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Das Maximilianeum: Hier tagen die 205 Abgeordneten des Bayerischen Landtags.

Stimmkreis vierfach im Maximilianeum vertreten

Bachhuber, Streibl und Urban im Landtag: So war ihr Start

Für zwei alte Hasen und ein Anfänger hat die Sitzungszeit im neuen Landtag begonnen. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Garmisch-Partenkirchen Für die vier Abgeordneten aus dem Stimmkreis begann diese Woche ihre Zeit im Bayerischen Landtag. Terra incognita, unbekanntes Land ist das Maximilianeum noch für Hans Urban (Grüne). Der Biobauer aus Eurasburg nahm am Montag das erste Mal auf dem Stuhl eines Landtagsabgeordneten Platz. „Ganz hinten, hier geht’s streng nach Alphabet“, berichtet der 40-Jährige. Neben ihm sitzen seine Parteifreundinnen Gabriele Triebel aus Kaufering (Landkreis Landsberg) und Dr. Sabine Weigand aus Nürnberg.

Hans Urban von den Grünen

Für die Neulinge auf der landespolitischen Bühne gab’s einen schriftlichen Leitfaden: „Es geht ja weniger darum, wo hier die Kantine ist, sondern wo bekommt man welches Formular und wo muss es ausgefüllt wieder abgegeben werden.“ Großes Lob zollt Urban den Mitarbeitern des Landtagsamtes, die den Abgeordneten „superfreundlich“ mit Rat und Tat zur Seite stehen würden. Man lerne schnell: „Hier ist alles bis ins kleinste Detail organisiert und reglementiert.“

An seinem ersten Arbeitstag („nach München ging’s mit der S-Bahn“) begleiteten ihn sein ältester Sohn und ein Nachbar. Ehefrau Katharina, mit der Urban den Packlhof in Oberherrnhausen bewirtschaftet, blieb vor lauter Arbeit keine Zeit. Auch am Dienstag bestand nur die Möglichkeit, sich gegenseitig per SMS auf dem Laufenden zu halten. „Nun ja, die einen werden vom Verfassungsschutz kontrolliert – und ich von meiner Frau“, sagt Urban und lacht.

Die Landtagskantine („ein richtiger Gastronomiebetrieb“) haben ihm übrigens am Montag seine Fraktionskollegen gezeigt. „Es gab Nudelauflauf.“ Zwischen der Wahl des Bayerischen Ministerpräsidenten und einer anschließenden Fraktionssitzung der Grünen blieb am Dienstag keine Zeit fürs Mittagsessen. „Ich besorg’ mir jetzt schnell eine Breze“, sagt Urban am Telefon, „dann wird weitergearbeitet.“

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Seit dem Jahr 2008 sitzt er im Landtag: Der erste Tag dieser Legislaturperiode war dennoch besonders für Florian Streibl von den Freien Wählern. „Fast ein historischer Tag“, sagt der 55-Jährige. Am Montagmorgen durfte Streibl dabei sein, wie der Koalitionsvertrag unterschrieben wurde. „Das war ein bewegender Moment, so hautnah an der Regierungsbildung mitzuwirken.“ Den Erfolg der Freien Wähler erklärt sich Streibl mit deren Bürgernähe und damit, „dass wir keine ideologischen Debatten führen, sondern schauen, wie wir Probleme am sinnvollsten lösen.“

Florian Streibl von den Freien Wählern

Der nächste Höhepunkt ließ nicht auf sich warten – der Abgeordnete aus Oberammergau wurde zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Und auch die konstituierende Sitzung sei immer wieder ein gewichtiger Moment. „Jeder Abgeordnete wird namentlich aufgerufen“, berichtet Streibl. An die neue Sitzordnung muss sich der Oberammergauer noch gewöhnen – mit den nun sechs Fraktionen sei es enger geworden. Einen Platz hat er aber natürlich bekommen, sogar einen sehr guten. Als Fraktionsvorsitzender sitzt Streibl direkt vor dem Rednerpult. In der vorangegangenen Legislaturperiode war sein Platz in der zweiten Reihe. „Jetzt bekomme ich alles hautnah mit“, sagt Streibl.

Der zweite Tag im Maximilianeum war für den Anwalt – seine Tätigkeit ruht – nicht weniger ereignisreich. Neben der Wahl des Ministerpräsidenten hatte Streibl viele Gespräche mit seiner Fraktion im Kalender stehen. „Ich habe den neuen Abgeordneten Hintergrundinfos zu ihrem Büro im Stimmkreis gegeben.“ Nach dem Gespräch mit unserer Zeitung am Nachmittag wartete schließlich noch ein Stapel Post. „Die Tage werden jetzt wieder länger“, sagt Streibl, der meist mit dem Auto aus Oberammergau anreist, aber auch in einer kleinen Wohnung in der Landeshauptstadt übernachten kann.

Landtagswahl im Live-Ticker: Söder als Ministerpräsident wiedergewählt - mindestens einer aus der Koalition stimmte nicht für ihn

Martin Bachhuber von der CSU

Für Martin Bachhuber (CSU) bedeutete der erste Tag im neuen Landtag ebenfalls etwas Besonderes: „Zwar bin ich schon zum dritten Mal dabei, aber die erste Person in Bayern zu wählen ist eine Ehre“, so der Bad Heilbrunner mit Blick auf die Wahl von Ministerpräsident Markus Söder. Als alter Hase im hohen Haus – Bachhuber ist seit 2008 im Parlament vertreten – hilft er gerne: „Das Maximilianeum ist sehr verwinkelt. Da kommt man anfangs schnell mal durcheinander. Gleich am Montag hat mich ein Neuling nach dem Weg zur Toilette gefragt“, erzählt der Stimmkreisabgeordnete und lacht. Die Pausen zwischen den Sitzungen seien in der Regel verplant. Meist verbringt der 63-Jährige diese Zeit in seinem Büro. „Manchmal unterhalte ich mich auch mit den Kollegen oder gehe in die Kantine. Aber viel Zeit zum chillen bleibt nicht.“

Als Verfechter des öffentlichen Nahverkehrs benutzt der CSU-Politiker so oft es geht die Bahn. „Am Montag bin ich mit der BOB gefahren, am Dienstag mit dem Zug – das werde ich auch am Mittwoch tun.“ Auf diese Weise komme man einfach entspannter an. „Den Fahrplan kenne ich schon auswendig.“

Dr. Anne Cyron (AfD) war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.  cce/sw/kof

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