Justitia
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Unter den wachsamen Augen von Justitia spielen sich in den Gerichtssälen teils abenteuerliche Szenen ab.

„Es war nicht so, wie es ist“

Die besten Zitate aus dem Wolfratshauser Amtsgericht

  • vonRudi Stallein
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Man bekommt einiges zu hören bei den Strafprozessen am Wolfratshauser Amtsgericht. Unser Gerichtsreporter hat die kuriosesten Dialoge aus dem Jahr 2020 zusammengestellt.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Man bekommt einiges zu hören bei den Strafprozessen am Wolfratshauser Amtsgericht. Manches, was Angeklagte, Zeugen, Richter, Staatsanwälte und Verteidiger von sich geben, verleiht den Verhandlungen einen Charme wie einst am „Königlich Bayerischen Amtsgericht“. Unser Gerichtsreporter Rudi Stallein hat die besten Zitate und kuriosesten Dialoge aus dem Jahr 2020 zusammengestellt.

„Wenn mich einer kennt, dann kennen Sie mich.“

„Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Das wissen Sie doch, Herr Richter. Wenn mich einer kennt, dann kennen Sie mich.“ Sagt der Angeklagte, der mit Drogen und Waffen im Rucksack erwischt wurde, und bereits 16 Mal verurteilt worden ist.

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„Drecksau ist nicht mein Vokabular. Vielleicht habe ich Arschloch gesagt.“ Angeklagter korrigiert den Ausspruch, der ihm ein Verfahren wegen Beleidigung eingebrockt hat.

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Richter zum Verteidiger: „Was sollen wir jetzt mit ihrem Mandanten machen?“ Verteidiger zum Richter: „Von mir aus können Sie ihn freisprechen.“ Richter: „Jetzt mal im Ernst, womit könnte er leben?“ Verteidiger: „Eine Freiheitsstrafe zur Bewährung.“ Richter: „Na, die kann er doch kriegen.“

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Gutachter zum Angeklagten: „Haben Sie mal versucht, Ihr Alkoholproblem in einer Selbsthilfegruppe zu kurieren?“ Angeklagter zum Gutachter: „Um Gotteswillen, nein, da kriegt man ja erst richtig Durst. Da gehst ja durstiger raus als rein.“

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Wie wäre es mit der Wahrheit?

„Was soll das mit dem falschen Namen?“ Der Richter will wissen, warum ein Landschaftsgärtner auf einer Auftragsbestätigung mit einem falschen Firmennamen arbeitet. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, entgegnet der wegen verschiedenster Delikte mehrfach vorbestrafte Angeklagte. Darauf der Richter trocken: „Die Wahrheit vielleicht?“ Eine Antwort erhält er nicht.

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Richter zum Angeklagten, der unter offener Bewährung mit einem Joint und ein paar Krümeln Haschisch erwischt wurde: „Wissen Sie, was Bewährung heißt?“ Der Angeklagte lässt die Dolmetscherin übersetzen: „Ja, wenn man dann ein Problem hat, hat man noch mehr Probleme.“

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„Das ist alles ein abgekartetes Spiel gewesen. Alles andere ist eine Räuberpistole. Man kann es versuchen, aber auf Erfolg stößt das hier nicht.“ Der Richter erklärt den Angeklagten, wie er deren Einlassung zum Betrugsvorwurf einordnet.

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Richter zum Angeklagten, der trotz offener Bewährung wieder straffällig geworden ist: „Im Asylverfahren macht es sich nicht gut, wenn man ständig Straftaten begeht.“ Angeklagter zum Richter: „Aber das ist schwierig ohne Arbeit.“ Richter zum Angeklagten: „Wenn jeder ohne Arbeit Straftaten begehen würde, könnten wir zusperren.“

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„Ich wollte die Flaschen nicht entwenden, sowas mache ich grundsätzlich nicht. Es eine moralische Einstellung von mir, dass ich niemandem was wegnehme.“ Ein Ladendieb beteuert, dass alles ein großes Missverständnis sei, und er die drei Fläschchen Wodka, die in seiner Jackentasche steckten, eigentlich hatte bezahlen wollen.

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„Das Gericht hat vom Angeklagten einen guten Eindruck. Es sei denn, er spielt uns was vor. Aber dann macht er es gut.“ Der Richter begründet, warum er den wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln angeklagten Kellner mit einer Bewährungsstrafe davonkommen lässt.

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Der Exhibitionist und der Richter

Ein Mann muss sich wegen exhibitionistischer Handlungen vor Gericht verantworten. Er soll an der Isar vor einer Frau onaniert haben. Die Sache ist ihm peinlich. Er will sie schnell aus der Welt geschafft wissen. Deshalb hat er dem Gericht vor der Verhandlung schriftlich mitgeteilt, er „möchte die Sache zugeben und bereue meine Schandtat zutiefst“. Somit sah der Richter keine Notwendigkeit mehr, Zeugen, insbesondere die belästigte Frau, zur Verhandlung zu laden. Doch vor Gericht entwickelt sich die Sache anders.

Angeklagter: „Ich habe das nicht gemacht, was mir vorgeworfen wird. Ich habe uriniert. Das war unanständig. Aber onaniert habe ich nicht.“ Richter: „Dann verhandeln wir nächste Woche weiter – mit den Zeugen.“ Angeklagter: „Dann gebe ich einfach zu, was die Frau sagt.“ Richter: „Aber ein Strafprozess läuft nach Regeln ab. Ich muss prüfen, ob die Frau glaubwürdig ist.“ Angeklagter: „Dann geh ich nochmal soweit: Ich geb’s zu.“ Richter: „Solche Sachen machen wir nicht, nicht mit mir.“ Angeklagter: „Gut, dann gebe ich die Straftat zu.“ Richter: „So geht’s nicht.“ Angeklagter: „Ach bitte, machen wir jetzt unser Urteil. Jetzt geb’ ich’s doch zu.“

Der Richter lässt sich nicht erweichen, legt einen weiteren Verhandlungstermin fest, zu dem auch die Zeugin geladen werden soll. Der Angeklagte flucht: „Und dann steht es richtig fett in der Zeitung. Ist es das, was sie wollen?“

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„Ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist und werde brav bleiben.“ Beteuert der Angeklagte, der zum wiederholten Mal wegen Drogenbesitzes vor dem Schöffengericht sitzt und noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonkommt.

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„Meine Frau und ich streiten uns auch mal. Ich verstehe nicht, warum man so ein Fass aufmacht, wenn Leute sich streiten.“ Ein Zeuge kann nicht nachvollziehen, warum sein Spezl auf der Anklagebank sitzt. Der Mann soll seine Freundin geschlagen, beleidigt und bedroht haben.

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„Auf welchem Planeten leben Sie denn, Frau Staatsanwältin?“

„Natürlich sind die verlobt. Auf welchem Planeten leben Sie denn, Frau Staatsanwältin?“, wundert sich ein Zeuge über die Weltanschauung der Anklagevertreterin, die an der Verlobung des Angeklagten mit der Geschädigten zweifelt. Zum Beweis bekräftigt der Zeuge: „Sie haben mir gesagt, dass sie verlobt sind. Da habe ich gefragt: Spinnt Ihr?“

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„Ich sagte: Wenn Du mir Stress machst, mach ich Dir auch Stress. Da sagte er: Dann kriegst Du noch mehr Stress. Da gab ich ihm eine Ohrfeige. Er hat gleich zurückgeschlagen.“ Ein Angeklagter, der sich mit einem Zimmernachbarn gestritten hatte, bringt den Sachverhalt aus seiner Sicht kurz und bündig auf den Punkt. Auslöser war ein Paar Schuhe, das (nach Ansicht des Geschädigten) muffelnd vor der Tür im Flur stand.

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„Ich lebe schon seit einem Jahr ganz brav“, beteuert der Angeklagte, der binnen drei Jahren sechs Mal verurteilt worden ist und nun erneut vor dem Richter steht, weil er unter anderem in der Arrestzelle die Toilettenschüssel von der Wand getreten hat.

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„Wollen Sie ins Gefängnis? Da sind wir großzügig. Sie müssen es nur sagen.“ Angebot des Richters zum Angeklagten, der trotz sechs Vorstrafen wieder straffällig geworden ist, und mehrere Bewährungsauflagen aus seiner letzten Verurteilung nicht erfüllt hat.

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Richter zum Angeklagten: „Sind Sie mit der Einziehung der sichergestellten Waffen einverstanden?“ Angeklagter: „Wie?“ Richter: „Dürfen wir die Waffen behalten, verschrotten?“ Angeklagter entsetzt: „Na, die brauche ich doch für Silvester.“

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Der Richter ermahnt den Angeklagten, den er wegen Bedrohung seiner Lebensgefährtin zu einer Geldstrafe verurteilt hat: „Und die Frau lassen Sie künftig in Ruhe.“ Darauf entgegnet der Angeklagte, der gerade mit der Frau in eine neue Wohnung gezogen ist, schmunzelnd: „Na, in Ruhe lasse ich sie sicher nicht.“

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Wieder straffällig geworden

„Es gibt Leute, die schreien: Bitte sperrt mich ein! Ganz nah dabei stehen Sie.“ Sagt der Richter zum Angeklagten, der trotz eines langen Vorstrafenregisters und zwei offenen, einschlägigen Bewährungen wieder straffällig geworden ist. Dazu meint der Richter: „Das ist ganz große Kacke. Als wenn es ihm egal wäre. Wann sollen wir sagen: Jetzt hat er’s kapiert.“

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„Er hat sich schon am Riemen gerissen. Ich denke, dass er versucht, ein rechtschaffenes Leben zu führen.“ Ein Verteidiger plädiert für ein mildes Urteil für seinen Mandanten, der bereits elf Vorstrafen inklusive einiger längerer Gefängnisaufenthalte sowie zwei offene Bewährungen mit in die Verhandlung brachte.

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„Die Gerichtsverhandlungen haben ja auch erzieherische Wirkung“, sagt die Richterin, während sie über eine angemessene Ahndung für die augenscheinlich eingeschüchterte Angeklagte nachdenkt. „Nicht bei allen“, ergänzt sie im selben Atemzug. „Bei der letzten Verhandlung hatte ich zwei Burschen, die habe ich angebrüllt, aber es ist nichts angekommen. Und bei Ihnen brauche ich nur winken, und es fließen die Tränen.“

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„Bist Du Robin Hood, der sich um die Benachteiligten kümmert?“ Jugendgerichtshelfer zum Angeklagten, der immer wieder straffällig wird, weil er sich einmischt, wenn seinen Freunden vermeintlich Unrecht geschieht.

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„Was Du da treibst, nennt man einen Spaziergang durch das Strafgesetzbuch. Das ist ein bisschen viel. Wenn Du in dem Rhythmus weitermachst, geht es in den Knast.“ Der Jugendgerichtshelfer liest einem jugendlichen Angeklagten, der eine Straftat an die nächste reiht, die Leviten.

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Richter zum Angeklagten: „Ich mache mir Sorgen.“ Angeklagter zum Richter: „Ja, ich mache mir auch Sorgen.“ Richter zum Angeklagten: „Dann sind wir beinander.“

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„Völlig unreflektiert durch die Gegend zu rennen und auszuteilen – das ist eindeutig jugendtypisches Verhalten.“ Begründung der Jugendgerichtshelferin, warum der wegen Körperverletzung angeklagte Heranwachsende nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist.

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„Der Jugendarrest ist im Vergleich zum Jugendknast ein Kaffeekränzchen.“ Jugendgerichtshelfer erklärt den feinen Unterschied bei freiheitsentziehenden Maßnahmen im Jugendstrafrecht.

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Erst denken, dann trinken

„Wir waren uns doch einig: Bei Dir sollte das Denken vor dem Trinken einsetzen, nicht erst nach der fünften Halben, wenn Du überlegst, ob Du noch eine sechste oder siebte trinkst.“ Der Jugendgerichtshelfer erinnert einen Angeklagten, der wiederholt betrunken straffällig geworden war, an frühere Abmachungen.

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„Zurückhaltung war in dem Verfahren nicht seine Stärke. Ich empfehle ihm dringend eine andere Wortwahl.“ Verteidiger rechtfertigt, warum er sich anstelle seines Mandanten zu den Tatvorwürfen äußert. Der Mann musste sich wegen räuberischer Erpressung mittels Drohbriefen verantworten.

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Richter zur Angeklagten: „Haben Sie ihrer Mutter gedroht, ihr eine zu knallen, dass sie die Treppe runterfliegt?“ Angeklagte zum Richter: „Ja natürlich. Das war ein Streit, ist normal, nix Dramatisches. Wir haben uns wieder vertragen.“

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„Die Gescheiten erwischen wir nicht.“ Richter zum Angeklagten, der jammert, dass er sich durch eigene Dummheit zum wiederholten Mal Ärger mit der Justiz eingehandelt hatte.

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Richter zum Angeklagten: „Was hat der Chef gesagt?“ Angeklagter: „Hat geschimpft, gesagt dass es Scheiße war.“ Richter: „Hat er sie ordentlich am Ohrwaschel gezogen?“ Angeklagter: „Leider nicht.“ Richter: „Warum nicht?“ Angeklagter: „Weil er zu klein dafür ist.“

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Richter hat erhebliche Zweifel

„Und jetzt soll mein Name Hase sein und ich kriege lange Ohren, oder wie?“ Richter gibt zu verstehen, dass er erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Aussage des Angeklagten zu dessen finanziellen Verhältnissen hat.

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Richter zum Angeklagten (dessen Einlassung er nicht glaubt): „Sie wissen, dass Sie mir Schmarrn erzählen?“ „Nein“, entgegnet der Angeklagte. Der Richter erwidert: „Das ist okay. Man kann’s ja versuchen.“

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„Sowas ist Kindergarten. Sie sehen mich jetzt leicht verärgert.“ Richter zum Anwalt, der erst am Ende der Beweisaufnahme erklärt, dass sein Mandant eine entlastende Urkunde bei sich daheim habe, aber zum Prozess nicht mitgebracht hat.

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„Ich kann dazu nichts sagen: Es war nicht so, wie es ist.“ Angeklagter beteuert seine Unschuld. Die Drogen, die bei ihm gefunden wurden, sollen nicht ihm gehört haben.

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„Ist er mittlerweile in Selbstmitleid ertrunken, oder geht’s noch?“ Jugendgerichtshelfer zum Angeklagten, der allerhand missliche Umstände ins Feld führte, warum er immer wieder Stress mit den Behörden bekam.

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Zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt

„Er biegt sich seine Vita hin, wie es gerade passt. Er ist ein Musterbeispiel für eine total misslungene Integration. Er liegt seit Jahren dem Steuerzahler auf der Tasche. Ich kann keine positive Prognose stellen, ohne mich lächerlich zu machen.“ Abschließende Einschätzung des Jugendgerichtshelfers über einen Angeklagten, der wiederholt straffällig geworden ist. Der junge Mann wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt.

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„Mir ham’s auch eine letzte Chance gegeben. Und ich habe sie genutzt – vor 20 Jahren.“ Eine Mutter bittet den Richter, sich bei der Verurteilung ihres vorbestraften Sohnes gnädig zu zeigen.

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„Es gab Ärger. Aber Ärger heißt nicht Stress. Bevor Stress passierte, hat der Türsteher uns rausgeschmissen.“ Angeklagter erläutert, dass zwar gestritten, aber nicht geschlägert worden sei.

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„Ich war schon gut dicht. Aber das ich ausgerastet wäre, oder mich zugesoffen hätte, das nicht.“ Der heranwachsende Angeklagte erklärt, wie er sich nach zehn bis 15 Bier an einem Abend gefühlt hat.

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„Die Straftaten waren einfach dumm und gedankenlos. Irgendwann reicht’s. Das habe ich selber verstanden.“ Angeklagter (20) gibt sich nach seiner sechsten Gerichtsverhandlung binnen sechs Jahren geläutert.

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Nicht zum ersten Mal musste ein Geretsrieder (25) auf der Anklagebank Platz nehmen. Am Ende der Verhandlung am Wolfratshauser Amtsgericht bekam er einen unmissverständlichen Hinweis.

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