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Unglück: Ende Februar ging in den Ammergauer Alpen eine Gleitschneelawine ab. Zwei Menschen kamen ums Leben.

Wintersport

Auf was Skitourengeher jetzt achten müssen

  • vonPeter Borchers
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Für Skitouren ist jetzt die beste Zeit. Experte Norbert Gollasch von der Wolfratshauser DAV-Sektion gibt Tipps.gibt Tipps

Wolfratshausen – Pistenfahrer müssen sich langsam auf das Ende der Skisaison einstellen. Für Tourengeher aber kommt jetzt erst die beste Zeit: In den Hochlagen der Alpen liegt satt Schnee, die Temperaturen sind angenehm und – für Tourenfreunde wichtig – es wird früher hell. Das erlaubt einen frühen Aufbruch. Der natürliche Feind einer stabilen Schneedecke ist laut Norbert Gollasch nämlich die Frühjahrssonne. Der 41-Jährige ist Touren- und Ausbildungsreferent der Sektion Wolfratshausen im Deutschen Alpenverein (DAV), und Skitouren sind sein Steckenpferd.

Aktuell „haben wir die klassische Frühjahrssituation“, sagt der Degerndorfer. Nach meist klaren Nächten sei die Schneedecke morgens fest, „und solange ich einen dicken, tragfähigen Harschdeckel habe, passiert gar nichts“. In solchen Bereichen könne der Tourengeher – mit eingeklickten Harscheisen – gefahrlos aufsteigen. Für die gesamte Tour darf man aber nicht zu lange brauchen, denn mit der Sonneneinstrahlung „wird das Ganze wieder weich, und dann drohen Nassschneelawinen“. Der Tourengeher bricht also am besten früh auf und ist früh wieder unten im Tal. Ein Blick in den Lawinenlagebericht, der in Österreich und Bayern seit diesem Jahr bereits am Vorabend für den folgenden Tag ausgegeben wird, ist ebenfalls Pflicht. Das Studium von Karten fürs Zielgebiet sowie der Exposition und Neigung der dortigen Hänge – ab etwa 30 Grad kann es brenzlig werden – gehören überdies zu einer guten Tourenplanung.

Mit dem Gespür für Schnee: Norbert Gollasch ist Touren- und Ausbildungsreferent der DAV-Sektion Wolfratshausen.

Es klingt ein wenig paradox: Diese schneereiche Saison mit ihren zwei großen „Dumps“ war, was die Lawinengefahr betrifft, eher eine bessere. In Wintern, in denen es nicht so viel, dafür öfters schneit, „habe ich ganz viele dünne Schneeschichten, mit immer wieder labilen dazwischen“, erklärt Gollasch. Haut es hingegen auf einmal einen Meter und mehr runter wie heuer, werde es zunächst einmal „saugefährlich“, aber danach „habe ich eine stabile dicke Schicht, die die ganzen schlechten weiter unten abschirmt“.

Ein Restrisiko ist jedoch der ständige Begleiter eines Tourengehers – selbst bei scheinbar guten Verhältnissen. Auch die besten Lawinenexperten arbeiten am Berg mit unsicherem Wissen. Sie haben zwar bestimmte Werkzeuge zur Verfügung. Die beruhen jedoch auch auf Wahrscheinlichkeiten und können versagen. Im Ammergebirge nahe Neuschwanstein ging Ende Februar eine Gleitschneelawine ab und erfasste eine Gruppe von fünf Bergsportlern. Zwei konnten aus der Lawinenbahn herausfahren, drei wurden erfasst. Sie fanden zwei ihrer Kameraden – einen schwer verletzt, den anderen tot. Den dritten Verschütteten fand man tot erst Tage später. An dem Tag herrschte mäßige Lawinengefahr – Warnstufe zwei von fünf.

Einsteigern in den boomenden Sport empfiehlt Gollasch zunächst einen Skitouren-Grundkurs – wie ihn beispielsweise die Wolfratshauser Sektion des DAV ihren Mitgliedern jeden Januar anbietet. Dort lernen sie den Umgang mit Lawinensonde und -schaufel sowie dem Lawinenverschüttetengerät (LVS). Diese drei Ausrüstungsgegenstände gehören zwingend ins Gepäck eines Tourengehers. Zudem erfahren die Teilnehmer dort einiges über den Aufbau der Schneedecke. Sie machen einen Abstich und sehen an dessen Querschnitt, wie unterschiedlich die Schichten – glatt oder körnig – aufgebaut sind und wo die Störzonen liegen. Wichtig ist Gollasch in seinen Kursen, „dass die Leute ein Gespür für den Schnee bekommen“.

Anfängern, die sich noch nicht so gut auskennen und/oder ohne Partner unterwegs sind, rät Gollasch zu Touren am Rand von Pisten. Wenn er selbst allein trainiert, „gehe ich oft auf den Herzogstand. Da ist oft schon einmal präpariert worden, und es sind so viele unterwegs, dass die Schneedecke bereits zerstört ist.“ Das wirkliche Gusto-Stückerl hebt sich der 41-Jährige aber für den die letzte Aprilwoche auf: „Dann will ich auf den Mont Blanc gehen.“

peb

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