von den Bürgern für die Bürger.“

So haben die Vorfahren gelebt

Wie unsere Vorfahren vor über 200 Jahren gelebt haben, zeigen die benachbarten Ausstellungsräume. Melf blickt auf ein altes Holzbett – gebaut im Jahre 1807. Es ist kürzer als Betten heute sind. „Man hat damals im Sitzen geschlafen“, weiß der Rathausmitarbeiter. Und das Ehebett ist schmaler: „Die Häuser waren nicht beheizt, man musste also eng aneinander liegen, damit es warm bleibt.“ Daneben stehen ein Kinderbettchen und ein Bauernschrank, der mit gemalten Hagebutten verziert ist. „Das ist so etwas wie der Vorgänger von Ikea“, sagt Melf und lacht. In einfachster Bauweise wurden seinerzeit praktische Schränke gefertigt.

Auch antiquierte Tische, Öfen, ein Sofa und Vitrinen findet man im Museum. „Ein typisches Bürgerzimmer aus dem 18. Jahrhundert“ zeigt Melf auf dem Rundgang. An der Wand über einem Glaskasten, der historisches Handwerkszeug und Haushaltsgegenstände beherbergt, hängen Porträts einer Wolfratshauser Adelsfamilie.

Kirchliche Symbole sind überall zu entdecken

An allen Ecken und Enden des Museums findet man christliche Symbole und kirchliche Motive: Kruzifixe, Bildnisse, Madonnenfiguren und einen Sarkophag des Heiligen Nantovinus. Der Pilger starb im 13. Jahrhundert in Wolfratshausen den Märtyrertod. „Dieses Thema nimmt hier einen großen Raum ein“, sagt Melf. Das sei nur konsequent: „Schließlich hat die Kirche ja auch einen sehr wichtigen Stellenwert im Leben unserer Vorfahren gehabt.“

Kirchenkunst: Der Heilige Nantovinus.

In die jüngere Vergangenheit taucht der Besucher in der Schusterwerkstatt ein. „Mit Holzmodellen hat man damals Schuhe in der passenden Größe produziert“, sagt Melf und zeigt eine von vielen hölzernen Fußleisten, die in einem Schrank gelagert werden. Dahinter stehen eine alte Schleifmaschine und eine Lederwalze.

Handwerkskunst: Eine Schusterwerkstatt ist im Heimatmuseum zu sehen.

Reise in die Vergangenheit

Nur wenige Meter weiter fühlt man sich um viele Jahrzehnte zurückversetzt: Ein Tante-Emma-Laden, der „Geigerladen“, wurde detailgetreu und liebevoll nachgebaut. Er besteht aus originalen Kaufmannswaagen, einer ebenso alten Kasse und historischen Verkaufsregalen voller Waren aus dem späten 20. Jahrhundert: Dalli-Waschmittel, Lux-Seifenflocken und Maggi-Produkte.

Die rund 100 Exponate in den Ausstellungsräumen sind nicht die einzigen Schätze, über die die Flößerstadt verfügt. „Unser Depot ist randvoll“, berichtet Melf. In den Besucherräumen sei nicht genügend Platz für die Sammlerstücke. Dieser Umstand sei den Wolfratshauser Bürgern zu verdanken. „Viele überlassen uns Antiquitäten, die sie zu Hause finden oder auf die sie zufällig stoßen.“ Museumsleiter Melf wiederholt: „Von den Bürgern für die Bürger.“

Öffnungszeiten

Das Wolfratshauser Heimatmuseum ist sonntags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen zwei, Schüler und Auszubildende einen Euro Eintritt.

Dominik Stallein

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