Großbrand in Oberau: Anwohner sollen Fenster und Türen schließen

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Mobil bis ins hohe Alter: Das wollen viele Menschen sein. Ob man sich noch ans Steuer setzt, ist in erster Linie die eigene Entscheidung. Regelmäßige Fahrtests für ältere Autofahrer gibt es bislang nicht.

Interview mit Verkehrsexperte Georg Fischhaber

Autofahren im Alter? Für Senioren ein emotionales Thema

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Das Landratsamt führt im Jahr etwa 80 Fahreignungs-Überprüfungen durch. Etwa ein Drittel der Senioren muss danach den Führerschein abgeben. Ein emotionaler Vorgang in der Behörde.

Bad Tölz-Wolfratshausen Ein 85 Jahre alter Porsche-Fahrer aus Essen quert auf der Bichler Umgehungsstraße verbotswidrig die Bundesstraße. Es kommt zum Zusammenstoß mit einem Opel. Die Bilanz: zwei Verletzte und 55.000 Euro Schaden. Nach spektakulären Unfällen wie diesen wird immer wieder eine verpflichtende Fahreignungsprüfung für ältere Autofahrer gefordert. Was ist davon zu halten? Redakteur Patrick Staar sprach darüber mit Georg Fischhaber, Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt.

Herr Fischhaber, was halten Sie davon, ältere Autofahrer zu testen?

Georg Fischhaber: Dagegen spricht die Tatsache, dass das Lebensalter nicht automatisch ein Fahreignungs-Parameter ist. Wo setze ich die Altersgrenze? Ab wann bin ich alt? Es gibt Leute, die sind schon mit 60 Jahren schlecht beinand. Und es gibt Menschen mit 80 Jahren, die man jederzeit noch fahren lassen kann. Die Individualität des Menschen, die unterschiedlichen Fähigkeiten machen es schwer, Knall auf Fall regelmäßige Überprüfungen einzuführen. Gleichwohl ist es die Verpflichtung eines jeden Einzelnen, sich nur dann ans Steuer zu setzen, wenn er sich leistungsfähig fühlt. Unabhängig von dieser Einschätzung ist die aktuelle Rechtslage klar: Es gibt keine regelmäßigen, altersabhängigen Fahreignungs-Überprüfungen. Hinzuweisen wäre in diesem Zusammenhang darauf, dass für Inhaber der Lkw und Bus- Erlaubnisse ab dem 50. Lebensjahr – alle fünf Jahre – regelmäßige Gesundheitschecks vorgeschrieben sind.

Rentner werden bei Auffälligkeiten überprüft

Wann gibt es momentan Fahrtauglichkeits-Untersuchungen?

Georg Fischhaber: Aktuell ist es so, dass man bei Auffälligkeiten überprüft. Wenn eine körperliche Beeinträchtigung festgestellt wird, dann teilt uns das die Polizei mit. In diesem Fall haben wir den Auftrag, die Fahreignung zu überprüfen. Das passiert durch ärztliche Gutachten, durch Fahrtests etcetera.

Wie oft kommt es zu einem Fahreignungs-Test?

Georg Fischhaber: Wir haben pro Jahr etwa 80 Fahreignungs-Überprüfungen älterer Menschen, die anlassbezogen erfolgen.

Und wie gehen diese Tests normalerweise aus?

Georg Fischhaber: Etwa ein Drittel der Fahrtests führt zur Führerschein-Rückgabe beziehungsweise zum Führerschein-Entzug oder zur Festsetzung von Auflagen und Beschränkungen.

„Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Menschen ab.“

Was sind das für Auflagen?

Georg Fischhaber: Ein Nachtfahrverbot zum Beispiel. Manchmal gibt es auch eine Beschränkung, wie weit jemand fahren darf. Aber das kommt sehr, sehr selten vor. Im Normalfall merkt man sehr schnell, ob man es noch verantworten kann oder ob es gar nicht mehr geht. Grundsätzlich ist es so: Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Menschen ab. Das stellt alle Leute, aber auch uns als Sicherheitsbehörde vor schwierige Aufgaben.

Wie sieht es mit der Einsicht der Senioren aus? Gestehen sie sich ein, dass sie nicht mehr fahrtauglich sind?

Georg Fischhaber: Das ist nicht so einfach. Ich würde den Leuten zugute halten, dass sie meist eine sehr lange Autofahrer-Karriere hinter sich haben und deshalb überzeugt sind, dass sie noch gut Autofahren können. Es kommt sehr selten vor, dass Leute ihre Fahrerlaubnis freiwillig zurückgeben.

Wie gehen Sie damit um, wenn sie Autofahrern mitteilen müssen, dass Sie nicht mehr fahrtauglich sind?

Georg Fischhaber: Das ist auch für uns nicht so ganz einfach. Es gibt eine schönere Aufgabe, als verdienten Kraftfahrern sagen zu müssen, dass sie jetzt nicht mehr Autofahren dürfen. Da ist es schwer, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber klar ist: Wenn sich die Befundlage entsprechend darstellt, haben wir gar keine andere Möglichkeit.

Da fließen Tränen im Landratsamt

Wie reagieren die Menschen, wenn sie erfahren, dass sie nicht mehr fahrgeeignet sind?

Georg Fischhaber: Betroffen. Das sind sehr schwierige Gespräche bei uns im Haus.

Fließen Tränen?

Georg Fischhaber: Ja. Das ist für meine Mitarbeiter auch nicht so ganz einfach, weil immer eine persönliche Note dabei ist.

Was sagen Sie den Leuten dann?

Georg Fischhaber: Man sollte sich eine lange Karriere nicht dadurch vermiesen, dass man ein Unfall-Risiko darstellt.

Werden die Mitarbeiter für solche Gespräche geschult?

Georg Fischhaber: Ja. Dieses Thema ist zu schwierig und bedeutsam, um es ohne Schulung anzugehen. Wir bereiten uns so gut wie möglich darauf vor.

Wie sieht solch eine Vorbereitung aus?

Georg Fischhaber: Jeder Fall ist ein Einzelfall, und entsprechend muss man ihn behandeln. Man sagt nicht irgendwelche Allgemeinplätze dazu, es gilt, den konkreten Fall zu klären. Es wird verdeutlicht, dass das nicht Landkreis-Recht ist, sondern dass es andere Grundlagen gibt.

Polizei kann Führerschein bei Widerstand einziehen

Was passiert, wenn es Ihnen nicht gelingt, Überzeugungsarbeit zu leisten?

Georg Fischhaber: Dann geschieht es per förmlicher Verfügung samt eines Führerscheinentzug-Bescheids. Und dann muss man es von Amts wegen zwangsweise machen. Notfalls wird die Polizei mit der Einziehung des Führerscheins beauftragt.

Wie oft kommt so etwas vor?

Georg Fischhaber: Es wäre übertrieben, wenn man sagt regelmäßig. Oftmals beauftragen die Leute einen Rechtsvertreter mit der Wahrung ihrer Interessen – was auch völlig korrekt ist. Aber es gibt auch Leute, die sagen: „Ich mache einen Schlussstrich unter meine Karriere, ich bin ohne große Unfälle durchs Leben gekommen - alles gut.“ Das ist auch höchst respektabel.

Verlust an Ehre und Persönlichkeit

Vor was haben die alten Menschen vor allem Angst?

Georg Fischhaber: Es sind die Ängste, die die jungen Menschen genauso haben. Es geht um den Mobilitätsverlust. Wie komme ich von A nach B? Wie komme ich zum Einkaufen? Wie kann ich meine täglichen Geschäfte erledigen? Gerade ältere Menschen meinen, dass es ein Verlust an Ehre und ein Persönlichkeitsverlust ist. Sie schämen sich teilweise. Das ist gar nicht notwendig. Wir kommen hoffentlich auch in das Alter, in wir vielleicht feststellen müssen: Es wird schwierig. Allerdings sind viele ältere Menschen in der Lage, sich anzupassen. Sie sagen: „Ich fühle mich in der Nacht nicht mehr wohl, ich fahre nicht mehr. Ich fahre auch keine langen Strecken mehr. Ich fahre nur noch zum Einkaufen.“

Was halten Sie vom Vorschlag, dass Senioren regelmäßig Fahrtests absolvieren müssen?

Georg Fischhaber: Das ist ein Thema, das uns schon seit x-Jahren beschäftigt. Man sollte darüber sehr, sehr sorgfältig nachdenken. Ich halte einen Rundumschlag für nicht zielführend. Von 90 Prozent der Betroffenen verlange ich etwas ohne besonderen Grund.

Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen dazu?

Georg Fischhaber: Obwohl in einigen EU-Ländern, zum Beispiel Italien, Schweiz, Tschechien und Belgien. regelmäßige Führerschein-Tests obligatorisch sind, liegen keine eindeutigen Belege dafür vor, dass diese einen positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit haben.

Warnsignale für Angehörige

Die Deutsche Seniorenliga hat für Angehörige von älteren Autofahrern eine Liste von Warnsignalen erarbeitet, die auf eine mögliche Verschlechterung der Fahreignung hinweisen können:

  • Ist selbst in vertrauter Umgebung unsicher
  • Passt sich dem Verkehrsfluss nicht an, fährt auffallend langsam und unsicher oder zu schnell und zu dicht auf
  • Fährt nicht vorausschauend und scheint andere Verkehrsteilnehmer und den Gegenverkehr nicht wahrzunehmen
  • Benötigt lange, um Schilder, Ampeln und allgemeine Vorfahrtsregeln zu erfassen
  • Hat koordinative und motorische Probleme beim Abbiegen, Wenden und Parken
  • Hält die Spur nicht zuverlässig, ignoriert beim Abbiegen oder Überholen die Kontrolle des toten Winkels, hat Schwierigkeiten mit dem Schulterblick
  • Bemerkt kritische Situationen zu spät, ist in komplexen Situationen bisweilen überfordert
  • Steht häufig auf der Bremse, Auto und Garage haben vermehrt Kratzer und Schrammen

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