Marienplatz Wolfratshausen
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Der Marienplatz im September 2021: Im Zuge der Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt kommt der geplanten Neugestaltung dieses sogenannten Zentralbereichs eine besondere Bedeutung zu.

Erste Entwürfe zu sehen

Aufwertung der Altstadt: Was hätten die Wolfratshauser gerne?

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Die historische Wolfratshauser Altstadt soll aufgewertet werden. Jetzt können sich die Bürger zu den ersten Vorentwürfen äußern.

Wolfratshausen – Es ist eines der ambitioniertesten Vorhaben der Kommune in jüngster Vergangenheit, dessen Kosten bis dato noch nicht beziffert sind: Die Aufwertung der Altstadt zwischen der Musikschule im Norden und der Littig-Villa im Süden. Nachdem der Stadtrat die ersten Leitplanken setzte, haben die Bürger jetzt die Möglichkeit, sich zu den Vorentwürfen zu äußern.

Die Vorschläge des Münchner Büros Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) kamen wie berichtet beim Gros der Gremiumsmitglieder gut an. „Mehr Platz für Menschen und Grün, weniger Platz für Autos“, fasste der Sprecher der SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner, zusammen. Die im Vorfeld der Sitzung geäußerten Bedenken der Wolfratshauser Liste bezüglich der Anhebung der Marktstraße konnte Landschaftsarchitektin Andrea Gebhardt zerstreuen: Die an manchen Stellen bis zu 18 Zentimeter hohen Bordsteine zwischen Musikschule und Schwankl-Eck werden zwar auf zehn Zentimeter abgesenkt – aber eben nicht auf das Niveau der B11. Lediglich im Zentralbereich, dem Marienplatz, soll die Bordsteinkante nur drei Zentimeter höher als die Fahrbahn angelegt werden. Die Neugestaltung des Marienplatzes allerdings birgt reichlich Diskussionsstoff, denn die Option, den Marienbrunnen zu versetzen und in diesem Kontext die bestehenden Platanen zu fällen, löste bei der Liste Wor vehementen Widerspruch aus.

Frei nach Shakespeare: Wie es euch gefällt

Nun wollen die Verfahrensbeteiligten frei nach Shakespeare wissen, wie es euch gefällt: Wie kommen die Vorschläge bei denen an, um die sich laut Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) das Projekt genau genommen dreht – bei den Bürgerinnen und Bürgern. Zu diesem Zweck ist eine digitale Ausstellung vorbereitet worden, die über die Homepage der Stadt angesteuert werden kann. Bis zum 23. September besteht „auf der digitalen Beteiligungsplattform der Technischen Hochschule Deggendorf, ,PUBinPLAN‘, die Möglichkeit, den aktuellen Sachstand zur Vorentwurfsplanung der Marktstraße einzusehen und zu kommentieren“, erläutert Stadtmanager Dr. Stefan Werner. Die digitale Ausstellung mündet in eine öffentliche Bürgerinformation in der Loisachhalle am 5. Oktober von 17 bis 21 Uhr. Danach, so Bürgermeister Heilinglechner, sollen im Stadtrat weitere Entscheidungen fallen.

Marienplatz/Variante 1: Bei diesem Vorschlag wird hinter den bestehenden Bäumen der Platz eben gestaltet. Die breiten Stufen werden durch eine kurze Stufenanlage und zur südlichen Seite hin durch eine Sitzstufe ersetzt – und fassen so den Platz ein. Der ebene Platz bietet laut den Planern des Münchner Büros Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) viel Raum und Möglichkeiten für Veranstaltungen.

Breiten Raum nimmt bei der Präsentation der Vorentwürfe die Neugestaltung des Marienplatzes ein. Drei Varianten haben Stadt- und Verkehrsplaner erarbeitet. Alle, das hatte Architektin Gebhard in der Stadtratssitzung betont, sind mit dem Staatlichen Bauamt abgesprochen. Während bei Variante eins der Marienbrunnen sowie die Platanen unangetastet bleiben, ist Vorschlag drei die radikalste Variante: Die Platanen werden gefällt und durch neue Bäume auf der Südseite (Humplbräu) ersetzt, der Brunnen wird in nord-östliche Richtung verschoben. Das, so die Planer, lässt im Herzen der Altstadt einen „großen Raum mit viel Platz für Veranstaltungen und Möglichkeiten zur kreativen Nutzung“ entstehen. Nicht mehr vorgesehen ist bei allen drei Varianten ein Zebrastreifen – ein Gedanke, an den sich unter anderem Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) sowie CSU-Fraktionschef Peter Plößl noch nicht gewöhnen wollen. Und: Dass alle rund 20 Pkw-Stellflächen aus der Marktstraße verbannt werden sollen – vorgesehen sind nur Behindertenparkplätze und Flächen für den Lieferverkehr – kommt für den Sprecher der Liste Wor, Helmut Forster, nicht in Frage.

Prozess zur Aufwertung der Altstadt begann im Herbst 2018

Im Beteiligungsverfahren, das im November 2018 begann, erfahren die Bürger jetzt auch, was sich von den bisherigen Vorschlägen nicht umsetzen lassen wird. Im Bereich Untermarkt (nördlich der Bahnhofstraße) lehnen Verkehrsbehörden sowie Denkmalamt die Anpflanzung von Bäumen ab. Und: „Für eine Querungshilfe am Kreuzungsbereich Bahnhofstraße ist nach intensiver Prüfung mehrerer Varianten aus Sicht der Straßenverkehrsbehörden einzig der Standort auf Höhe der Außenanlagen Untermarkt 10 realisierbar.“

Marienplatz/Variante 2: Der Marienbrunnen wird in Richtung Osten (in Richtung Marktstraße) versetzt, die großen Platanen bleiben wie im Bestand. Durch das Versetzen des Brunnens, so das Büro Mahl-Gebhard-Konzepte, wird einerseits eine Öffnung zum Marienplatz geschaffen. Andererseits wird er so positioniert, dass er als Entree und Drehpunkt fungieren kann, da er den Marktplatz zur einen Seite, die Verbindung zum Rathaushof zur anderen Seite fasst.

Apropos Querungshilfen: Gegen die Stimmen der drei Liste-Wor-Vertreter sprach sich der Stadtrat für eine Querung auf Höhe der städtischen Musikschule aus, mit 19:3 votierte der Rat für eine Querungshilfe an der Bahnhofstraße auf Höhe des Museums am Untermarkt 10. Zudem soll eine neue Querungshilfe am Paradiesweg (AWO-Demenz--Zentrum) angelegt werden. Mit dem Nein der Verkehrsbehörden zu einem Fußgängerüberweg im Bereich Johannisgasse wollen sich viele Räte nicht zufriedengeben. Das Mindeste, was Dr. Manfred Fleischer (Liste Wor) an der Stelle sehen möchte, ist ein Zebrastreifen.

Sollen Radfahrer entgegen der Einbahnstraßenrichtung fahren dürfen?

Abgelehnt hat das Staatliche Bauamt darüber hinaus einen (überfahrbaren) Kreisel am Schwankl-Eck sowie eine Querungshilfe für Fußgänger an dieser Stelle. Auch dem Vorschlag, dass Radfahrer entgegen der Einbahnstraßenrichtung durch die Altstadt rollen können, erteilte die Behörde eine kategorische Absage. Eine rote Karte gab’s von den Verkehrsbehörden für die Anregung, die Einbahnstraße in Richtung Süden bis zur Beuerberger Straße/Am Bach fortzuführen.

Ursprünglich nicht zu der Mammutaufgabe zählte die Umgestaltung des Vorplatzes der Littig-Villa. Der Stadtrat stimmte allerdings dem Wunsch des Münchner Büros mgk nach „planerischer Einbeziehung“ zu. Das heißt: Der Platz soll „geöffnet“ werden und künftig den Beginn der neu gestalteten Altstadt markieren.

Marienplatz/Variante 3: Dieser Vorschlag sieht die komplette Öffnung des Marienplatzes durch das Versetzen des Brunnens und eine „Neuordnung der Bäume“ vor. In den Augen der Planer entstehen so ein großer Raum mit viel Platz für Veranstaltungen „und Möglichkeiten zur kreativen Nutzung“. Entlang der Südseite des Marienplatzes werden neue Bäume gepflanzt, die bestehenden Platanen gefällt.

Bürgermeister Heilinglechner hat bereits mehrfach betont, dass es sich bei den Vorschlägen von mgk nur um Vorentwürfe handelt. In Stein gemeißelt sei noch nichts. In der ersten Runde des Beteiligungsverfahrens zwischen November 2018 und April 2019 brachten sich laut Stadtmanager Werner über 600 Bürgerinnen und Bürger „mit etwa 300 Ideen und Kommentaren“ ein. Über die technischen Aspekte des Projekts (Straßenführung, Gehsteige, Querungen et cetera) entschied der Stadtrat Mitte Juli mit jeweils großer Mehrheit. Werner: „Offen bleibt die Gestaltung der Räume, insbesondere des Marienplatzes.“

Stadtrat soll noch heuer weitere Entscheidungen treffen

Bis 23. September besteht die Möglichkeit, den Sachstand zur Vorentwurfsplanung der Marktstraße einzusehen und zu kommentieren. „Lesen können Sie ohne Registrierung, wenn Sie einen eigenen Kommentar verfassen möchten, müssen Sie sich zuerst als Nutzer registrieren und den Datenschutzbestimmungen zustimmen“, erklärt der Stadtmanager das Prozedere. Auf der Homepage der Kommune findet sich auch ein Leitfaden zur Nutzung der Plattform. Nach der öffentlichen Info-Veranstaltung in der Loisachhalle am 5. Oktober „wird die Vorentwurfsplanung finalisiert und im Stadtrat diskutiert“. (cce)

Zugang zur digitalen Ausstellung über www.wolfratshausen.de/beteiligung

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