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„Innerhalb von zwei Stunden war alles weg“ - Ansturm auf die Supermärkte

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Von: Franziska Konrad

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„Innerhalb von zwei Stunden war alles weg“ - Ansturm auf die Supermärkte
Auch Lebensmittelhändler stehen in Zeiten vom Coronavirus vor neuen Herausforderungen. © Hans Lippert

In Zeiten vom Coronavirus stehen auch die Supermärkte vor neuen Herausforderungen. Manche Geschäfte ziehen aus den Kundenanstürmen auf Klopapier und Co. jetzt Konsequenzen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Dienstagmorgen in Waldram: Klaus Heininger schiebt einen Rollwagen mit Gemüse durch den Gang seines Lebensmittelgeschäfts. Vorbei an gähnend leeren Nudel- und Konservenregalen. Nicht anders schaut es beim Klopapier aus. Der Einzelhändler läuft daran vorbei und schüttelt den Kopf. „Gestern habe ich eine Klopapierlieferung für zwei Wochen bekommen, innerhalb von zwei Stunden war alles weg.“

Einzelhändler: „Wir bekommen weiter unsere Lieferungen“

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Bei der Arbeit: Einzelhändler Klaus Heininger füllt in seinem Geschäft das Gemüse auf. © kof

Richtig los ging der enorme Kundenansturm laut Heininger erst am Freitag. Bis dahin lief alles „relativ normal.“ Dann begann das große Hamstern. Für den Eigentümer der Waldramer Edeka-Filiale ist dieses plötzliche Hörten von Lebensmitteln unverständlich: „Wir bekommen ja weiter unsere Lieferungen.“ Dumm aus der Wäsche schauen jetzt vor allem die Leute, die weiterhin normal einkaufen gehen: „Die bleiben auf der Strecke und bekommen nichts mehr ab.“ Darauf hat der Inhaber nun reagiert: Klopapier wird künftig nur noch an der Kasse ausgehändigt, eine Packung pro Person. „Entschuldigung, wo gibt’s hier denn Milchreis?“ Ein älterer Mann tippt Heininger fragend an. „Puh, ich glaube, da schaut es eher schlecht aus. Aber warten’s, ich schau mal“, antwortet er. Und ist schon in einem der Gänge

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Hamsterkäufe? Bei Daniela Kuchenbaur und Tochter Lilli Fehlanzeige. © kof

verschwunden.

Corona-Krise: Nicht alle Kunden hamstern Lebensmittel

Auf dem Parkplatz packt Daniela Kuchenbaur zusammen mit Tochter Lilli ihre Besorgungen ins Auto. „Ich kaufe ein wie immer. Die Geschäfte haben ja normal geöffnet“, erklärt die Tattenkofenerin, während sie Lauch, Aufbackbrötchen und eine Packung Klopapier im Kofferraum aufeinander stapelt. „Man kann nur hoffen, dass jetzt nicht noch ein Magen-Darm-Virus ausbricht. Sonst gibt es ein Problem“, sagt Kuchenbaur augenzwinkernd.

Ortswechsel. Knapp drei Kilometer westlich steht derweil Eva Kirchner hinter der Theke im Geltinger Dorfladen. Während ihre Kollegin Andrea Seidl die Kunden bedient, trägt sie Bestellungen in ein Buch ein. „Heute ist es einigermaßen ruhig, aber gestern – da standen die Leute schon um zehn vor sieben vor unserem Laden Schlange“, erzählt die Wolfratshauserin. Ob Semmeln, Brot, Milch oder Eier: Danach sei alles weggewesen. Mittlerweile sind die Regale wieder einigermaßen gefüllt. „Ich arbeite jetzt seit 40 Jahren in dem Beruf, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Eine mögliche Erklärung hat die Wolfratshauserin inzwischen sogar für die enorme Toilettenpapier-Nachfrage: „Ein Kunde hat mir erzählt, dass es im Internet angeblich eine Anleitung gibt, wie man mit Klopapier Mundschutz herstellt. Keine Ahnung, ob das was dran ist.“

Dorfladen Gelting: „Gestern standen die Leute vor unserem Laden Schlange“

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Ein ganz gewöhnlicher Einkauf: Nina Köglsperger kauft bei Andrea Seidl nur das Nötigste ein. © kof

Kundin Nina Köglsperger legt derweil Brot und Kekse zum Abkassieren vor die Kasse. Die aktuelle Einkaufssituation sieht sie gelassen. „Gestern habe ich kein Brot mehr bekommen, dann habe ich halt eins für heute bestellt.“ Von den Hamsterkäufen ist sie hingegen eher genervt. „Da könnte man meinen, wir sind im Krieg.“ Klar bekomme man im Moment nicht immer alles. „Aber es ist doch genug für alle da.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den anderen Supermärkten, etwa beim Rewe in Icking. Im Parkhaus legt Ingrid Eder gerade ihren ihren Einkauf auf den Beifahrersitz ihres Wagens. Sie trägt Einweg-Plastikhandschuhe. „Mundschutz fände ich zwar übertrieben“, sagt sie. „Aber etwas absichern möchte ich mich doch.“ Im Supermarkt achtet Eder auf Abstand zu den anderen Leuten. Die Stimmung in den Geschäften habe sich verändert, findet sie. „Irgendwie ist da alles bedrückter.“

Coronavirus: Geschäfte rationieren Lebensmittel

Auch in dem Geschäft hat Inhaber Adrian Bryant vorgesorgt: Ein Desinfektionsmittelspender hängt im Eingangsbereich, außerdem wird ein Teil der Lebensmittel inzwischen streng rationiert: Pro Kunde gibt es einmal Toilettenpapier, zweimal Mehl, sechsmal Milch und eine Packung Küchenrolle, wie ein Aushang im Geschäft verrät. „Das ist momentan eine neue Situation für uns alle, keine Frage“, gesteht der Tölzer. „Doch das ist noch lange kein Grund, plötzlich in Panik zu verfallen.“

kof

Alles Infos rund um die Corona-Krise im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es in unserem Live-Ticker

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