Das ist erlaubt: Wer sich in häuslicher Quarantäne befindet, darf sich auf dem Balkon aufhalten – aber das Haus ansonsten nicht verlassen.
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Das ist erlaubt: Wer sich in häuslicher Quarantäne befindet, darf sich auf dem Balkon aufhalten – aber das Haus ansonsten nicht verlassen.

Sprecherin des Landratsamts beantwortet wichtige Fragen

Häusliche Quarantäne: Das ist erlaubt

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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„Häusliche Quarantäne“: Diese zwei Worte machen seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Runde. Aber was genau bedeutet das? Das Landratsamt gibt Auskunft.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Derzeit befindet sich unter anderem die komplette elfte Jahrgangsstufe des Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums, unterm Strich 75 Jugendliche, in häuslicher Quarantäne. Aber was bedeutet dies genau, und welche Verhaltensregeln müssen die Betroffenen beachten? Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts, liefert Antworten auf wichtige Fragen zu diesem „komplexen Thema“, wie sie feststellt.

Die Quarantäne

Der Begriff Quarantäne geht zurück auf die verheerende Pest-Pandemie im 14. Jahrhundert. Die Pest schwappte aus dem Mongolenreich über das Schwarze Meer und das Mittelmeer bis Europa. Um sie einzudämmen, beschloss die Stadt Venedig, dass die Besatzungen der Schiffe, die im Hafen eintrafen, das Land 40 Tage lang nicht betreten durften. Von der Zahl 40, italienisch „quaranta“, leitet sich das Wort Quarantäne ab.

„Streng genommen ist Quarantäne der Begriff für die Absonderung symptomfreier Personen“, erklärt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts in Bad Tölz. „Das sind also in der Regel Kontaktpersonen oder auch Reiserückkehrer.“ Die Quarantäne dauert aktuell 14 Tage. Das entspricht der maximalen Inkubationszeit, also der Zeit zwischen einer möglichen Ansteckung mit Covid-19 und dem Auftreten von Symptomen.

Die Isolation

Mit dem Begriff Isolierung beziehungsweise Isolation wird laut Behördensprecherin Peischer „die Absonderung kranker oder infizierter Personen bezeichnet“. Die Isolation dauert in der Regel zehn Tage.

Das Ziel

Sinn und Zweck der zeitlich befristeten Isolierung zu Hause ist es, die Sozialkontakte des Betroffenen deutlich zu reduzieren. Die Quarantäne wird vom Gesundheitsamt angeordnet. Das kann vorsorglich geschehen, bei schweren Erkrankungen kann eine stationäre Quarantäne in einem Krankenhaus vorgeschrieben werden.

Die Betroffenen

Häusliche Quarantäne wird in der Regel für Personen angeordnet, bei denen ein hohes Risiko besteht, dass sie sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Zum Beispiel, weil sie in den zurückliegenden zwei Wochen engen Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Enger Kontakt, das bedeutet, dass sie mindestens 15 Minuten mit dieser Person persönlich gesprochen haben beziehungsweise angeniest oder angehustet worden sind. Nicht in Quarantäne müssen Personen, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage lediglich kurz im gleichen Raum mit einer infizierten Person aufgehalten haben.

Die Anordnung

Jemanden im Sinne der Quarantäne absondern kann grundsätzlich nur das Gesundheitsamt. „Allerdings gibt es Ausnahmen“, betont Peischer. Diese ergeben sich zum Beispiel durch die Allgemeinverfügung mit dem Titel „Isolation von Kontaktpersonen der Kategorie 1, von Verdachtspersonen und von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen“. Gemäß dieser von der bayerischen Staatsregierung erlassenen Allgemeinverfügung muss das Gesundheitsamt „eigentlich die Absonderung gar nicht mehr anordnen, denn die Absonderung gilt sozusagen automatisch durch die Allgemeinverfügung“, stellt die Sprecherin des Landratsamts fest. Das heißt: Sie gilt für Kontaktpersonen nach der Grad-1-Einstufung und entsprechender Mitteilung durch das Gesundheitsamt – und für sogenannte Verdachtspersonen, wenn das Gesundheitsamt einen Test angeordnet hat. „Beziehungsweise unverzüglich nach der Testung“, ergänzt Peischer.

Verstöße gegen eine behördlich angeordnete Quarantäne können mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Grundlage für die Anordnung der Quarantäne ist Paragraf 30 des Infektionsschutzgesetzes.

Info-Pflicht des Arztes

Der Arzt, der eine Verdachtsperson testet, muss diese Person vorher über die Konsequenz, die sich aus der Allgemeinverfügung ergibt, informieren. Peischer: „Der Arzt schickt also niemanden in Quarantäne, sondern er informiert die Person, die er testet, dass mit der Testung die Verpflichtung zur Quarantäne besteht.“

Positiv Getestete

Personen, deren Corona-Test positiv ausgefallen ist, müssen sich in Isolation begeben, sobald sie das Testergebnis vorliegen haben. „Weil die Testergebnisse per SMS übermittelt werden können, kann es passieren, dass Personen vor dem Gesundheitsamt von ihrem positiven Ergebnis erfahren“, so Peischer Sei’s drum: Auf welchem Weg der Betreffende auch immer erfährt, dass sein Test positiv ausgefallen ist, „muss er sich umgehend in Isolation begeben und es dem Gesundheitsamt melden, soweit er aus anderer Quelle über das Ergebnis unterrichtet wurde“.

Die Verhaltensregeln

Isolation heißt, dass sich die betreffende Person nach Möglichkeit in einem separaten Raum oder Bereich der Wohnung aufhalten sollte. Besuch darf nicht empfangen werden. Gemeinschaftsräume sollten wenig bis gar nicht betreten werden. Wichtig: Abstand zu den übrigen Familienmitgliedern halten, Mahlzeiten getrennt von der Familie einnehmen und eigene Hygieneartikel verwenden. „Das Haus darf nicht verlassen werden“, betont Peischer. Praktisch bedeutet das, „dass man aber auf den Balkon gehen darf, wenn es nicht unmittelbar einen angrenzenden Balkon gibt, auf dem zum selben Zeitpunkt eine andere Person steht“, schränkt die Sprecherin des Landratsamts ein. „Man darf sich auch allein auf der Terrasse oder im eigenen Garten aufhalten.“

Nachfragen des Amtes

Das Gesundheitsamt fragt täglich bei den Personen, die in Quarantäne sind, telefonisch deren aktuellen Gesundheitszustand ab. Kontaktpersonen Grad 1 müssen ein Tagebuch führen, in dem der allgemeine Gesundheitszustand, Symptome, Körpertemperatur et cetera festgehalten werden.

Die Aufhebung

Die Isolation beziehungsweise die Quarantäne wieder aufheben kann nur das Gesundheitsamt.

Abstrichtermine

Zu den Abstrichterminen im Rahmen der Quarantäne – zum Beispiel bei Kontaktpersonen Grad 1 – lädt ausschließlich das Gesundheitsamt ein. Das gilt aber nur, wenn diese Person keine Symptome aufweist. Peischer: „Symptomatische Fälle werden nicht in den Teststationen getestet, denn diese Personen brauchen gegebenenfalls eine medizinische Betreuung, nicht nur einen Test.“ Natürlich gebe es aber den Fall, „dass eine symptomfreie Kontaktperson sich bei einem Hausarzt hat testen lassen“.

Reiserückkehrer

Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich unverzüglich nach der Einreise in Deutschland in Quarantäne begeben, „ohne dass es einer Anordnung durch das Gesundheitsamt bedarf“, betont Peischer. Wohl wissend, dass es immer noch viele Ausnahmeregelungen gibt. Das Meldeformular für Reiserückkehrer findet sich auf der Homepage des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen.

cce

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