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Strandurlaub in Corona-Zeiten? Noch hält sich die Reiselust der Landkreisbürger in Grenzen. 

Nach Aufhebung der Reisewarnungen für EU-Länder

Bad-Tölz-Wolfratshausen: Ansturm auf Reisebüros im Landkreis bleibt aus

  • vonRudi Stallein
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Auch das (Reise-) Leben wird in diesen Tagen behutsam wieder hochgefahren. Einen Run auf die Reisebüros im Landkreis hat das jedoch noch nicht ausgelöst.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Bundesregierung hat die Reisewarnungen für EU-Länder aufgehoben. „Langsam kommen die Leute wieder, aber der große Ansturm ist es nicht“, sagt Ralf Hecher. „Die Menschen sind noch sehr vorsichtig, viele wollen wohl auch dieses Jahr im Urlaub zu Hause bleiben“, vermutet der Geschäftsführer des Reisebüros Hecher in Wolfratshausen und Geretsried.

Auch bei den bisherigen Buchungen liegt das „Eigenheim auf Zeit“ im Trend. „Ferienhäuser und Ferienwohnungen werden vermehrt nachgefragt“, so Hecher. Vor allem für die mit dem eigenen Auto gut erreichbare Halbinsel Istrien in Kroatien sowie die deutsche Ostseeküste. Manche, die vor Wochen ihren Urlaub stornieren mussten, buchen nun um: „Vom Flug auf eine Woche Deutschland oder Österreich.“

Ziele mit Eigenanreise

Ähnliche Erfahrungen macht das AS Reisecenter in Bad Tölz. „Es wird etwas mehr angefragt: häufig Richtung Kroatien, Ziele mit Eigenanreise, Ferienwohnungen und Apartments“, bestätigt Inhaberin Annemarie Scheitterer. „Aber die Leute sind noch sehr zurückhaltend und verunsichert.“ Das gelte besonders für Flugreisen. „Viele haben Bedenken wegen des engen Raums im Flugzeug, außerdem muss man noch früher am Flughafen sein, die Veranstalter empfehlen vier Stunden vor Abflug“, erklärt die Reiseexpertin. Erst für den Herbst würden derzeit Flugreiseziele wie Griechenland und Spanien gebucht. Daran ändern offenbar auch die deutlich verbesserten Stornobedingungen vieler Airlines und Veranstalter, die nun teilweise bis 14 Tage vor Abreise kostenlose Stornierungen und Umbuchungen ermöglichten, wenig. „Aber das ändert sich derzeit ständig. Es ist alles ein bisschen chaotisch“, sagt Scheitterer. „Ich hoffe nur, dass die Infektionszahlen in nächster Zeit nicht wieder steigen.“

Urlaub in Deutschland und Österreich

Verständnis für die Zurückhaltung der Kunden äußert Stefania Palermini. „Viele wollen weg, warten aber erst noch ab“, so die Leiterin des Wolfratshauser TUI-Reisebüros, die ebenfalls einen Trend zum Urlaub in Deutschland und Nahzielen wie Österreich feststellt. „Viele haben noch ein bisschen Angst und warten vielleicht ab, wie der Mallorca-Test verläuft“, glaubt Palermini. Deshalb hoffe sie auf ein stärkeres Buchungsaufkommen ab Mitte Juli.

Es gebe derzeit noch viel Verunsicherung und viele Einschränkungen. „Die Pools sind gesperrt, der Zugang zu den Stränden ist beschränkt, das trifft alle Destinationen.“ Und das mache nicht jedem Spaß. „Rimini mit Abstand – das ist für mich als Italienerin undenkbar“, sagt die Reiseverkäuferin und lacht.

Weniger zum Lachen zumute ist Daniel Lipp vom Reisebüro Wolf Travel in Wolfratshausen. Vor allem die von Außenminister Heiko Maas bis Ende August verlängerte „weltweite Reisewarnung für alle Länder außerhalb der EU“ verärgert ihn. „Die Hoteliers in Ägypten, Tunesien oder Marokko geben sich alle Mühe, die machen das toll. Da wäre hundertprozentig Urlaub möglich“, so Lipp. Aber daran ist vorerst nicht zu denken. Derzeit verzeichne man ein verstärktes Interesse an der deutschen Ostseeküste, der Mecklenburgischen Seenplatte und Städtereisen, etwa nach Berlin und Hamburg. „Viele wollen einfach schnell mal ein paar Tage weg, suchen ein bisschen Tapetenwechsel“, sagt Lipp. Seit Aufhebung der Reisewarnungen für EU-Länder steige auch die Nachfrage nach Pauschalreisen für Griechenland und Spanien.

Busreisen nehmen langsam wieder Fahrt auf

„Nur ganz verhaltene“ Nachfrage nach Flugreisen verzeichnet bislang das „Reisebüro Schöfmann und Tölzer Autoreisen“. Dafür nehme das Busreisegeschäft langsam wieder Fahrt auf, freut sich Geschäftsführer Nikolaus Würmseer. Grund dafür ist, dass für Reisebusse ab dem 22. Juni die gleichen Auflagen gelten, wie für Flugzeuge, Züge und Fernbusse. „Mit 1,50 Meter Mindestabstand, wie er bislang verlangt war, bringe ich in einen 50-Sitzer nur zehn Leute, da brauch‘ ich nicht losfahren.“

Dank der Lockerungen kann er jetzt wieder Gruppenreisen anbieten. „Gut angenommen“ werden derzeit beispielsweise drei- und viertägige Bustouren durch Franken oder in den Spreewald. Auch Badeurlaub ist mit dem Bus buchbar. „Aber das ist noch ein bisschen ein Lotteriespiel“, sagt der Busreiseanbieter mit Blick auf eine einwöchige Badereise in die Emiglia Romagna im August. „Die Hotels sind in Italien noch in der Erprobungsphase. Ob alles funktioniert, wird man sehen“, so Würmseer. „Aber ich bin zuversichtlich.“

rst

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