Landrat Niedermaier
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Josef Niedermaier: Der Landrat und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kreisklinik Wolfratshausen gGmbH hat reichlich Wut im Bauch.

Landrat Niedermaier reagiert auf Ferndiagnose

Aussagen zur Wolfratshauser Kreisklinik sind „destruktiv“, „unseriös“ und „unerhört“

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Mit scharfen Worten weist Landrat Josef Niedermaier die Kritik von Thomas Lippmann zurück. Der Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH hatte kein gutes Haar an der Kreisklinik Wolfratshausen gelassen.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Weilheim-Schongau – Die Reaktion von Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) folgt auf dem Fuße. Die Aussagen des Geschäftsführers der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, Thomas Lippmann, zur Situation der Kreisklinik Wolfratshausen bezeichnet Niedermaier in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung als „unerhört und unredlich“.

Lippmann („Es hat uns bisher noch niemand gefragt“) hatte die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH wie berichtet auf Nachfrage unserer Zeitung als potenziellen strategischen Partner für die Kreisklinik Wolfratshausen ins Spiel gebracht. Kurioserweise übte er im gleichen Atemzug heftige Kritik an der Einrichtung am Moosbauerweg: „Aufgrund der mangelhaften finanziellen Ausstattung haben wir in Wolfratshausen eine Klinik ohne Konturen, die keine medizinischen Highlights und keine Alleinstellungsmerkmale anzubieten hat“, so seine Ferndiagnose. Verantwortlich für diese Misere sei der Träger des Hauses, der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, der es in der Vergangenheit versäumt habe, „kräftig zu investieren“, um das Wolfratshauser Krankenhaus zukunftsfähig zu machen.

Die Ferndiagnose, zu der sich Herr Lippmann berufen fühlt, ist unerhört und unredlich. Diese Aussagen kommen von jemandem aus der kommunalen Familie, der mit fragwürdigen Methoden versucht, Personal aus umliegenden Kliniken abzuwerben und dabei nach unseren Erfahrungen kaum eine Hemmschwelle kennt.“

Landrat Josef Niedermaier

Man kann sich die Gemütslage Niedermaiers sehr gut vorstellen, wenn man die ersten Zeilen seiner Pressemitteilung liest: „„Was soll das? Was der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH des Nachbarlandkreises im Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur von sich gibt, ärgert mich nicht nur maßlos, sondern ist auch absolut unseriös und unkollegial!“ Er, Niedermaier, könne und wolle die Aussagen Lippmanns „so nicht stehen lassen“. Das, was vom Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH in der Heimatzeitung zu lesen war, sei nicht nur „destruktiv“, sondern: „Die Äußerungen Lippmanns entbehren auch jeder Grundlage.“

Wolfratshausen bleibt „ohne Wenn und Aber Klinikstandort“

Niedermaier legt Wert auf die Feststellung: „Die im Artikel aufgestellte Behauptung, der Landkreis stelle unter dem Motto ,Künftige Gesundheitsversorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen‘ unter anderem die Zukunft der Kreisklinik in Frage, ist nicht richtig.“ Der Landrat, in Personalunion Vorsitzender des Klinik-Aufsichtsrats, betont: „Ich will, dass die Kreisklinik in Wolfratshausen a) eine Zukunft hat und b) wir diese Zukunft auch gestalten. Dies war und ist die Zielsetzung des in Gang gesetzten Prozesses.“ Er beteuert, dass Wolfratshausen „ohne Wenn und Aber Klinikstandort bleibt“ – auch wenn dies „fälschlicherweise immer wieder in Frage gestellt wird“.

Die Ferndiagnose, zu der sich Krankenhaus-Geschäftsführer Lippmann „berufen“ gefühlt habe, „ist unerhört und unredlich“. Diese Aussagen „kommen von jemandem aus der kommunalen Familie, der mit fragwürdigen Methoden versucht, Personal aus umliegenden Kliniken abzuwerben und dabei nach unseren Erfahrungen kaum eine Hemmschwelle kennt“, empört sich Niedermaier. Er habe Fotos „von den Flyern, die vor den klinischen Einrichtungen im Landkreis verteilt wurden“, die seine Behauptung belegen würden. Niedermaier: „Soll so etwas eine Basis für Kooperationen unter Kommunen sein?“

Für Landrat Niedermaier ist eine Grenze überschritten

Für Niedermaier ist das Fass nach eigenen Worten voll: „Mit diesen Äußerungen überschreitet Lippmann jetzt eine Grenze, die ich nicht dulden werde.“ Er werde seine Amtskollegin in Weilheim-Schongau, Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU), „nachdrücklich auffordern, dass sie ihren Geschäftsführer in die Schranken weist.“

Der Beginn einer von Lippmann angedachten wunderbaren Freundschaft zwischen seiner Krankenhaus GmbH und dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zeichnet sich nach diesem heftigen Disput nicht ab. Eine Kooperation mit einem Geschäftsführer, „der in seinem Geschäftsbetrieb auf einen jährlichen Zuschuss zwischen 7,5 und zehn Millionen Euro aus Landkreismitteln angewiesen ist“, kann sich Josef Niedermaier nach eigenem Bekunden „jedenfalls nur schwer vorstellen“. Er gibt zu bedenken: „Solche Summen im Kreishaushalt nähmen unserem Landkreis jegliche Handlungsfähigkeit zum Beispiel in anderen wichtigen sozialen Bereichen.“

Was sagt die Landrätin von Weilheim-Schongau zu dem Disput?

Landrätin Andrea Jochner-Weiß wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht direkt zu den harschen Worten ihres Amtskollegen im Tölzer Landratsamt äußern: „Wir sind alle für unsere eigenen Häuser verantwortlich. Ich kann sagen, dass wir bei unseren Krankenhäusern mit Qualität und Service punkten.“ Ansonsten mische sie sich in die Debatte, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geführt wird, nicht ein. „Wir haben lediglich gesagt, dass wir uns das anhören, wenn jemand mit einem Angebot bei uns vorstellig wird – nicht mehr und nicht weniger.“ Daran habe sich auch nichts geändert. Jochner-Weiß: „Wir können miteinander reden.“ (cce)

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