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Singen um die Wette: Amselmännchen wollen die Damenwelt mit ihrem flötenden Gezwitscher beeindrucken.

Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden des LBV

Alle Vögel sind schon da: So klingt der Frühling

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Sie zählen wohl zu den beliebtesten Frühlingsboten: zwitschernde Vögel. Unserer Zeitung hat sich mit Walter Wintersberger vom LBV über die gefiederten Tierchen und ihre Gesänge unterhalten. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Immer öfter zwitschert es in diesen Tagen von Dächern und Bäumen: Die Singvögel verkünden den aufziehenden Frühling. Welche Töne bereits zu hören sind, warum der Piepmatz singt und welches Federtier am schönsten singt – Walter Wintersberger kennt sich aus. Der 56-Jährige ist seit zehn Jahren Kreisvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Dass es in den vergangenen Wochen teilweise überdurchschnittlich warm war, hat auf die Rückkehr der Zugvögel und deren Gesänge keine Auswirkungen, sagt Wintersberger. „Im Winter gibt es mal milde Wochen, das ist normal.“ Vereinzelte Vogelstimmchen waren bereits im Februar zu hören. Sie gehören unter anderem Meise, Amsel, Kleiber und Rotkehlchen. „Das sind die Arten, die den Winter über bei uns sind“, weiß der Wackersberger.

Walter Wintersberger, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz.

Mit dem März kehren die Zugvögel, unter ihnen zum Beispiel die Singdrossel, aus ihren Winterquartieren zurück und gesellen sich zu den heimischen Sängern. „Jetzt werden es peu à peu immer mehr“, sagt der LBV-Kreisvorsitzende. „Im späten Frühling singen gegen sechs bis sieben Uhr alle durcheinander.“

Am intensivsten ist das Gezwitscher Mitte April. Danach nimmt es langsam wieder ab. Ab Ende des Monats stecken nämlich viele Vögel mitten im Brutgeschehen. „Sie wollen sich dann vor allem um ihren Nachwuchs kümmern und ihn beschützen.“ Es gibt jedoch Nachzügler: Die Mönchsgrasmücke etwa beginnt zum Mai mit dem Trällern.

Bei den Wirbeltieren ist aber auch die Tageszeit genau festgelegt: Ihr Gesang richtet sich unter anderem nach der Helligkeit. Wintersberger spricht von der sogenannten Vogeluhr. „Das geht zwar nicht auf die Minute genau, aber schon ungefähr“, stellt der LBV-Kreisvorsitzende fest. Die Zeiten sind von Vogelart zu Vogelart unterschiedlich. Den Anfang macht in der Regel der Hausrotschwanz. Er beginnt eine Stunde vor Sonnenaufgang. Nach und nach folgen seine Artgenossen.

Die Vögel zwitschern nicht ohne Grund. Im Frühjahr wird bei den Männchen Testosteron ausgeschüttet. Das bringt sie zum Singen. Laut Wintersberger stecken sie damit ihr Territorium ab und locken die Weibchen an. „Ganz nach dem Motto: ,Hallo, hier bin ich. Schaut, was ich für einen guten Brutplatz zu bieten habe.‘“

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Durch die aufgeteilten Singzeiten bekommen die Vögel die Gelegenheit, sich mit voller Aufmerksamkeit ihren Damen zu präsentieren. Und teilweise präferieren sie sogar unterschiedliche Bühnen: „Die Amsel singt morgens bevorzugt von Hausdächern und Giebeln.“ Ihre Artgenossen ziehen laut Wintersberger Bäume, Büsche und Sträucher vor.

Welcher Vogel von ihnen am schönsten singt? „Das ist eine Einstellungssache“, antwortet der Wackersberger. Jeder Mensch empfinde das anders. „Das ist wie mit dem Musikgeschmack.“ Die Amsel habe laut dem 56-Jährigen beispielsweise einen sehr flötenden Gesang, während die Singdrossel abwechselnd bestimmte Motive zum Besten gibt. Die Kohlmeise trällert ständig „Judith“ und die Goldamer „wie-wie-hab-ich-dich-lieb“. Diese Behauptungen sind im Volksmund verbreitet. An den freien Übersetzungen ist aber etwas dran, findet Wintersberger. „Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte haben die Menschen so bestimmten Vögeln gewisse Reden zugeordnet.“ Diese dienen als Eselsbrücken. „So können wir uns die Gesänge leichter merken und erkennen.“

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Die gefiederten Tiere geben jedoch nicht nur bei der Balz Laute von sich, sondern auch bei drohenden Gefahren. Wintersberger: „Die Warnrufe sind unterschiedlich, aber immer kurz und prägnant.“ Je nachdem, ob ein Luft- oder Bodenfeinden gesichtet wird, unterscheiden sich die Laute. „So wissen die Vögel: Vorsicht. Es droht Gefahr von oben – oder unten.“

Apropos Gefahr: In der Vogelwelt ist tatsächlich nicht alles rosig. So sind die Bestände der Feldlerche in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. „Früher war das wirklich ein Allerweltsvogel“, betont der Wackersberger. Wie schon der Name verrät, ist das Tier eher nicht im Garten, sondern auf offener Flur anzutreffen. Das wurde der Feldlerche zum Verhängnis. Es gebe immer weniger Orte, an denen sie singen kann. Für Wintersberger eine bedenkliche Tatsache: „Wir finden jedes Jahr weniger Brutpaare.“

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Eine interessante Anekdote hat sich der Kreisvorsitzende für den Schluss des Gesprächs mit unserer Zeitung aufgehoben: Wenn jemand durch die Natur läuft und sich auf denkt „Hoppla, was ist denn das? Hör ich da einen Handyklingelton?“ kann dahinter der Star stecken. Der ist laut Wintersberger ein Meister darin, andere Geräusche nachzuahmen. Vom Klingelton bis zum Gesang anderer Vogelarten, die im Oberland nicht vorkommen.

kof

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