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Familienfreundlichkeit im Visier: Wolfratshausen diskutiert über höhere Betreuungsgebühren.

Ausschuss diskutiert über höhere Gebühren

Kita-Plätze könnten teurer werden

Der Kulturausschuss debattierte über eine Erhöhung der Gebühren für die städtische Kindertagesstätte. Ob die „moderat“ oder „saftig“ ist, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Das letzte Wort hat am Dienstag der Stadtrat.

Wolfratshausen – Die Beiträge für Kinderkrippe und -garten könnten steigen. Das ergab sich bei einem Gespräch aller Kita-Träger Wolfratshausens. Verwaltungsmitarbeiter Martin Melf legte dem Stadtrat eine geänderte Satzung vor. Er bezeichnete die angedachte Erhöhung als „moderat“.

Grünen-Sprecherin Anette Heinloth sah das komplett anders. „Wir haben vor weniger als zwei Jahren die Gebühren bereits erhöht. Das ist saftig.“ Als sie die Wolfratshauser Kita-Kosten mit anderen Städten verglich, fand sie heraus, dass die Loisachstadt bei den Gebühren vorne liegt: „Ich habe keine andere Stadt gefunden, in der die Betreuung so teuer ist wie bei uns.“ Mit der oft geforderten Familienfreundlichkeit sieht sie diese Erhöhung nicht vereinbar. „Wir müssen uns schon fragen, ob wir die Familienfreundlichkeit ausbauen wollen oder nicht.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner widersprach seiner Ratskollegin: „Ich warne davor, unsere Kita mit denen in München zu vergleichen.“ Vorwürfe, man würde die Familienfreundlichkeit aus dem Fokus verlieren, bezeichnete Heilinglechner als „unangebracht“. Die Erhöhung sei sinnvoll, schließlich müsse man das städtische Angebot auch irgendwie finanzieren können. Martin Melf fügte an: „Das Defizit der Einrichtung ist gestiegen, und wir orientieren uns an anderen Trägern in Wolfratshausen.“ Wenn man Geld sparen wolle, müsste die Stadt womöglich Hand an den Betreuungsschlüssel legen. Momentan kommen weniger als zehn Kinder auf eine Betreuerin. „Ich halte die Qualität der Betreuung für entscheidend“, konstatierte Melf. Dafür machte sich auch Fritz Meixner (SPD) stark: „Man muss abwägen. Bei einem Blick auf unseren Haushalt und weil mir die Qualität der Einrichtung wichtig ist, stimme ich zähneknirschend und mit Bauchgrummeln zu.“

Ein Vorschlag Heinloths stieß auf mehr Gegenliebe. Sie plädierte dafür, die Ermäßigung für Geschwisterkinder zu erhöhen. Derzeit sparen Eltern, die zwei Kinder in der städtischen Einrichtung haben, 33 Prozent der Kosten für das zweite Kind. Heinloth forderte 50 Prozent. Renate Tilke (CSU) bat Melf, „einmal durchzurechnen“, ob dieses Vorhaben realisierbar wäre. Auch weitere Kinder aus demselben Elternhaus sollen diese Vergünstigungen erhalten.

Außerdem regte Grünen-Sprecherin Heinloth an, die Nutzungsgebühr an das Einkommen der Eltern anzupassen. „Die, die sich mehr leisten können, könnten auch mehr bezahlen“, erklärte sie ihren Vorschlag. Diese Überlegung begrüßte auch die SPD-Fraktion. Allerdings, gab Rathauschef Heilinglechner zu bedenken, sei eine Prüfung der finanziellen Verhältnisse sehr aufwändig.

Eine Entscheidung traf das Gremium nicht. Das letzte Wort hat der Stadtrat am Dienstagabend. Bis dahin, so forderte es das Gremium, solle Melf die neue Geschwisterregelung in die Satzung einarbeiten.

Die Kosten im Überblick

Diesen Vorschlag legte Verwaltungsmitarbeiter Martin Melf dem Stadtrat vor. Ob die Erhöhung für Krippen- und Kindergartennutzung in Kraft tritt, entscheidet der Stadtrat. -Kinderkrippe: Monatsgebühr bei bis zu 20 Wochenstunden: 245 Euro (Bislang: 232 Euro); 20-25 Stunden: 275 Euro (263); 25-30 Stunden: 320 Euro (304); 30-35 Stunden: 345 Euro (330); 35-40 Stunden: 365 Euro (350); 40-45 Stunden: 390 Euro (371); über 45 Stunden: 410 Euro (391). -Kindergarten: Monatsgebühr bei 20 bis 25 Wochenstunden: 95 Euro (bislang 90 Euro); 25-30 Stunden: 105 Euro (100); 30-35 Stunden: 115 Euro (108); 35-40 Stunden: 125 Euro (118); 40-45 Stunden: 135 Euro (127); über 45 Stunden: 145 Euro (137). Darüber hinaus wird monatlich ein Spielgeld in Höhe von zehn Euro sowie ein Teegeld in Höhe von drei (bislang: 1,60) Euro erhoben.

dst

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