Schutzimpfung
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Bad Tölz-Wolfratshausen hat eine der schlechtesten Durchimpfungsraten für Masern in ganz Deutschland.

Gesundheit

Aktuelle Masernsituation: Der Landkreis als schlechtes Vorbild

Ursprünglich sollten die Masern bis 2020 ausgerottet sein - dieses Ziel scheint in weite Ferne gerückt. Das sagt der stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts zur aktuellen Masern-Situation im Landkreis. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit Unbehagen denken viele Erwachsene an juckende rote Pusteln in ihrer Kindheit zurück: Masern. Eigentlich sollte die hochansteckende Viruserkrankung bis 2020 ausgerottet sein. Dieses Ziel scheint in weite Ferne gerückt: Allein 2017 ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO die Zahl der Masernerkrankungen in Deutschland – von 325 auf 929 – um 35 Prozent gestiegen. Wie die Lage im Landkreis ist, darüber sprach Volontärin Franziska Konrad mit Benedikt Greutélaers, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts Bad Tölz-Wolfratshausen.

Herr Greutélaers, in Deutschland haben sich 2017 mehr als 900 Menschen mit der Krankheit angesteckt. Ist diese Entwicklung auch im Landkreis zu beobachten?

Aktuell nicht, seit 2011 wurden im Landkreis insgesamt 26 bestätigte Masernfälle gemeldet. In den Jahren 2017 und 2018 wurden hingegen keine gemeldet.

Benedikt Greutélaers ist stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts in Bad Tölz-Wolfratshausen.

In den Nachrichten hörte man vom Masernausbruch in einer Schule in Hildesheim. 107 ungeimpfte Kinder dürfen dort für zwei Wochen nicht in den Unterricht. Ist mit einem solchen Ausbruch im Landkreis zu rechnen?

Bad Tölz-Wolfratshausen hat eine der schlechtesten Durchimpfungsraten für Masern in ganz Deutschland. Nur 84 Prozent der untersuchten Erstklässler waren im Einschulungsjahr 2016/17 vollständig dagegen geimpft. Für eine Ausrottung der Krankheit braucht es eine Rate von mindestens 95 Prozent. Deshalb müssen wir beim Auftreten von Masern in unserem Landkreis auch mit einem Ausbruch rechnen. Wenn die Krankheit in einer Schule oder im Kindergarten auftritt, können Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind und noch keine Immunität nachweisen, tatsächlich vom Besuch der Schule oder des Kindergartens ausgeschlossen werden. So steht es im Infektionsschutzgesetz.

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Sind Sie für die Einführung einer Impfpflicht?

Eher nicht. Es muss gelingen, die Bedeutung der Impfung zu vermitteln, ohne Druck auszuüben. Das gilt sowohl für den Schutz des Einzelnen als auch für den der Gemeinschaft. Man könnte aber überlegen, ob Kinder in Kindergärten und Schulen – zum Schutz der anderen – einen Impfnachweis vorzeigen müssen.

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Masern haben sich wieder stärker ausgebreitet. Zwar sind die meisten geimpft, aber die Quote ist laut Regierung zu niedrig, um die Krankheit zu stoppen. Jetzt wird ein „Masernschutzgesetz“ auf den Weg gebracht. Ab März 2020 kommen Kinder und viele Erwachsene nicht um eine Impfung herum.

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