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Der Mann mit der Ziehharmonika: Anton Würmseer hat als Alleinunterhalter seine Berufung gefunden. 

AWO-Demenzzentrum

Senior spielt für Senioren: Anton Würmseer (80) im Porträt

Obwohl er schon schwere Rückschläge verkraften musste, lässt sich Anton Würmseer aus Wolfratshausen seine gute Stimmung nicht nehmen. Im AWO-Demenzzentrum spielt er mit seiner Ziehharmonika für die Bewohner auf.

Wolfratshausen – „Oh wie ist das schön“, schallt es durch den hellen Speisesaal im Demenzzentrum der AWO. Am lautesten hört man eine Stimme heraus: Anton Würmseer, der das Lied auf seiner Ziehharmonika spielt. Er selbst lebt im Seniorenzentrum nebenan. Einmal wöchentlich tritt der 80-Jährige für die Bewohner auf und verbreitet gute Stimmung. Die lässt er sich auch privat nicht nehmen, obwohl er selbst schon schwere Rückschläge zu verkraften hatte.

Ein bisschen Spaß muss sein

Seit fast 13 Jahren lebt der Pensionär am Paradiesweg. Seitdem spielt er auf seinem Akkordeon Volksmusik im Demenzzentrum im Nachbargebäude. „Das macht mir Spaß, weil ich sehe, dass es den Menschen Spaß macht.“ Wenn er gerade nicht musiziert, erzählt Würmseer bei seinen Auftritten Witze, Anekdoten, manchmal Zoten. Wenn er mit letzteren mal über die Strenge schlägt, zuckt er die Schultern, schiebt sich mit dem Zeigefinger seine Brille ein Stück höher auf die Nase und sagt: „Ein bisschen Spaß muss schon sein. Es ist doch eh schon so vieles traurig in dieser Welt.“ Dann fängt er an: Die Kirche verbietet den Menschen zu viel, die Politik ist ihm ein Rätsel und das Wahlverhalten mancher Menschen sowieso. „Ich weiß, dass ich manchmal Blödsinn rede. Aber man muss manchmal einfach lachen, um das auszuhalten.“

14 Berufe und zwei Herzinfarkte

Bevor Würmseer 2004 seine neue Heimat am Paradiesweg bezog, durchlebte er ein Leben voller Wandel. 14 Berufe hat der 80-Jährige in seiner Karriere ausgeübt. Landwirt, Fernfahrer, Schneeräumer, Hausdiener eines Arztes: In keinem Beruf hielt es den Mann mit dem dünnen Schnauzbart lange. Erst als Wachtmeister beim Amtsgericht fand der lebenslustige Senior eine langfristige Stelle. „25 Jahre habe ich dort gearbeitet“, erzählt er. Dann war Würmseer 55 – und erlitt zum zweiten Mal einen Herzinfarkt. Er erhielt einen Behindertenausweis und eine kleine Pension.

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“

Richtig glücklich war er selten. Das hat sich inzwischen geändert, obwohl ihm vor zehn Jahren eine schwere Zuckererkrankung diagnostiziert wurde. „Ich habe mein Haus in Geretsried an meine Töchter übergeben. Seitdem bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Ich muss mich um nichts mehr kümmern. Ich mache das, worauf ich Lust habe.“ Dazu zählt sein wöchentlicher Auftritt im AWO-Demenzzentrum. Wer ihn musizieren sieht, erkennt sofort, wie viel Spaß ihm das bereitet. Würmseer strahlt über beide Ohren, wenn die Bewohner mitklatschen, singen oder aufstehen und zu seinen Volksliedern tanzen.

Bei einem seiner jüngsten Auftritte kam der ehrenamtliche Alleinunterhalter zu spät. „Herr Würmseer, es fragen schon alle, wann es endlich Musik gibt“, sagte eine Pflegerin, die den Musiker auf dem Gang traf. Der 80-Jährige lächelte schelmisch, fast so als wollte er sagen: „Sehen Sie, es macht den Leuten Spaß.“ Dann nahm er seine Ziehharmonika in die Hand und spielte. So wie jede Woche.

Von Dominik Stallein

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