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Aus der virtuellen Welt auf die reale Bühne: Youtube-Star Harry G. tourt durchs Land und füllt die Säle. Auch die Loisachhalle in Wolfratshausen war ausverkauft. 

Neue Show „#Harry die Ehre“

Lieber nicht! Dieser Abend ist der Beweis, dass man bei Harry G die erste Reihe meiden sollte

Harry G hat am Sonntagabend in der Loisachhalle gegrantelt. Ob der Abend für den Zuschauer vergnüglich wirkt, hängt allerdings stark von der eigenen Verhaltensweise ab.

Wolfratshausen – So viel junges Publikum tummelt sich sonst nur bei Abi-Bällen in der Loisachhalle. Kult-Star Harry G, bürgerlich Markus Stoll, füllte am Sonntagabend den Saal. Der Kabarettist lockte vor allem die Generation zwischen 18 und 40 Jahren. Sie kennt den sympathischen Grantler (39) aus München durch seine Videoclips, die er regelmäßig in den sozialen Medien postet, und folgt ihm nun auf die Bühne.

Klar, dass die digitalen Errungenschaften breiten Raum in Harry G’s neuer Show „#Harry die Ehre“ einnehmen. Wer mit Smartphone und Facebook wenig am Hut hat oder – schlimmer noch – nicht richtig damit umgehen kann, kriegt ordentlich eins auf den Deckel. Herrlich, wie Harry G die eigene Mama als Paradebeispiel dafür anführt, dass Ältere das Wischprinzip beim Abnehmen des Hörers einfach nicht kapieren. Die Technik spielt die entsprechenden Geräusche dazu ein, und das Publikum brüllt vor Lachen.

Zugute halten muss man dem gebürtigen Regensburger bei all seiner Gemeinheit, dass er gleichmäßig austeilt. Alte wie Junge, Frauen wie Männer, Bayern wie Preißn, Normalbürger wie Promis (aktueller Liebling: „Gschwoischädl“ Alfons Schuhbeck) zählen zu den Opfern. Dabei wird das Vokabular zwar durchaus öfter derb (Auswahltipp auf der Dating-Plattform Tinder: „Männer, die diese Frau gevögelt haben, haben auch diese Frau gevögelt“), die Witze gehen aber nie unter die Gürtellinie. Wer von dummen Sprüchen verschont bleiben möchte, sollte lieber nicht zu spät kommen („Was is mit eich zwoa Grattler – habt’s ihr koa Uhr net?“), in der ersten Reihe sitzen oder bei Fragen gar freiwillig die Hand heben. Trägt man dann noch den an sich schönen dänischen Vornamen Bent, ist man natürlich ein gefundenes Fressen. Apropos: Wer Veganer ist, sollte das in Harry G’s Show tunlichst verschweigen.

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Mit scharfer Beobachtungsgabe seziert der Münchner die Eigenheiten seines Umfelds. Als er das erste Mal an einer „White Party“ in seiner Heimatstadt vorbeigekommen sei, habe er die Zusammenkunft für ein Zahnärzte-Symposium gehalten, erzählt er. Sich mit Pärchen zum Brunch zu treffen, ist ihm ein Gräuel („In Bayern geht ma zum Frühschoppen“), mit Smoothies und Pseudo-Ernährungsphrasen wie der von den „bösen Kohlenhydraten“ kannst ihn jagen. Ein Wiedersehen gibt’s mit Harrys Kettenraucher-Spezl Alfons – oder besser gesagt: ein Wiederhören mit dessen knarziger Reibeisenstimme, die der Komiker nebst verschiedenen Dialekten einsetzt. Trotz Ausflügen in den Norden und Osten der Republik sowie nach Dunkelbayern (Franken) kommt das „Mia san mia“ nicht zu kurz. Dadurch wurden Harry Gs witzige Videoansprachen schließlich zum Hit im Netz. Rund 50 000 Menschen haben seinen Youtube-Kanal abonniert.

Zur bayerischen Landeshauptstadt pflegt der Kabarettist bekanntlich ein ambivalentes Verhältnis, hin- und hergerissen zwischen Stolz und Stirnrunzeln. Doch über Wolfratshausen kann er nicht meckern. An der Loisach sei das Radlfahren wenigstens noch nicht „Krieg“ wie an der Isar in München, sagt er. Es gebe noch „griabige Leit“, was Harry G am Publikum festmacht, das ihm seine Seitenhiebe in keiner Weise übel nimmt, sondern – im Gegenteil – nach einer Zugabe äußerst vergnügt die Halle verlässt.

Tanja Lühr

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