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Die Verlegung des Grünen Marktes in die Altstadt war laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) ein erster wichtiger Schritt zur Belebung der Innenstadt.

In der Jahresversammlung

BVW fordert: „Aufhören, unsere Stadt kaputt zu reden“

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Wolfratshausen - Der Appell des Wirtschaftsreferenten Helmut Forster lautet: „Wir müssen endlich aufhören, unsere wunderschöne Stadt kaputt zu reden.“

Einzelhändler klagen über ausbleibende Kunden, Immobilienmaklern fällt es nach eigenen Angaben sehr schwer, leere Geschäfte zu vermieten. „Das ist kein spezielles Wolfratshauser Problem“, betonte Forster am Donnerstagabend in der Jahresversammlung der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) im Wirtshaus Flößerei. Er sei ein „hoffnungsloser Optimist“ und felsenfest davon überzeugt, dass die Flößerstadt die Herausforderung meistern werde. Voraussetzung: „Wir müssen positiv denken.“ Stattdessen würde häufig schlechte Stimmung verbreitet. Dabei würden die nackten Zahlen ein anderes Bild zeigen: In puncto Finanzkraft pro Bürger sei Wolfratshausen „die absolute Nummer eins im Landkreis – und das seit vielen Jahren“. Zudem zähle die Stadt 639 000 Tagestouristen, das heiße potenzielle Einkaufskunden. Doch die Online-Anbieter seien für die lokalen Händler ein mächtiger Wettbewerber, räumte Forster ein. „Der Einzelhandel muss sich dazu durchringen, am Online-Handel teilzunehmen“, so der Rat des Wirtschaftsreferenten.

Bürgermeister Heilinglechner stieß ins selbe Horn: „Die Geschäfte müssen sich bewegen“, ihre Angebotspalette eventuell auf einer gemeinsamen Internetplattform präsentieren. Die Belebung des Marktes sei nach wie vor eines seiner Ziele, sagte der Rathauschef. Der Beginn, die Verlegung des Grünen Marktes vom Loisachhallen-Parkplatz in die Altstadt, sei „ein guter Start“ gewesen. Seither gebe es freitags „Leben im Markt – „Leben, das ich mir jeden Tag wünschen würde“, stellte Heilinglechner fest. Und: „Positivbeispiele werden leider nicht immer dargestellt.“

Mitverantwortlich sind die Immobilieneigentümer

Für das Dilemma mitverantwortlich ist in den Augen des Rathauschefs der eine oder andere Immobilieneigentümer. Die würden nur „ungern vom hohen Mietpreisniveau abrücken“. Die „Schmerzgrenze“ sei bei denen, die den Leerstand ihrer Gebäude in Kauf nehmen würden, anstatt den Mietpreis zu senken, „offenbar noch nicht erreicht“.

Die derzeitige Situation in der Innenstadt sei „zugegeben ein Problem“, sagte BVW-Vorsitzender Thomas Eichberger. Das Geschäftesterben habe jedoch weder die Stadt noch der Stadtrat verursacht, „sondern wir alle“, urteilte Eichberger. „Wenn wir alle häufiger in den Geschäften eingekauft hätten, dann wären sie nicht geschlossen worden.“ Weder Bürgermeister noch Stadtrat könnten jemanden dazu zwingen, in der Flößerstadt ein Geschäft zu betreiben, bemerkte der BVW-Chef in Richtung derer, die mit dem Finger aufs Rathaus zeigen. Eichbergers Lösungsvorschlag: Wolfratshausen müsse sich „besser vermarkten“.

Parkdeck "wieder auspacken"

Darüber hinaus müsse das im Kommunalwahlkampf 2014 propagierte Parkdeck „wieder ausgepackt werden“. Dieses Projekt sei im vergangenen Jahr aufgrund des Dauerbrenners Bürgerladen von der politischen Agenda verschwunden. „Wir brauchen Parkplätze“, pflichtete ihm Heilinglechner bei. Doch für den Rathauschef kommt dem ehemaligen Isar-Kaufhaus eine Schlüsselrolle zu. Sollte es gelingen, dort einen „Frequenzbringer“ zu installieren, müsse ein Stellplatzkonzept erarbeitet werden. Der Bau eines Parkdecks sei mit hohen Kosten verbunden, gab Forster zu bedenken. „Das Geld ist knapp“, berichtete der Wirtschaftsreferent. Derzeit würde es auch „viele andere wichtige Dinge“ geben, die die Kommune finanzieren müsse. Dazu zählen laut Heilinglechner zum Beispiel der weitere Umbau der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße, die unter anderem das neue Stadtarchiv beherbergen soll. Zudem müsse die Sanierung eines Teilbereiches der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Angriff genommen werden. Unausweichlich sei in diesem Zusammenhang (Stichwort Ganztagskonzept) auch der Bau einer Mensa.

cce

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